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Brandanschlag in Jüterbog: Polizei fasst Verdächtigen

Ermittler vermuten fremdenfeindliches Motiv Brandanschlag in Jüterbog: Polizei fasst Verdächtigen

Ein Brandanschlag in Jüterbog (Teltow-Fläming) ist so gut wie aufgeklärt. Anfang Oktober hatte ein Unbekannter einen Brandsatz in eine Flüchtlingsunterkunft geworfen. Nun ist ein Mann festgenommen worden, der die Tat bereits gestanden hat. Die Ermittler gehen von einem fremdenfeindlichen Motiv aus. In Jüterbog herrscht Erleichterung über den Ermittlungserfolg.

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Anfang Oktober waren auf die Flüchtlingsunterkunft Brandsätze geworfen worden.

Quelle: Victoria Barnack

Jüterbog. Nach dem Brandanschlag auf eine Unterkunft für junge Flüchtlinge in Jüterbog hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Dabei handele es sich um einen 20-jährigen Jüterboger , sagte der Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft, Markus Nolte, am Mittwoch. Der Festgenommene hat bereits gestanden am 1. Oktober zwei Brandsätze gegen ein Fenster des Heims für minderjährige Flüchtlinge geworfen haben. Das Feuer konnte damals schnell gelöscht werden. Verletzt wurde niemand.

Die Festnahme des Verdächtigen war bereits am Dienstag erfolgt, nachdem bei einer Wohnungsdurchsuchung in den frühen Morgenstunden „umfangreiche Beweismittel“ gefunden und beschlagnahmt wurden, wie die Polizei mitteilt. Zwölf Beamte waren daran beteiligt.

In seiner Vernehmung zeigte der Jüterboger sich geständig, als Einzeltäter Brandsätze gegen das Gebäude geworfen zu haben. Als Motiv benannte er eine fremdenfeindliche Gesinnung. Der Festgenommene soll am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt werden. Der entscheidet darüber, ob der 20-Jährige in Untersuchungshaft kommt.

Die Kriminalisten kamen dem Mann auf die Spur, als sie einen Zeugen ausfindig machen konnten, der den Mann kurz vor der Tat mit einem Benzinkanister in Richtung Tatort gehen sah. Nach MAZ-Informationen lebt der Mann in unmittelbarer Nähe zu der Flüchtlingsunterkunft im Jüterboger Stadtzentrum.

„Gegenwärtig bestehen keine Anhaltspunkte für eine Beteiligung des Beschuldigten an anderen einschlägigen Straftaten wie etwa der Herbeiführung einer Explosion im Gemeinschaftsraum einer kirchlichen Begegnungsstätte in der Jüterboger Mönchenstraße im November 2015“, sagte ein Polizeisprecher. Demnach hat der Jüterboger keinen Anteil am weiterhin ungeklärten Anschlag auf den Jüterboger Flüchtlingstreff „Turmstube“ vor einem Jahr.

So wird in Jüterbog auf die Ermittlungsergebnisse reagiert

Beim Träger der Unterkunft, der Johanniter-Unfallhilfe, zeigte man sich erleichtert. „Ich bin für die Jugendlichen froh, dass offensichtlich der Täter ermittelt wurde und danke den Ermittlern für diesen schnellen Erfolg“, sagte Ralf Boost , Regionalvorstand der Johanniter im Regionalverband Potsdam-Mittelmark-Fläming. Der Anschlag und potenzielle weitere Anschläge werden die Johanniter aber weiter beschäftigen. „Unsere Sicherheitsschulungen in Jüterbog und anderen Einrichtungen laufen weiter“, sagte Boost. Die Leiterin der Unterkunft, Lisa Schlage , sagte, dass den Bewohnern durch diese Nachricht „Sorge und Angst“ genommen würden. „Es war ein ungutes Gefühl zu wissen, dass jemand draußen rumläuft, der uns nichts Gutes will“, sagte sie der MAZ. Dass es sich beim mutmaßlichen Täter um einen jungen Mann aus Jüterbog handele, sei nicht relevant. „Die Tat ist abscheulich und die Frage ist, was seine Motive waren“, sagt Schlage.

Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue (parteilos) äußerte sich auf Facebook zur Festnahme: Er nannte den Ermittlungserfolg „erfreulich“. „Ich hoffe, das Verfahren kann zügig zu einem Ende gebracht werden, wenn sich der Verdacht erhärtet“, sagte Raue weiter. Der Jüterboger Landtagsabgeordnete und SPD-Rechtspolitiker Erik Stohn lobte die Ermittlungsbehörden: „Das ist ein klares Signal, dass Taten wie diese in Brandenburg mit Hochdruck verfolgt werden. Mit Molotowcocktails auf Flüchtlingsheime werfen ist nicht nur ein lebensgefährlicher Angriff auf die minderjährigen Flüchtlinge, sondern auch ein elementarer Angriff auf unsere Rechtsordnung, den wir nicht akzeptieren.“ Der CDU-Rechtspolitiker und Landtagsabgeordnete Danny Eichelbaum sagte, er sei froh, dass der Täter ermittelt worden ist. „Das ist ein wichtiges Zeichen im Kampf gegen Gewalt und Extremismus. Der Täter muss zügig seiner gerechten Strafe zugeführt werden“, sagte Eichelbaum.

Der Bundestagsabgeordnete Norbert Müller (Linke) forderte Bürgermeister Raue auf, frühere Aussagen zu revidieren: „Jetzt ist klar, was absehbar war: Der Anschlag auf eine Unterkunft von minderjährigen Flüchtlingen in Jüterbog war die Tat eines Rechtsextremen. Der Bürgermeister der Stadt hatte dies offen in Frage gestellt und indirekt die Bundesregierung für dieses Verbrechen mitverantwortlich gemacht. Spätestens jetzt wäre es an der Zeit, seine Äußerungen und seine Rolle bei der Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas zu überdenken“, teilte Müller mit.

Die Jüterboger Pfarrerin Mechthild Falk war in Gedanken bei den minderjährigen Bewohnern des Heims, als sie die Nachricht von der Festnahme erhielt. „Es war am tag nach dem Anschlag der größte Wunsch dieser Jungs, dass die Täter schnell gefasst werden, damit es nicht erneut passiert“, sagte sie. Da der festgenommene Mann nicht viel älter als die unbegleiteten Flüchtlinge seien, bot Falk sogleich ein Gespräch an, „Vielleicht kann man herausfinden, was den Zorn in ihm ausgelöst hat, indem man es zu einer Begegnung kommen lässt“, sagte sie. Pfarrer Bernhard Gutsche sagte, dass die Festnahme eine wichtige Klärung für die Stadt darstelle, wodurch Unsicherheit und die Entstehung von Gerüchten verhindert werde.

Von Peter Degener mit dpa

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