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„Kommt Kinder, ihr dürft auch mal!“

Zeuthener Grundschüler bekommen bei der Schelchen-GmbH einen Einblick ins Berufsleben „Kommt Kinder, ihr dürft auch mal!“

Nein, die Leute mit heller Haut und roten Augen nennt man Albinos, nicht Azubis. Manchmal sind es sehr grundsätzliche Dinge, die Schelchen-Personalchefin Sabine Timm ihren jungen Besuchern erklären muss. Aber nicht so bei den Fünftklässlern der Zeuthener Grundschule am Wald, die an diesem Vormittag den Schuhsohlen-Hersteller in Königs Wusterhausen besuchen.

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Jeder rote Punkt auf der Karte markiert ein Land, das von Königs Wusterhausen aus mit Schuhsohlen beliefert wird.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Königs Wusterhausen. Die Zehn- bis 12-Jährigen stellen dem Azubi Adrian Schröder (18) und der frisch ausgelernten Juliane Krecklow (23) so versierte Fragen, als müssten sie sich selbst bald um einen Job bewerben. Und was wollen die Kinder von den Beiden am dringendsten erfahren? Na klar: Wann geht’s morgens los, wie lange müsst ihr arbeiten, wie viele Pausen habt ihr und vor allem – wie viel Geld verdient ihr?

Aber es interessiert die Schüler auch, was die jungen Leute sonst noch aus dem Berufsleben zu berichten haben. „Das Schwierigste ist natürlich ganz am Anfang, wenn man sich in ganz neue Aufgaben ’reinfuchsen muss“, erzählt Juliane Krecklow, die bei Schelchen die Ausbildung zur Industriekauffrau gemacht hat. „Aber wir Jüngeren haben auch Welpenschutz und müssen noch nicht so viel leisten wie die erfahrenen Kollegen.“

Nach dem Frühstück und der Fragerunde im Besucherraum geht es für die Schüler in die Betriebshalle. Aufgeteilt in zwei Gruppen, führen Sabine Timm und ihre Kollegin Susan Bohne die Kinder durch den gesamten Produktionsprozess. „Was glaubt ihr, woher das Leder-Symbol seine typische Form hat?“, fragt Sabine Timm. Die Antwort hält sie mit dem großen Stück Schafsleder praktisch in den Händen.

Aus der Tierhaut werden nur wenige Meter weiter etliche Rohlinge herausgestanzt: Der große Maschinen-Arm lässt sich mit Leichtigkeit vor- und zurückbewegen. Auf Knopfdruck saust das schwere Gerät herab auf die fußförmige Metallform auf dem Leder, fertig ist der Rohling. „Ich glaub’, damit könnte ich ’ne ganze Weile Gewichtheben“, sagt der zehnjährige Paul Miguel Bicke, die Stanzform in der Hand wiegend. „Ja, aber stell’ dir mal vor, du müsstest das den ganzen Tag machen“, sagt Susan Bohne. „Dann fühlt sich das an wie 50 Kilo.“

Umfrage

„Ich fand es cool, wie schnell die Leute im Lager die Schuhsohlen in Kartons verpacken. Den ganzen Tag zu nähen oder zu stanzen stelle ich mir schwierig vor. “
Moritz Vogt, 11, aus Zeuthen

„Ich fand es interessant, wie die Schuhsohlen hergestellt werden. Aber die Arbeit an der Nähmaschine wäre nichts für mich. Ich möchte Ingenieur werden.“
Nathaniel Wegwerth, 11, Zeuthen

„Am besten fand ich das Lager, weil die Pakete da so hoch gestapelt waren. Arbeiten würde ich aber lieber an der Nähmaschine. Ich will Modedesignerin werden.“
Jolina Hack, 10, Zeuthen

„Ich fand es super, dass wir einen Film geguckt und gefrühstückt haben. Ich könnte mir auch vorstellen, im Lager zu arbeiten, weil ich Muskeln hab.“
Lucas Gill, 10, Zeuthen

„Ich hatte den Eindruck, dass die Leute hier richtig leidenschaftlich arbeiten. Die haben unsere ganzen Fragen sehr freudig und ausführlich beantwortet.“
Saskia Zander, 11, Zeuthen

Richtig in Fahrt kommen die Kinder am Arbeitsplatz von Carla Meißner. Mit einer Stempel-Maschine prägt die 53-jährige den halbfertigen Sohlen das Leder-Symbol und die Schuhgröße auf die Fersen. „Wird das nicht irgendwann langweilig?“, wollen die Schüler wissen. „Nee, ich hab ständig andere Modelle und muss ganz oft die Schablone wechseln“, erklärt sie geduldig. „Kommt Kinder, ihr dürft auch mal!“ Der Reihe nach nehmen die Kinder Platz, treten auf das Pedal und bedrucken sich ihre eigene Schuhsohle.

Wenig überraschend, dass Carla Meißner eigentlich Kindererzieherin werden wollte. Stattdessen fing die Sachsen-Anhalterin bei Schelchen an – vor 22 Jahren. „Damals saßen wir noch in Berlin in der Bühlowstraße“, sagt sie.

Die Kinder ziehen derweil weiter durch die Fabrikhalle, schauen Näherinnen über die Schulter, lassen sich Maschinen erklären und staunen, wie die fertigen Sohlen aus dem Lager verschickt werden. „Wer bis heute Mittag um zwölf bestellt, wird bis morgen noch beliefert“, sagt Sabine Timm. Für die Kinder geht es freilich noch schneller: Sie nehmen ihre Sohlen einfach direkt mit nach Hause.

Von Martin Küper

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