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Brandenburg/Havel 100 Jahre alter Eisenbahnwaggon in Kirchmöser entdeckt
Lokales Brandenburg/Havel 100 Jahre alter Eisenbahnwaggon in Kirchmöser entdeckt
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15:10 16.04.2019
Der historische Eisenbahnwaggon wird per Seilwinde auf den mit Schienen besetzten Tieflader gezogen. Wenig später tritt das Gespann die Weiterreise in ein Museum nach Neumünster an. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Die einen finden einen Brennabor in einer Feldscheune, andere freuen sich über einen Koffer voller Briefmarken auf einem Dachboden. Was Thomas Kittel zufällig auf einem zugewachsenen Abstellgleis in Kirchmöser entdeckte, lässt die Herzen von Eisenbahn-Fans höher schlagen. Es ist ein Waggon, der fast 100 Jahre auf den Achsen haben dürfte. Entsprechend marode ist der Zustand. Der Liebhaber aus Schleswig-Holstein startete am Dienstag eine Rettungsaktion.

Nach der Entdeckung eines rund 100 Jahre alten Eisenbahnwaggons in Kirchmöser erfolgte am Dienstag der Abtransport nach Neumünster. Dort wird der Wagen Teil einer Ausstellung zur Eisenbahngeschichte.

Über 20 Jahre stand er fast vergessen auf dem Betriebsgelände der Gleisbaumechanik Brandenburg (GBM). Doch die Räder rollten noch. Ganz langsam bewegte sich der altersschwache Eisenbahnwagen über eine aus Schienen bestehende Rampe auf einen Tieflader zu. Gezogen vom Seil einer hydraulischen Winde. Lkw-Fahrer Frank Lauckner von der Spedition Ehrig aus dem erzgebirgischen Schwarzenberg hatte Millimeterarbeit geleistet. Er positionierte den ebenfalls beschienten Tieflader so, dass dieser eine Verlängerung des Betriebsgleises bildete. Ganz ohne Kran konnte Lauckner den Spezialanhänger mit der begehrten Fracht beladen.

GBM-Lokführer Olaf Kühne kuppelt den Oldtimer-Waggon an seine Werklok an. Quelle: Rüdiger Böhme

Ziel des Gespanns ist noch am Dienstagnachmittag das holsteinische Neumünster. Dort warten schon die Mitglieder der Interessengemeinschaft Kulturlokschuppen (IG) auf ihren Neuzugang aus Kirchmöser. Ihr Vereinszweck ist eine Mischung aus öffentlichen Veranstaltungen und musealer Eisenbahngeschichte. „Nach einer gewissenhaften Aufarbeitung soll der Waggon zu einem Aushängeschild für unsere Ausstellung werden“, sagte IG-Begründer Kittel der MAZ.

Genaues Alter noch unklar

Neben der Restaurierung wollen sich die Eisenbahnfreunde in Neumünster mit der langen Geschichte des Waggons beschäftigen. Das wird nicht einfach. Denn Unterlagen über den Oldtimer sind nicht vorhanden. Aufschriften auf den vier Bremszylindern belegen, dass der Eisenbahnwagen seinen Ursprung bei der Österreichischen Eisenbahn hatte. Das genaue Baujahr bleibt jedoch unklar.

Der Bremszylinder zeigt die Herkunft des Waggons. Quelle: Rüdiger Böhme

Vermutungen der neuen Besitzer, der Waggon könne noch aus der k. u. k.-Zeit stammen, sind mit Vorsicht zu genießen. Die Nachforschungen stehen erst am Anfang. Die geschlossene Konstruktion des mit Holz beplankten Eisengerippes lässt auf den ersten Blick den Transport von Gütern vermuten. Doch GBM-Lokführer Olaf Kühne glaubt zu wissen, dass der Waggon militärischen Zwecken diente – und zwar zum Transport von Truppen. „Rechts und links standen die Pritschen, in der Mitte der Kanonenofen“, meint Kühne. Er spannte seine Werklok V 22 ein letztes Mal vor den Oldtimer, um diesen vor den Tieflader zu fahren.

Als Lager genutzt

Als gesichert kann gelten, dass der österreichische Eisenbahnwagen den Gleisbaumechanikern in Kirchmöser einst als Lager gedient hat. Entsprechende Aufschriften auf beiden Seiten des Waggons lassen jedenfalls diesen Schluss zu. Nach 1990 kamen hunderte Eisenbahnwagen aus ganz Deutschland zum Zerlegen nach Kirchmöser. Dieses Schicksal blieb dem künftigen Museumsstück erspart.

Der Waggon wurde in Kirchmöser als Lager genutzt. Quelle: Rüdiger Böhme

 

In den Besitz der IG Kulturlokschuppen Neumünster kam der Waggon durch Kauf von einem Privatmann, der das Transportgefährt selbst 1998 erworben hatte, aber nie einer neuen Nutzung zuführte. Die seither aufgelaufene Standgebühr haben Käufer und Verkäufer untereinander verrechnet. Über den Preis für den Oldtimer vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. „Wir haben das gezahlt, was unter Eisenbahnfreunden als angemessen gilt“, so IG-Mitglied Kittel.

Von Frank Bürstenbinder

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