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Wer will fleißige Flussfischer sehen?

„Haus der Flüsse“ in Havelberg Wer will fleißige Flussfischer sehen?

Mit dem neuen „Haus der Flüsse“ des Biosphärenreservates Mittelelbe können sich Buga-Gäste auf verschiedene thematische Veranstaltungen freuen. Noch bis Dienstag laden Havellfischer Gernot Quaschny und Wolfgang Schröder zur „Woche der Fische“ ein.

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Havelfischer Gernot Quaschny (links) und Wolfgang Schröder erklären das Zugnetzfischen.

Quelle: Andrea Schröder

Havelberg. In Wathose, Regenjacke und Gummistiefel gekleidet, steigen zwei Männer an dem neu geschaffenen Seitenarm der Havel am „Haus der Flüsse“ ins Boot. Nach und nach lassen sie ihr Netz ins Wasser. Auf dem Steg, der zur Petroleuminsel führt, beobachten Zuschauer die „Flussfischer bei der Arbeit“. Das ist der Titel der Veranstaltungsreihe, die Eicke Granitzki, Leiter des Hauses der Flüsse, anlässlich des „Tages der Fische“ vorbereitet hat. Dieser wird seit 2007 am 22. August begangen, erklärt er den Zuschauern zum Start der Fischwoche.

Mit den Berufsfischern Gernot Quaschny aus Hohengöhren bei Stendal in Sachsen-Anhalt und Wolfgang Schröder aus Strodehne (Havelland) hat er sich zwei Akteure an die Seite geholt, die ihren Beruf mit Leib und Seele ausfüllen. An diesem Wochenenden zeigen und erklären sie den Besuchern am Buga-Standort Havelberg, wie sie Fische fangen, wie sie verarbeitet und zubereitet werden – vom Fang bis zur Pfanne also. Am Haus der Flüsse stellen die Havelfischer zudem das Zugnetzfischen vor. Ob sie in dem kleinen, flachen Seitenarm tatsächlich Fische rausholen werden? Die Gäste dürfen gespannt sein. In der vergangenen Woche jedenfalls zappelten tatsächlich ein paar Brassen, Döbel, Plötze und Rapfen im Kescher. Die Fischer entließen sie allerdings wieder in die Freiheit. Wer weiß, wie oft ihnen wohl diese Fische in den nächsten Tagen noch ins Netz gehen werden?

Denn noch bis zum kommenden Dienstag zeigen Gernot Quaschny und Wolfgang Schröder täglich von 15 bis 18 Uhr ungefähr stündlich den Fischzug. An diesem Sonnabend und Sonntag sind Besucher bereits ab 13.30 Uhr willkommen. Ab 14 Uhr wird das Thema erweitert. Dann gibt‘s auch Antworten auf die Frage: Wie schmecken regionale Flussfische?

Viele kennen die Forelle. „Doch ist das gar kein heimischer Fisch“, erklärt Eicke Granitzki. Vielmehr sind es Brasse, Plötze, Wels oder Hecht, die in Elbe und Havel gefangen werden. „Mit über 40 Fischarten sind beide Flüsse wieder recht fischreich. Inzwischen gibt es auch wieder Lachse“, informiert Gernot Quaschny. Störe wurden ausgesetzt. Die Fischer sind gespannt, ob sie nach zwölf Jahren wiederkehren. Mit einer Länge von rund zwei Metern ist der Wels – er ist auch das Maskottchen der Bundesgartschau 2015 in der Havelregion – der größte Fisch in Elbe und Havel. In kleinerem Format als der wandelnde Plüschfisch Wilma ist er in einem Schaubecken zu sehen, das meist dicht umringt ist von Kindern und Erwachsenen. Die Fischer zeigen darin heimische Fische wie Aal, Schlei, Barsch, Aland, Rotfeder und Brasse.

Wolfgang Schröder berichtet, dass die Havel, deren Wasserstand reguliert wird, vom Hochwasser der Elbe lebt. Gibt es kein Hochwasser, nimmt auch der Fischbestand ab. In Konflikt geraten die Fischer mit den Bauern wegen Überflutung der Havelwiesen. Während den Bauern im Frühjahr daran gelegen ist, dass das Wasser so schnell wie möglich verschwindet, wollen die Fischer, dass es bis Ende Mai bleibt, damit die Fische nach dem Ablaichen wieder in den Fluss gelangen. Neben dem Zugnetz verwenden die Fischer Stellnetze und Reusen für den Fang. Je nach Gewässertiefe werden die Netze eingebracht. Die Fische landen in einem Sack, sie werden lebend gefangen. Die Maschengröße wird entsprechend gewählt. Kleinere Fische kommen wieder zurück ins Wasser, die ganz kleinen schlüpfen sofort wieder durch die Maschen. Den Fischern ist die nachhaltige Bewirtschaftung ein wichtiges Anliegen, um die Vielfältigkeit der Fischfauna zu erhalten.

Havelfischer in vierter Generation

Mehr als 3000 Fischer waren vor circa 100 Jahren auf der Havel unterwegs. heute ist der Beruf des Fischers vom Aussterben bedroht. Auf dem Gülper See in der Gemeinde Havelaue (Havelland) arbeiten derzeit noch drei Fischer: Einer von ihnen ist Wolfgang Schröder.

Schröder stammt aus einer traditionsreichen Fischerfamilie
: Er ist Fischer in vierter Generation: Der Fischerreibetrieb wurde 1904 von Julius Schröder (sen.) gegründet. Später übernahmen dessen Söhne Julius (jun.) und Hermann das Geschäft. Von Julius (jun.) ging die Fischerei zu Günter Schröder, über. Heute gehört sie Wolfgang Schröder.

Schröders Revier liegt nordwestlich von Rathenow am letzten Stück des Rhins zwischen Havel und Gülper See.

Befischt wird hauptsächlich der Gülper See: Er ist mit seinen 573 Hektar der größte See im Landkreis Havelland. Der Gülper See ist ein Flachgewässer und daher idealer Laichplatz für Zander Hecht und Blei (Brassen).

Wolfgang Schröder ist ein vielseitiger Fischer: Er verleiht Paddelboote, fischt mit Alkoholkranken, die ein Entzugsprogramm absolvieren, kocht und bietet Erlebnis-Bootstouren im Fischerkahn an. Sogar Politiker wie Sigmar Gabriel oder Matthias Platzeck hat er schon über die Havel geschippert.

Von Andrea Schröder

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