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Reichsbürger twittert vom SEK-Einsatz

Prignitz-Dorf Reckenthin Reichsbürger twittert vom SEK-Einsatz

Der SEK-Einsatz im Prignitz-Dorf Reckenthin ist am Mittwoch gegen 13 Uhr unblutig beendet worden. Die Polizisten konnten den 6-fachen Familienvater, der sich mit einem Messer in seinem Haus verschanzt hatte, überwältigen. Der Mann wollte um jeden Preis verhindern, dass ihm der Strom abgeschaltet wird – und hat nebenbei getwittert.

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Polizei und SEK im Einsatz in Reckenthin (Groß Pankow). Das Haus, in dem sich der Mann verbarrikadiert hat, war großräumig abgesperrt.

Quelle: Ulrich Fischer

Reckenthin. Mittwoch um 13 Uhr ist das Drama im Prignitz-Dorf Reckenthin beendet: Spezialeinsatzkräfte der Polizei aus Potsdam können den sechsfachen Familienvater überwältigen. Der 54-Jährige wurde abgeführt und zunächst zur Polizeiwache Perleberg gebracht, bevor sich ein Staatsanwalt mit ihm befasst.

Familienvater wehrt sich gegen Stromabschaltung

Zuvor hatten speziell ausgebildete Verhandler der Polizei den Mann – einen sogenannten Reichsbürger – bis zur Tür seines Hauses gelockt. Der Mann hatte sich am Morgen in seinem Haus verschanzt und sowohl dem Gerichtsvollzieher als auch dem Stromversorger den Zugang verweigert. Er fuchtelte mit einem Messer herum und drohte, alle umzubringen, die ins Haus kämen.

Täter twittert vom SEK-Einsatz

Der Mann hat über den Einsatz live bei Twitter berichtet. Darin behauptet er, dass er seine Stromrechnung an den Vertragspartner monatlich beglichen habe und dies auch beweisen könne. Zum Einsatz selbst schreibt er: „Die Terroreinheiten sind in Position und warten nur darauf eine deutsche Familie zu erledigen“. Die Familie betreibt auch eine Internetseite „gegen deutsche Inkompetenz und Ignoranz, gegen Hartz IV und SGB II“. Ein Eintrag ist überschrieben mit „Mordversuch an 9-köpfiger Familie durch JobCenter Pritzwalk“, darum geht es um die Zahlung von Kindergeld.

Ein Screenshot bei Twitter

Ein Screenshot bei Twitter.

Quelle: Screenshot

Eon-Mitarbeiter bittet um Unterstützung der Polizei

Der Mitarbeiter der Firma Eon-Edis hatte wohl schon gewusst, dass der Reckenthiner sich nicht einfach so den Strom abschalten lassen würde. Er hatte deshalb im Vorfeld um Unterstützung der Polizei gebeten. Deshalb erschienen er und der Gerichtsvollzieher zunächst in Begleitung von zwei Revierpolizisten. Doch der Familienvater verweigerte auch den Polizisten den Zutritt zu seinem Haus. Weil es Hinweise darauf gab, dass der Mann bewaffnet war – und weil bekannt war, dass sich im Haus noch seine Frau und die sechs Kinder aufhalten, verzichteten die Revierpolizisten darauf, das Haus zu stürmen und forderten Verstärkung an. Gegen 10 Uhr trafen das SEK und die Verhandler aus Potsdam ein.

Bei der Polizei kein Unbekannter

Der Täter ist bei der Polizei kein Unbekannter. Er war schon mehrfach wegen Bedrohung in Erscheinung getreten. Er selbst bezeichnet sich als „Reichsbürger“. Das sind Menschen, die die Bundesrepublik und all ihre Gesetze und Verordnungen – vom Bußgeldbescheid bis zu den Steuern – nicht anerkennen.

Mann bald wieder auf freiem Fuß

Die Polizeisprecherin ging nach Ende des Einsatzes davon aus, dass der Mann schnell wieder auf freien Fuß kommen würde. Für eine Inhaftierung müssten Haftgründe wie Flucht- oder Verdunklungsgefahr vorliegen – diese seien hier nicht ersichtlich. Gegen den Mann wird nun voraussichtlich wegen Nötigung ermittelt, weil der den Stromanbieter mittels Gewalt nötigen wollte, vom Abschalten des Stromes abzusehen.

Der Strom im Haus ist mittlerweile abgeschaltet.

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Von Ulrich Fischer und Kathrin Gottwald

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