Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Rocker auf offener Straße in Berlin erschossen

Guerilla Nation Rocker auf offener Straße in Berlin erschossen

Grausame Tat in Berlin-Lichtenberg: Dort ist am Freitagmittag ein Mann auf offener Straße erschossen worden. Er konnte sich noch in eine Werkstatt schleppen, starb aber wenig später an seinen Verletzungen. Nun ist klar: Er ist Mitglied des Rockerclubs Guerilla Nation. Gibt es eine neue Fehde unter den Clubs?

Voriger Artikel
Mieter verschläft Brand in seiner Wohnung
Nächster Artikel
Sohn betrinkt sich und wirft Messer auf Vater

Die Polizei sicherte das Gebiet rund um den Tatort.

Quelle: Julian Stähle

Berlin. Auf einer Straße in Berlin-Lichtenberg ist ein Rocker erschossen worden. Der 28-Jährige konnte sich am Freitagmittag noch schwer verletzt auf den Hof einer naheliegenden Werkstatt schleppen, wo er kurz darauf starb, wie die Polizei mitteilte. Das Opfer gehörte zu der neueren Rockerbande Guerilla Nation. Das hätte eine Überprüfung der Personalien ergeben, sagte eine Polizeisprecherin. Der oder die Täter flohen. Beobachtungen von Zeugen gab es nicht.

Ob der Mord von Mitgliedern einer anderen Rockerbande verübt wurde, ermittelt nun die Polizei. Ähnliche Taten in der Vergangenheit waren oft Racheakte für frühere Beleidigungen oder lösten wiederum Racheangriffe verfeindeter Gangs aus.

Dutzende Rocker versammeln sich in Tatortnähe

In der Nähe des Tatorts im Kietzer Weg liegt ein Clubhaus des Rockerclubs Guerilla Nation, der nach Einschätzung der Polizei seit seiner Gründung vor ein oder zwei Jahren zunehmend Mitglieder gewinnt. Der Angriff ereignete sich um kurz nach 13.00 Uhr. Zeugen hörten mehrere Schüsse in dem gepflasterten Weg, der fast versteckt parallel zur S-Bahn zwischen den Bahnhöfen Frankfurter Allee und Ostkreuz verläuft.

In der Nähe des Tatorts versammelten sich schnell Dutzende Rocker. Polizisten, die zum Teil mit Maschinenpistolen bewaffnet waren, sicherten das Gebiet. Einige Rocker wurden überprüft. Auch Kriminalpolizisten der LKA-Abteilungen, die für Rockerkriminalität zuständig sind, waren vor Ort. Ebenso eine Mordkommission, Kriminaltechniker, ein Staatsanwalt und Vertreter der Gerichtsmedizin.

Mit einem Metalldetektor suchten die Einsatzkräfte nach Patronenhülsen. Fundstellen wurden markiert und dokumentiert. Der Tote wurde abtransportiert. Er sollte obduziert werden.

Auseinandersetzungen zwischen kriminellen Rockerbanden

Die Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen kriminellen Rockerbanden beschäftigen seit vielen Jahren die Polizei in ganz Deutschland. Im Mittelpunkt stehen oft die Hells Angels, die Geld mit Rauschgifthandel, Schutzgelderpressung und Frauenhandel verdienen. Bei den „Rockerkriegen“ geht es um die Macht in bestimmten Revieren, aber auch um die Verletzung der sogenannten Ehre.

Neuere Rockerclubs wie Bandidos und Guerilla Nation, deren Mitglieder oft aus dem türkisch- oder arabischstämmigen Einwanderermilieu kommen, machen den eingesessenen Clubs ihre Vorherrschaft streitig. Erst im Mai war die Berliner Polizei mit einem Großaufgebot gegen Rocker in Moabit vorgegangen. Waffen wie Messer und Baseballschläger wurden sichergestellt, 27 Mitglieder eines Rockerclubs kontrolliert. Zuvor hatte es Hinweise auf milieuinterne Auseinandersetzungen und mögliche Gewalttaten gegeben. Betroffen waren dabei auch Mitglieder der Guerilla Nation.

Rund 1000 kriminelle Rocker in Berlin

Insgesamt gibt es in Berlin nach Einschätzung der Polizei etwa 1000 Rocker in 20 Clubs, die im kriminellen Milieu agieren. Kriminelle Rockerbanden wie die Hells Angels sind deutschlandweit und international gut verknüpft.

Bei der letzten Jahresfeier der Hells Angels am 31. Oktober 2015 im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf versammelten sich weit mehr als 700 Rocker aus der ganzen Welt. Neben Hells Angels aus Deutschland kamen Rocker aus 26 anderen Ländern, darunter Frankreich, Italien, Kanada, USA, Rumänien, Russland, Schweden, Spanien, Thailand, Türkei und Ukraine. Die Polizei war mit 370 Leuten an dem Clubhaus im Einsatz, darunter Experten aus anderen Bundesländern und vom Bundeskriminalamt (BKA).

Seit fast zwei Jahren läuft in Berlin ein Mordprozess gegen Mitglieder der Hells Angels. Elf Angeklagte stehen wegen eines Mordes aus Rache in einem Wettbüro im Januar 2014 vor Gericht. Ein Rocker-Boss soll die Schüsse auf das 26-jährige Opfer in Auftrag gegeben haben. Dieser Prozess läuft noch mindestens bis zum Herbst.

Von dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizei
DSC_0384_56501.jpg
Augenblicke 2016: Leserfotos (4)

Augenblicke 2016: Beim großen Leserfotowettbewerb der Märkischen Allgemeinen Zeitung werden die schönsten Aufnahmen der Brandenburger oder mit Motiven aus  Brandenburg des Jahres 2016 gesucht. Hier Teil 4 der Einsendungen.

Ein neues Geheimdienst-Gesetz steht an: Sollte der BND mehr Befugnisse erhalten?