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Krimi-Kurzgeschichte „Wie geht es weiter?

Krimi-Kurzgeschichte „Wie geht es weiter?

Hochspannung und Gänsehautfaktor pur – das ist mit der Kurzgeschichte der Autorin und MAZ-Redakteurin Marion Kaufmann garantiert. Doch die Story hat keinen Schluss.

Quelle: dpa

MAZ-Reporterin Marion Kaufmann hat die beiden Brandenburg-Krimis „Das Besteck“ und „Die Harpune“ geschrieben. Für MAZ-Schulreporter 2.0 hat sie den Anfang eines Schulhof-Kurzkrimis verfasst, den ihr fortsetzen sollt. Versucht mit maximal 900 Wörtern, die Geschichte zu einem spannenden Ende zu bringen. Weniger ist auch erlaubt. Am Ende des Projekts wird mit einem Online-Voting der gelungenste Schluss gekürt. Viel Spaß!

Die Deutschstunde 

Wenn Elvira Schnake-Müller etwas wichtig war, dann das: Pünktlichkeit. Pünktlichkeit ging ihr über alles. In den 20 Jahren, in denen sie nun am Potsdamer Hermann-Hesse-Gymnasium arbeitete, war sie nur einmal zu spät zum Unterricht erschienen. 1999, als ihr Opel Corsa auf dem Weg von Werder in der Zeppelinstraße liegengeblieben war. Aber selbst da kam sie nur zwei Minuten zu spät und unmerklich abgekämpft im Klassenzimmer an, nachdem sie dem Abschleppdienst ordentlich Beine gemacht hatte. 

Mittlerweile waren schon fünf Minuten vergangen, seit der Gong zur dritten Stunde die Schüler auf ihre Plätze getrieben hatte und Elvira Schnake-Müller, Lehrerin für Deutsch und politische Bildung, war noch immer nicht da. Langsam machte sich Unruhe im Klassenzimmer breit. Die Schüler der 10b hatten ihre Hefte und die Lektüre auf die Tische gelegt, die sie gerade dran nahmen. „Der Vater eines Mörders“ von Alfred Andersch. Gar nicht so übel, wie Beni fand. Andersch erzählt darin über eine Schulstunde des Gymnasiasten Franz Kien. Aber die Schnake immer mit ihren Fragen. Was ist eine Metapher? Was will uns der Autor mit dieser Geschichte sagen? Beni hatte eigentlich nichts gegen Deutsch, auch wenn er Sport viel lieber hatte. Aber er konnte immer nur aus dem Bauch heraus sagen, ob ihm ein Text gefiel oder nicht. Warum, weshalb und sowieso – schwierige Sache.

In Gedanken war er eh schon beim Fußballtraining am Nachmittag. Und eigentlich noch eine Stunde weiter. Denn am Abend würde er Judith treffen. Hoffte er jedenfalls. Er wusste, dass sie dienstags, am Kinotag mit verbilligtem Eintritt, gerne ins Thalia ging - auch wenn am nächsten Tag Schule war. Heute Abend würde er auch ins Babelsberger Kino gehen, sich im Foyer rumtreiben und hoffen, dass Judith aus der Parallelklasse aufkreuzen würde und sich dann wie zufällig in denselben Film setzen, neben sie. Er hoffte nur, dass sie nicht auf Schnulzen stand, aber eigentlich passte das nicht zu ihr. Egal, er würde in jeden Film gehen, um ihr nahe sein zu können. Sie war das coolste Mädchen der ganzen Schule, zumindest für ihn war sie das. Und dann, nach einem Gespräch über den Film, den sie wie zufällig gemeinsam gesehen hätten, würde er sie fragen, ob er sie mal auf ein Eis bei der Eisfrau einladen könne. Oder war das zu plump? Zu spießig? Fand sie ihn doof? Vielleicht stand sie nicht so auf Fußballer, sondern mehr auf Klugscheißer wie diesen Christopher, die in der Pause immer ganz wichtig von den Bücher erzählten, die sie angeblich verschlungen hätten? Hesse, Brecht und so ein Zeug, als würde das heute noch jemand lesen, freiwillig, bloß weil ihre Schule so hieß.

„Wo bleibt denn die Schnake?“, riss Moritz aus der letzten Bank Beni mit einem lauten Ruf aus seinen Gedanken. Tatsächlich, zehn Minuten nach Unterrichtsbeginn und die Schnake war immer noch nicht aufgetaucht. Die Schüler wurden langsam unruhig. Malte begann Blätter aus seinem Karoblock zu reißen, zu Papierkugeln zu formen und auf Nadja und Leonie zu werfen, die laut zu kreischen begannen. „Vielleicht ist sie krank?“, fragte Sylke laut in die Runde, aber niemand hörte ihr zu, denn inzwischen war es richtig laut im Klassenzimmer. Alle unterhielten sich, riefen durcheinander. Ein kleines Tohuwabohu.

