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10 Millionen Euro Miese bei der Buga

Verlustgeschäft für Städte 10 Millionen Euro Miese bei der Buga

Für die Region ein Gewinn, für die Stadtkassen ein riesiges Verlustgeschäft: Die Bundesgartenschau. Einnahmen fehlen in Millionenhöhe. Die Städte müssen die Defizite komplett selbst aufbringen. Sie hatten bereits 7 Millionen bereitgestellt, der Rest sollte aus Einnahmen kommen. Allerdings ist noch nicht klar, wie die Kommunen die Gelder ausgleichen wollen.

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Nur jeder sechste Brandenburger war bisher bei der Buga.

Quelle: Uhlemann

Havelregion. Die Bundesgartenschau in der Havelregion macht Verluste von mindestens zehn Millionen Euro. Das gab die Chefin des Buga-Zweckverbandes und Oberbürgermeisterin der Stadt Brandenburg, Dietlind Tiemann (CDU),  am Mittwoch in Premnitz (Havelland) bekannt. Die beteiligten Kommunen Brandenburg/Havel, Premnitz, Rathenow, Stölln und Havelberg  (Sachsen-Anhalt) müssen nun  Geld nachschießen. Sie hatten bereits sieben Millionen Euro für den 35 Millionen Euro teuren Buga-Haushalt  bereitgestellt.

Ein Drittel der erwarteten Besucher bleibt aus, die Organisatoren rechnen bis zum Abschluss der Buga am 11. Oktober nur  mit einer guten Million Gäste, bislang sind es 940 000, prognostiziert waren 1,5 Millionen. Neben Ticketeinnahmen fehlen auch Zahlungen von Gastronomen und Souvenirhändlern. Ihre Abgaben sind an die Besucherzahlen gekoppelt.

Brandenburger zeigen geringes Interesse

Offenbar haben auch die Bewohner des Landes Brandenburg nur geringes Interesse an der Buga gezeigt. Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der MAZ haben bislang lediglich 16 Prozent der Märker die Gartenschau besucht. Vor allem für  jüngere Befragte war die Schau bisher kein Reiseziel. Nur fünf Prozent der 18- bis 29-Jährigen waren dort.  Stärker interessiert waren  die über 60-Jährigen. Hier gaben 21 Prozent der Befragten an, schon einmal auf der Buga gewesen zu sein. Bei den Parteianhängern hatten die  Grünenwähler mit 25 Prozent den größten Besucheranteil. Von den Befragten, die die Schau  besucht haben, waren die meisten in Brandenburg/Havel (55 Prozent). Die Hälfte (51 Prozent) war in  Rathenow, 40 Prozent in Havelberg, 20 Prozent in Premnitz und nur 19 Prozent in Stölln.

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Das Unwetter am Samstag hat auf den Rathenower Buga-Geländen Optikpark und Weinberg zu schweren Verwüstungen geführt. Etliche Zweige sind abgebrochen. Eine Woche blieben diese beiden Buga-Parks deshalb geschlossen.

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Tiemann sagte, dass keine Bundesgartenschau zuvor mit so widrigen Bedingungen zu kämpfen hatte: Lange Trockenheit habe für enormen Wasserverbrauch gesorgt, zwei Stürme hätten große Schäden angerichtet und für ein wochenlanges Schließen der Rathenower Areale gesorgt. Ein Mann wurde sogar vor einem Baum während eines Unwetters erschlagen. 

Es fehlte an der Mobilität

Oft wurden in der Vergangenheit die Ticketpreise bemägelt. Die seien aber nicht das Hauptproblem für die Besucher gewesen, ebenso wenig das System der Eine-Karte-für-fünf-Standorte, „als schwieriger bewertet wurde das Sich-Organisieren vor Ort“, sagt Jochen Sandner. Der Chef der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft (DBG) mahnt künftige Ausrichter, mehr auf die Mobilität zwischen den Standorten zu schauen. In der Havelregion wurde auf direkte Shuttleverkehre verzichtet, das dürften sich andere Veranstalter nicht mehr leisten. Hinter vorgehaltener Hand wird auch von Fehlern beim Marketing geredet –  so wurde beispielsweise die direkte Ansprache potenzieller Gäste aus Berlin oder Niedersachsen vernachlässigt, von dort kamen einfach zu wenige Besucher, obwohl sie im Zwei-Autostunden-Einzugsgebiet leben.

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Es ist angerichtet: Die neue Hallenschau in der St. Johanniskirche in Brandenburg an der Havel macht Lust auf den Herbst. Unter dem Motto „Allet Jemüse“ zeigen 16 Aussteller aus der Mark zur Bundesgartenschau (Buga), was die Havelregion an leckerem Obst und Gemüse zu bieten hat.

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Für weitere Verluste dürfte das Mini-Ticket sorgen, dessen Einführen eher Aktionismus als wirtschaftliches Denken zugrunde lag. Das alles wird nach dem Ende am 11. Oktober zu analysieren sein. Zweckverbandschef Erhard Skupch klammert sich lieber an die Hoffnung, dass beim Abrechnen ein ähnlicher Effekt wie bei der Buga in München 2005 eintritt: Ein Defizit von 4,5 Millionen Euro wurde befürchtet, am Ende blieb ein Minus von 145 000 Euro. Gefährliche Träumereien, wenn noch nicht einmal die Millionenmarke erreicht ist und damit gerade zwei Drittel der eigenen Erwartungen.

Tiemann hält an Idee fest

Die Oberbürgermeisterin Tiemann verteidigte dennoch das Konzept der dezentralen Buga an mehreren Orten: „Man muss diese Idee weiterverfolgen.“ Nachfolger könnten  aus den Erfahrungen der Havelregion lernen. Auch Jochen Sandner,  Chef der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft, steht  zu dem Konzept. Künftige Ausrichter müssten allerdings viel Geld in die Hand nehmen, um die Transportprobleme zwischen den Standorten zu lösen, so Sandner.

Verbandsvorsteherin Dietlind Tiemann weiß noch nicht, wie die Kommunen das Defizit ausgleichen wollen, möglicherweise werde man sogar den gerade ungeliebten Innenminister Karl-Heinz Schröter bitten, aus dem Nothilfefonds des Landes zuzuzahlen.

Zahlen bewusst zurückgehalten

Überhaupt scheinen viele überrascht zu sein von der Entwicklung, die sich allerdings spätestens zur Buga-Halbzeit Mitte Juli klar abgezeichnet hatte. Weder Zweckverbandsvorstand noch die ganze -versammlung waren seit dem 2. Juli  über die Tendenz informiert worden, Zahlen gab es schon gar keine. Auch die gestern veröffentlichten Zahlen zu Besucherzahlen und -verteilung wurden bewusst zurückgehalten, gibt  Skupch zu –  angeblich, um keinen Neid unter den Kommunen zu erzeugen. Jetzt müssen diese am 28. September außerordentlich einen Nachtragsetat beraten.

Von André Wirsing und Volkmar Krause

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