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1. Fall von Nazi-Raubkunst in der Havelstadt

Brandenburg an der Havel 1. Fall von Nazi-Raubkunst in der Havelstadt

Die Herkunftsforscherin Gabriela Ivan stellt klar: Ein Ölbild ist auf unrechtmäßige Weise aus dem Besitz eines Brandenburger Juden in den Bestand des Stadtmuseums in Brandenburg an der Havel gelangt. Nun sucht die Stadt per Internet Nachfahren des ursprünglichen Besitzers. Der Fund ist kein Zufall.

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Raubkunst aus der Nazi-Zeit: „Waldlandschaft mit Lichtung und Schafherde“ von F.A. Gerold gehörte ursprünglich dem jüdischen Unternehmer Liebeschütz.

Quelle: Stadtmuseum Brandenburg

Brandenburg/H. Die Idylle trügt. Das heimelige Gemälde mit Laubwald, Schäfer und Herde ist Raubkunst aus der Nazi-Zeit. 1977 kam das Bild in den Besitz des Brandenburger Stadtmuseums – und soll nun zu seinem rechtmäßigen Eigentümer gelangen. Denn nachweislich gehörte das Werk des Malers F.A. Gerold, von dem man nur den Namen kennt, Gaston Liebeschütz.

Liebeschütz war Geschäftsführer der Brandenburger Hutfabrik Silbermann und Jude. Zum ersten Mal versucht die Stadt Brandenburg, über die digitale Datenbank „Lost Art“ Hinweise auf noch lebende Nachfahren von Gaston Liebeschütz zu erlangen.

Die Entdeckung, NS-Raubkunst im Bestand zu haben, ist keine zufällige. Im Jahre 2012 begann Gabriela Ivan damit, die Herkunft von Bildern im Museumsbestand zu erforschen. Am morgigen Donnerstag stellt die Kunsthistorikerin im Gotischen Haus Ergebnisse ihrer Recherchen vor. Anfangs hatte Ivan Werke der Maler Karl Hagemeister (1848-1933) und Theodor Hosemann (1807-1875) im Fokus. Später kamen verdächtige Bilder anderer Künstler dazu, darunter die „Waldlandschaft mit Lichtung und Schafherde“ von F.A. Gerold.

Bei der Forschung 2015

Bei der Forschung 2015: Museumsleiterin Désirée Baur (links) und Kunstwissenschaftlerin Gabriela Ivan untersuchen im März 2015 im Stadtmuseum das Gemälde „Erlen im Schnee“ des Malers Karl Hagemeister.

Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert

Das Museum hatte das Werk am 6. Dezember 1977 von einer Brandenburgerin aus dem Stadtteil Nord erworben. Für 800 Mark wechselte es aus dem Privatbesitz in den Museumsbestand. Dass das 68,5 mal 106 Zentimeter große Ölgemälde einmal Gaston Liebeschütz gehörte, hat die Brandenburgerin dem Museum allerdings gesagt.

Da Liebeschütz 1934 aus Deutschland emigriert ist, was ganz sicher nicht freiwillig geschah, sind es wohl illegale Umstände, unter denen das Bild den Besitzer gewechselt hat. Für Tim Freudenberg, Fachbereichsleiter Kultur der Stadtverwaltung, ist der Fall insofern klar, als dass das Bild „unter unrechtmäßigen Bedingungen in den Besitz des Stadtmuseums überging“.

Der spektakuläre Fund des Bilderdepots der Kunsthändlerfamilie Gurlitt hatte vor wenigen Jahren Dynamik in die Raubkunst-Debatte gebracht. Seither bemühen sich auch mehr und mehr öffentliche Einrichtungen, Licht in das Dunkel ihrer Besitzverhältnisse zu bringen. Dafür bekam die Stadt Brandenburg Unterstützung. „Ich bin dankbar, dass wir durch die Förderung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste ein erstes großes Forschungsprojekt zur Herkunft (Provenienz) durchführen konnten“, würdigt Freudenberg.

Forscherin Gabriela Ivan habe sehr wichtige Hinweise über die Herkunft einiger Dutzend Gemälde gesammelt. Auch wenn Ivans Arbeit beendet sei: „Das abgeschlossene Forschungsprojekt gibt uns ausreichend Hausaufgaben für die kommenden Jahre und wir sollten nichts unversucht lassen, weitere Informationen zu den verdächtigen Gemälden zu gewinnen.“

Der Vortrag Gabriela Ivan beginnt am Donnerstag, 9. November, um 18 Uhr im Gotischen Haus, Ritterstraße 89.

Von Heiko Hesse

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