Rektor Detlef Schreiber stand schon seit einer halben Minute vor der Tür zum Klassenzimmer der 10b. Er hörte den Lärm, aber er zögerte noch immer, hineinzugehen. Seine Hände zitterten leicht. Dann fasste er sich ein Herz, drückte die Klinke herunter und schritt energisch in den Raum. „Ruhe hier! Kann man euch nicht mal ein paar Minuten alleine lassen? Saubande!“, dröhnte der Rektor mit seiner Bassstimme. Augenblicklich verstummten alle. „Frau Schnake-Müller kommt nicht. Stillarbeit. Ich will keinen Mucks mehr hören. Ist das klar?“ Augenblicklich war der Rektor wieder verschwunden ohne den verdatterten Schülern gesagt zu haben, welche Aufgabe sie denn eigentlich in Stillarbeit erledigen sollten. Beni wunderte sich sehr. Es passte gar nicht zu Schreiber, so unkoordiniert war er sonst nie. Im Kommandoton gab er sonst immer konkrete Anweisungen. 

Aber was war mit der Schnake? War sie vielleicht einfach krank? Schnupfen, Bronchitis. Gestern hatte sie noch völlig gesund ausgehen. Und Schreiber hatte auch nicht gesagt, dass die Lehrerin krank sei. Nur, dass sie nicht kommt. Wenn Beni es sich recht überlegte: Irgendwie war die Schnake gestern anders gewesen. Nein, sie war wie immer. Von der Art war sie wie immer. Aber die Klamotten. Es waren die Klamotten! Sonst trug sie immer ganz normale Sachen, Rock und Bluse meist, nichts Besonderes. Gestern hatte die Lehrerin irgendwie anders ausgesehen. So, als wäre sie gerade shoppen gewesen, in einer Nobelboutique. Designerklamotten, die nicht ganz billig gewesen sein können, soweit er das beurteilen konnte. Und Schmuck! Schnake-Müller trug sonst nie Schmuck. Aber gestern trug sie eine Brosche und eine dazu passende Kette. Sah teuer aus. Egal, dachte Beni, Hauptsache kein Deutsch heute.

Detlef Schreiber ging zurück in sein Büro, wischte sich die feuchten Hände an dem Stofftaschentuch ab, das er immer im Ärmel seines Jacketts bei sich trug, nahm zwei neue Papiertaschentücher aus der Packung, die ihm seine Frau immer in die Ledertasche packte, weil sie seine Vorliebe für In-Stoff-Schnäuzen nicht leiden konnte, und fasste mit Hilfe der Tempos den Brief vorsichtig an zwei Ecken an. Er wollte keine Fingerabdrücke hinterlassen. Detlef Schreiber schaute manchmal Tatort, besonders gerne den aus Münster, deswegen dachte er, dass man sich wohl so verhalten müsse, um keine Spuren zu verwischen.

Der Brief bestand aus einem weißen Blatt Papier. Darauf stand der Text, zusammengesetzt aus Wörter, die aus Zeitungsschlagzeilen ausgeschnitten waren. Detlef Schreiber konnte einfach nicht glauben, was er da las. Er griff zum Telefonhörer und rief die Redakteurin der Lokalzeitung an, die neulich so schön über ihr Schuljubiläum geschrieben hatte. Nach dem zehnten Klingeln hob die Reporterin ab. Die Frage ließ ihm keine Ruhe. Er wusste nicht, ob es richtig war, die Zeitung mit ins Boot zu holen. Vermutlich hätte er erst die Polizei über den Brief in Kenntnis setzen müssen. Aber erst musste er eine Sache herausfinden. Die Antwort, die ihm die Redakteurin hörbar aufgeregt gab, gefiel ihm gar nicht. Sie bestätigte seine schlimmsten Befürchtungen. Dann trug er seiner Sekretärin Frau Wachter auf, in der großen Pause die Schülerin Judith Meier aus der 10a in sein Büro zu schicken. Er wusste, dass Judith in ihrer Freizeit bei der Schülerredaktion der Lokalzeitung mitmachte. Dann seufzte er und biss nervös in seine Teewurststulle, die seine Frau ihm am Morgen eingepackt hatte. Schulleiter Detlef Schreiber machte sich wirklich große Sorgen.

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Jetzt könnt ihr Autoren werden und die kriminelle Kurzgeschichte zu Ende schreiben? Was steht in dem anonymen Brief, den Rektor Detlef Schreiber bekommen hat? Was ist mit Lehrerin Elvira Schnake-Müller passiert? Die Schüler Judith und Beni versuchen, den Fall zu lösen. Seid kreativ und lasst die Tastatur heiß laufen. Wir sind gespannt auf eure Kurzgeschichten! Einsendungen an schulreporter@maz-online.de.

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