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25 Jahre Oranienburger Jahresringe

Im Jubiläumsjahr 25 Jahre Oranienburger Jahresringe

Anfangs erwiesen sich die „Jahresringe“ als Rettungsring. Denn nach der Wende fühlten sich viele, die mit 55 in den Vorruhestand geschickt oder gekündigt worden waren, nutzlos. In 25 Jahren ist aus der anfänglichen Notgemeinschaft längst ein aktiver Seniorenverein geworden.

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Der Donnerstagstagnachmittag ist vielen heilig. Alle kommen gern zum Gedankenaustausch.

Quelle: Heike Bergt

Oranienburg. Donnerstagnachmittag im Regine-Hildebrandt-Haus. Das Büfett ist üppig. „Einmal im Quartal feiern wir die Geburtstagskinder“, erklärt Georgina Schwettge. „Im letzten waren es neun.“ Sie haben die Leckerein angerichtet und mitgebracht. Nun lassen es sich alle gemeinsam schmecken. Der Donnerstag ist vielen heilig. Man macht sich für einander chic, kann reden, wenn sonst vielleicht keiner mehr da ist. Man braucht und hilft sich. Es gibt Stammplätze an jedem Tisch.

Vor 25 Jahren wurden die „Oranienburger Jahresringe“ gegründet: Ein Kind der Wende, entstanden aus der Not heraus. Aus dem anfänglichen Landesverband sind inzwischen Gruppen in Hennigsdorf, Neuruppin und in Oranienburg als eigenständige Vereine hervorgegangen. Viele Mitglieder hatten einst bei Pharma und im Kaltwalzwerk ihren Job. Der Blaue Brief traf sie überraschend. Und hart. Zu alt mit 55 für etwas Neues – das hörten sie immer wieder, erinnert sich auch Marianne Siebert. Aber sie wollten weiter nützlich bleiben, etwas bewirken, fürs alte Eisen fühlten sie sich viel zu jung. „SPD-Politikerin Regine Hildebrandt hat uns immer wieder Mut gemacht und aufgebaut“, erinnert sie sich.

Seitdem haben die Jahresringler in Dutzenden Projekten von sich Reden gemacht: Da sind die „Heinzelmännchen“, die jeden Dienstag im Keller von Haus 2 hinterm Schloss werkeln, aus alten Rollstuhlrädern und Holz Bollerwagen bauten, auch Puppenstuben und Nistkästen. Zusammen mit den Stricksachen der Frauen sind die Dinge auf dem Weihnachtsmarkt stets heiß begehrt. Jahrelang hieß es für die Kinder der Havelschule „Kochen mit Oma Schwettge“. Kupferschmied Gunter Hoffman reparierte das historische Schlossparktor und ersetzte verloren gegangen Teile. Es gab das Projekt „Sonja“, bei dem bei Behördengängen Spätaussiedler unterstützt wurden. Bis heute flimmert im Filmpalast im „Kino für Senioren“ regelmäßig ein Streifen zum kleinen Preis. Und am Heiligabend ist Treff im Regine-Hildebrandt-Haus: Gemeinsam, statt einsam! „Anfangs kamen zehn, heute sind wir mehr als 30“, so die langjährige Vereinschefin Georgina Schwettge. Und sie hängen sich weiter rein: betreuen Flüchtlingsfamilien, haben Patenkinder in Lehnitz.

Auch wenn viele heute die 80 überschritten haben, „viele sind topfit. Wir möchten gesund und selbstbestimmt alt werden.“ Und es bewegt sie noch manches in der Stadt.“ Wohnen müsse in Oranienburg „bezahlbar und altersgerecht sein. Neue Häuser sind oft zu teuer.“ Auch gebe es zu wenig kleine Wohnungen. In der Stadt wünschen sich die Senioren mehr Bänke und Toiletten, auch kritisieren sie viel zu kurze Ampelschaltungen für die, die nicht mehr gut zu Fuß sind.

„Ausgetreten ist bei uns noch niemand. Aber es kommen immer neue dazu“, freut sie Geogina Schwettge. Wie auch Horst Bönigk, der einst in der Dombauhütte des Berliner Doms gearbeitet hat. Beim Fasching schaute er einst bei den Oranienburger Jahresringen vorbei. Komm rein!, hätten sie gerufen. „Bald ist wieder Donnerstag“, freut er sich.

Von Heike Bergt

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