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„Bürgerwehr“ geht auf kranken Flüchtling los

Mit Kabelbindern an Baum gefesselt „Bürgerwehr“ geht auf kranken Flüchtling los

Schreckliche Szenen im sächsischen Arnsdorf: Eine Bürgerwehr hat einen psychisch kranken Asylbewerber geschlagen und anschließend mit Kabelbindern auf dem Parkplatz eines Supermarktes an einen Baum gefesselt – unter Billigung der Mitarbeiter. Doch als die Beamten der Polizei kamen, nahmen sie zunächst nicht die Personalien auf.

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Quelle: dpa

Arnsdorf. Eine selbst ernannte Bürgerwehr ist im sächsischen Arnsdorf auf einen irakischen Asylbewerber losgegangen. In einem Supermarkt haben mindestens drei Personen den 21 Jahre alten jungen Mann zunächst aus einem Supermarkt gezerrt und ihn anschließend an einen Baum gefesselt. Zudem musste der Iraker mehrere Schläge über sich ergehen lassen, berichten die Sächsische – und die Bild-Zeitung.

Nach angaben der Polizei ereignete sich der Fall bereits am 21. Mai und wurde nun in sozialen Netzwerken wie Facebook und Youtube – zumeist in rechtsextremen Kreisen – verbreitet. Die Kommentare dazu: menschenverachtend.

Schubst, geschlagen, gefesselt

Ein Video zeigt, wie Verkäufer mit dem Flüchtling sprechen. Er hält dabei eine Flasche in der Hand, die er einerseits abstellen soll, um andererseits den Laden zu verlassen.

Doch der Mann rührt sich nicht, bis zwei Männer den Laden betreten und ihn aus dem Laden führen. Nicht etwa sanft. Einer ballt die Fäuste, ein anderer greift zu. Als sich der 21-Jährige wehrt, wird er geschubst und geschlagen. Besonders perfide ist die Stimme einer Frau, die davon spricht, dass es schade sei, eine Bürgerwehr zu brauchen. Gleichwohl vermittelt der Supermarkt auf seiner Facebook-Seite nun ein anderes Bild. Dort heißt es, dass man den Fall ernst nehme und die Bürgerwehr nicht etwa von den Mitarbeitern gerufen worden waren. „Das gezeigte Vorgehen im Video widerspricht unseren Unternehmensvorgaben“, schreibt das Unternehmen.

Opfer ist psychisch krank

Das Opfer lebt derzeit in einer Fachklinik in Sachsen und ist laut Angaben der Polizei psychisch krank. Der Iraker war im Supermarkt sauer geworden, weil sie herausstellte, dass das Guthaben seiner SIM-Karte, die er am Vortag erstanden hatte, bereits aufgebraucht war. Daraufhin soll der Mann die Mitarbeiter bedroht haben. Die Polizei wurde informiert. Doch als die Beamten eintrafen, war der junge Iraker bereits mit Kabelbindern an einen Baum gefesselt. Mitten auf dem Parkplatz des Supermarktes. Man hatte ihn an der Flucht hindern wollen, geben die rabiaten Mitglieder der Bürgerwehr später zu Protokoll. Doch statt die Personalien aufzunehmen, ließen die Beamten die rabiaten „Hobbypolizisten“ zunächst wieder gehen. Sie sollten sich von dem Ort entfernen.

Dennoch werde nun gegen sie wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung ermittelt. Der Staatsschutz ist involviert. Auch der Asylbewerber muss sich verantworten – wegen des Verdachts der Bedrohung. Laut Medienberichten wird jedoch auch noch in eine andere Richtung ermittelt. Gegen Unbekannt. Die Sächsische Zeitung berichtet, dass ein CDU-Gemeinderatsmitglied beteiligt gewesen sein soll. Er hatte zum Vorfall gesagt dass man „Zivilcourage“ gezeigt hätten. Relativierend brachte er, dass – er spricht expliziert von „wir“ – man das auch bei jedem anderen getan hätte, selbst wenn er deutscher Staatsbürger gewesen wäre.

Bürgerwehren in Brandenburg

Auch in Brandenburg sind Bürgerwehren ein Thema. So hatte man im Nuthetal davon berichtet, eine Sicherheitspartnerschaft mit der Polizei ins Leben zu rufen, um eine Bürgerwehr zu verhindern. In Perleberg wurde eine Bürgerwehr gegründet – und verschwand ebenso schnell, wie sie gegründet worden war. Die Mitglieder wollten sich nach eigenen Angaben gegen „ausufernde Qualität durch Asylbewerber“ zur Wehr setzen. Der Staatsschutz hatte schnell Ermittlungen eingeleitet.

Von MAZonline

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