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Tödliches Drama am Gleitschirm

Schock nach Absturz eines 39-Jährigen in Altes Lager sitzt tief Tödliches Drama am Gleitschirm

Vor seinem Start hat er noch Witze gemacht - wenig später ist ein 39-jähriger Luckauer bei einem Fallschirmsprung in Altes Lager (Teltow-Fläming) ums Leben gekommen. Der Schirm hatte sich nicht geöffnet. Der Schock über das Unglück sitzt tief. Es ist nicht der erste schwere Unfall auf dem Flugplatz.

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Symbolbild: Ähnlich wie dieser Fallschirm wurde auch der Schirm des Opfers in die Höhe gezogen

Quelle: MAZ

Altes Lager. Probleme am Gleit- und Sicherheitsfallschirm führten am frühen Montagabend zu einem tragischen Unfall in Altes Lager. Ein 39 Jahre alter Zimmerei-Inhaber aus Egsdorf bei Luckau kam bei einem Absturz mit seinem Gleitschirm ums Leben. Weil sich der Sicherheitsfallschirm nicht öffnete, fiel der Pilot aus bisher unbekannter Höhe ungebremst zu Boden. Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Die Ursachen des tödlichen Unfalls waren bis Dienstag noch unklar. Die Ermittlungen hat die Kriminalpolizei übernommen.

Chronologie von Flugunfällen in Altes Lager

27. Juli 2014: Ein 29 Jahre alter Ultraleichtdrachen-Flieger stürzt aus zehn Metern Höhe auf die Erde. Er kam mit Verdacht auf Schädelverletzungen ins Krankenhaus.

20. Juli 2014: Ein 47-jähriger Gleitschirmflieger legt eine verunglückte Landung hin. Er stürzte aus etwa drei bis fünf Metern Höhe ab und zog sich Rückenverletzungen zu. Er wurde im Krankenhaus behandelt.

6. Juli 2013: Ein Flugschüler verletzt sich beim Starten mit seinem Hängegleiter. Er zieht sich beim Absturz leichte Verletzungen zu und kommt zur Beobachtung ins Krankenhaus.

23. April 2011: Eine 44-jährige Pilotin aus Müggelheim stirbt nach einem Absturz mit ihrem Drachen beim Start. Es soll Probleme beim Windenschlepp gegeben haben.

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. April 2011: Ein 22 Jahre alter Gleitschirmflieger verliert kurz nach dem Start die Kontrolle über sein Fluggerät, versucht eine Notlandung und stürzt aus 30 Metern Höhe ab. Er verletzte sich schwer und kam ins Krankenhaus.

18. April 2010: Ein Ultraleichtflugzeug stürzt nahe dem Flugplatz von Altes Lager ab. Die Insassen blieben unversehrt. Der Flieger war auf dem Weg nach Schönhagen.

26. Juli 2006: Bei einem Trainingsflug gerät ein 45-jähriger Drachenflieger auf etwa 100 Metern Höhe in Turbulenzen. Er stürzt ab, kann aber die Landung noch so abdämpfen, dass er sich nur leicht verletzt.

4. Juli 2006: Ein 59 Jahre alter Hängegleiter-Pilot aus Hamburg verunglückt in der Nähe des Landeplatzes in Altes Lager. Er streift nach einem abendlichen Übungsflug einen Baum und versucht eine Notlandung. Der Mann zog sich lebensgefährliche Lungen- und Rippenverletzungen zu.

19. Juli 2003: Eine 22-jährige Pilotin stirbt nach einem Absturz mit ihrem Drachen im Krankenhaus. Das Fluggerät war in geringer Höhe vom Zugseil abgerissen.

Im Jahr 2002 stimmte die Gemeinde Niedergörsdorf dem Vorhaben des Drachenfliegerclubs Berlin/Brandenburg zu, auf dem vereinseigenen Gelände auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Altes Lager einen Sonderlandeplatz für Ultraleicht-Flugzeuge, Hängegleiter, Gleitschirme und Modellflugzeuge einzurichten. Ein Jahr später kam die Genehmigung von der Luftfahrtbehörde.

Schock auf dem Flugplatz sitzt tief

Das Unglück ereignete sich auf dem Gelände vom Drachenfliegerclub Berlin (DCB), der dort seit Jahren sein Domizil hat. Die Fluggeräte stehen in ehemaligen Hangars, in denen einst MiG-Jagdflugzeuge der russischen Streitkräfte abgestellt waren. Katharina Dressel, Pressesprecherin vom DCB, erklärte: „Wir sind alle tief bestürzt über dieses tragische Unglück.“ Die Ursachen sind nach wie vor völlig unklar. Sie versicherte aber: „Es lag nicht am Windenstart, der Pilot hatte das Seil bereits ausgeklinkt.“ Es war womöglich ein Pilotenfehler, lautet eine Vermutung. Eine Ursache könnte ein nicht ordnungsgemäß eingerasteter Karabinerhaken gewesen sein.

Der Schock saß auch einen Tag danach bei den Flugschülern und Hobbyfliegern tief. „Wir saßen am Sonntagabend in gemütlicher Runde zusammen, erzählten uns Geschichten aus dem Fliegeralltag. Alle waren gut drauf, auch der Verunglückte. Er erzählte Witze, alle freuten sich auf die Starts am nächsten Tag“, erinnert sich Markus Krell aus der Oberpfalz. Der 44-Jährige ist Manager, fliegen ist seine Leidenschaft. Mit dem Drachenflieger hat er bisher mehr als 70 Flüge erfolgreich absolviert. Jetzt möchte er auch die Gleitschirmberechtigung erwerben. Am Dienstag war er der Erste auf der Startbahn, nachdem sich das Unglück ereignet hatte.

Ausrüstung wird regelmäßig überprüft

Martin Ackermann von der Flugschule Sky Magic, die auf dem DCB-Areal in Altes Lager agiert, ist sein Ausbilder. Am Dienstagnachmittag war sein erster Start. Von einer Seilwinde in mindestens 300 Meter Höhe gezogen wird das Schleppseil dann vom Piloten von Hand ausgeklinkt. Dann muss man sich die besten Thermikströmungen suchen und segelt im selbstständigen Flug weiter. Winde und Gleitschirm standen bereit, Markus Krell konnte bei Bedarf seine Montur anlegen. Äußerlich wirkte er zwar sehr ruhig, aber im Inneren wirkte das Erlebte nach. Gründlicher als sonst studierte er mehrfach die Instruktionen aus der Theorieschulung. „Jede Sportart hat ihre Risiken. Aber die beim Autofahren sind noch viel größer. Lassen wir den Wagen deshalb stehen?“, argumentiert Markus Krell, wohl auch, um sich selbst zu beruhigen. Er überprüfte immer wieder seine Ausrüstung; bestehend aus dem Sitz, unter dem der Rettungsfallschirm angebracht ist. Er kann im Notfall vom Piloten ausgeklinkt werden. Alles wird an Gurten mit Karabinerhaken am Gleitschirm befestigt. Womöglich lag hier der Fehler beim Unglückspiloten.

Markus Krell hatte seinen Start mehrmals verschoben. Auch am Montag verzichtete er darauf, zu stark und wechselhaft war der Wind. Es gab sogar Böen. „Ich will da absolut kein Risiko eingehen“, sagt Ausbilder Martin Ackermann resolut. Am Dienstag waren Flugschüler unter anderem aus Berlin, Halle/Saale und der Oberpfalz am Start. Und am Rand der Piste, nicht weit vom Absturzort entfernt, stand noch immer das Firmenfahrzeug des verunglückten Handwerkers.

Von H.-Dieter Kunze

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