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25 Flüchtlingskinder lernen in der Havelschule

Wo die Probleme liegen 25 Flüchtlingskinder lernen in der Havelschule

Seit Oktober vergangenen Jahres lernen Flüchtlingskinder aus der Lehnitzer Unterkunft in der Oranienburger Havelgrundschule. Täglich werden sie in einer Spezialklasse im Fach Deutsch unterrichtet, anschließend wechseln sie in ihre Regelklasse. Es fehlt vor allem an Dolmetschern und Psychologen bei Konflikten, so Schulleiter Deutschländer.

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Montagmorgen in der Havelschule: Lydia Grimm mit ihren Schülern, deren Familien in Lehnitz leben.

Quelle: ENRICO KUGLER

Oranienburg. Hussein stürmt aus dem Klassenzimmer. Schwimmunterricht mit seiner Regelklasse steht auf dem Stundenplan, aber er möchte lieber im Deutschunterricht bleiben. Es mischen sich Frust, Wut und Tränen. Lydia Grimm beruhigt und vermittelt, Mitschülerin Yasaman tröstet. Ein Moment, der so typisch sei: „Hussein hat es nicht leicht“, erklärt die Lehrerin. Zwei Jahre war die Familie aus Afghanistan in der Türkei, jetzt ist er seit zweieinhalb Monate hier. Wieder ein Neubeginn, wieder eine neue Sprache, wieder fühlt er sich hintenan.

Sie kommen aus Syrien, Afghanistan und dem Iran. 25 Mädchen und Jungen lernen seit Oktober letzten Jahres in der DAZ-Klasse der Havelgrundschule (Deutsch als Zweitsprache). Die Erst- und Zweitklässler täglich zwei Stunden, die Großen vier, dann gehen sie in ihrer Regelklasse. „Die Jüngeren finden sich einfach schneller ein“, so Schulleiter Andreas Deutschländer.

Bei Lydia Grimm geht es am Montagmorgen um Begriffe: Was ist ein Spiegel, eine Spinne, ein Spiegelei? Sprechen, schreiben, lernen mit Bildern. Die Kinder übersetzen sich vieles gegenseitig. Was sie am liebsten machen im Unterricht? „Schreiben und lesen“, sagt Navid aus Afghanistan, „Bilder ausmalen“, findet die hellwache Yasaman. Und alle Jungs lieben das Fußballspiel. Projektarbeit hält Lydia Grimm für besonders wichtig: „Wir gehen raus, spielen zusammen.“ Die Deutschlehrerin hat in Sprach- und Integrationsprojekten in Berlin gearbeitet, jetzt unterrichtet sie stundenweise in der Havelgrundschule, übernimmt mit dem neuen Schuljahr die DAZ-Klasse in Vollzeit.

In den „unterschiedlichen sozialen Prägungen“ sieht sie die Ursache der meisten Probleme in der Klasse. Einige Kinder sind im Dorf aufgewachsen, andere in der Großstadt. Die einen lesen gut, andere sind Analphabeten. „Bei Spielen sortiert es sich automatisch in Jungs und Mädchen. Wir versuchen, zu mischen. Mobbing oder Konflikte sofort auszudiskutieren.“ Lydia Grimm beklagt vor allem den Mangel an Psychologen, Übersetzern und Sozialarbeitern. Fachleute, „auf die man im Konfliktfall vor allem schnell zurückgreifen kann.“ Das sieht auch Schulleiter Deutschländer so. Am Geld haperts nicht, das „hat die Stadt zur Verfügung gestellt“.

„Anfangs war alles sehr unkoordiniert. Da standen plötzlich Familien in meinem Büro, die sprachen Arabisch oder Farsi. Was tun? Heute, gehen wir viel planvoller mit der Situation um“, so Deutschländern. „Inzwischen kommen wir näher an die Kinder heran“. Doch dabei offenbarten sich jetzt mehr und mehr die eigentlichen Probleme, wie traumatische Erlebnisse, die die Kinder belasten und krank machen. Vielleicht auch Ursachen für körperliche Auseinandersetzungen sind, die vorkommen. Der Kontakt zu den Eltern bleibe dünn: „Wenn wir ihnen Schreiben, dass ihr Kind nicht in der Schule war, haben wir keine Adresse. Nur die des Lehnitzer Heims. Wie sollen wir Normen der Schule deutlich machen?“ Deutschlernen sei keine Integration, sondern lediglich das Instrument, damit sie gelingen können. „Schule hat viele Aufgaben, wir kommen an Grenzen“, so Deutschländern

Sechs Kinder, vorwiegend aus Somalia, waren bei der Schuluntersuchung für die neue erste Klasse. Es kommen neue Herausforderungen auf die Havelgrundschule zu.

Vor Kurzem hat Lydia Grimm mit den Flüchtlingskindern gekocht. Der orientalische Reissalat sorgte anschließend in der ganzen Schule für Lob. Und leuchtende Augen bei den kleinen Köche – für die Anerkennung.

Von Heike Bergt

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