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1500-Euro-Streit um Chinchilla-Tagesdecke

Brandenburg/Havel 1500-Euro-Streit um Chinchilla-Tagesdecke

Sie wollten sich etwas ganz besonderes gönnen. Stattdessen begann für ein Ehepaar aus Brandenburg ein Streit, der vor dem Amtsgericht landete. Das Paar hatte eine 1500 Euro teure Chinchilla-Decke in einem Möbelhaus gekauft. Weil sie mit der Qualität nicht zufrieden war, wollte sie die Decke zurückgeben. Der Beginn eines zwei Jahre währenden Streits.

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Eine solche Decke in Chinchilla-Anmutung kostete mehr als 1500 Euro.

Quelle: Herstellerfoto

Brandenburg/H. Bei Porta in Potsdam sah die teure Webfell-Chinchilla-Tagesdecke ganz anders aus. Hans S. (76) und seine Ehefrau aus Brandenburg/Havel waren entsetzt, als die Decke, für die sie für mehr als 1500 Euro gekauft hatten, geliefert wurde. Zwei Teile der Decke sind so zusammengenäht, dass das Muster nicht nahtlos ineinander übergeht, sondern versetzt ist, also nicht bündig anschließt. Das Rentnerpaar reklamierte die Ware ohne Erfolg. Somit landete der Chinchilla-Streit vor Gericht.

Eine solche Decke in Chinchilla-Anmutung kostete mehr als 1500 Euro

Eine solche Decke in Chinchilla-Anmutung kostete mehr als 1500 Euro.

Quelle: Herstellerfoto

Die Vorgeschichte: Das Ehepaar vom Görden gönnt sich etwas beim Einkauf vor rund zwei Jahren im Porta-Markt in Potsdam. Dort geben sie mehr als 2700 Euro aus für ein neues Bett, die Tagesdecke „in luxuriösem, kuschelweichem Webfell Chinchilla“ und zwei dazu passende Kissen.

Teuerste Stück ist die Decke, die rund 500 Euro mehr kostet als das Bett. Ein andermal wollen die Eheleute zurückkommen, denn sie brauchen auch noch ein neues Wohnzimmer.

„So sah das bei der Musterdecke nicht aus“

Wenige Tage nach dem Ausflug nach Potsdam wird die bestellte Ware wie vereinbart nach Hause geliefert. Bett in Ordnung, Kissen okay, doch die Kuschelweichdecke eine einzige Enttäuschung. Die Rentner stören sich daran, dass das Muster an der Naht in der Mitte einen Knick macht.

„So sah das bei der Musterdecke nicht aus, da bin ich mir ganz sicher“, versichert Hans S. Und er sei beim Kauf auch nicht darauf aufmerksam gemacht worden. Der unzufriedene Kunde reklamiert die 1500-Euro-Decke, weil sie nach seiner Ansicht einen Mangel aufweist. Er möchte sie daher eintauschen gegen eine Gutschrift. Wie gesagt, er will ja noch ein Wohnzimmer kaufen.

Doch das Geschäft macht da nicht mit. Der Musterversatz sei herstellungsbedingt und völlig normal, bescheidet Porta den Kunden nach Rücksprache mit dem Deckenhersteller.

Der Rentner reicht Klage beim Amtsgericht Brandenburg ein

Hans H. hat eine Rechtsschutzversicherung und schaltet mit deren Zustimmung Rechtsanwalt Michael Manczak ein. Der Rentner reicht eine Klage beim Amtsgericht Brandenburg ein, es folgt eine Verhandlung und ein Schriftwechsel mit dem beklagten Handelsunternehmen.

Doch beide Seiten finden nicht zusammen. Porta bietet die Rücknahme der Ware an gegen Zahlung von 75 Prozent der Kaufpreises, wenn Hans S. sich zugleich verpflichtet, 3500 Euro für anderweitige Käufe bei Porta auszugeben. Den zweiten Teil dieses Angebots wertet Anwalt Manczak als Knebelung, Hans S. lehnt ab, möchte seinerseits die Gutschrift über 1500 Euro haben. Er wäre auch mit 75 Prozent des Kaufpreises zufrieden und würde die ungenutzte Decke samt Kissen zurückgeben.

Händler und Kunde einigen sich vor Gericht auf einen Vergleich

Ist das Produkt nun mangelbehaftet oder völlig in Ordnung? Amtsrichter Frank Moch-Titze zeigt den streitenden Parteien die Möglichkeit auf, einen Sachverständigen einzuschalten, der das Corpus delicti begutachtet und beurteilt, ob ein Mangel vorliegt oder nicht. Kosten für den Gutachter: Etwa 3500 Euro.

Händler und Kunde beraten sich noch einmal vor dem Gerichtssaal und sind dann offen für einen Vergleich. Hans S. kann die Decke samt Kissen zurückgeben und erhält die Hälfte des Kaufpreises, also etwas mehr als 850 Euro. Ein Wohnzimmer braucht er inzwischen nicht mehr, das hat er sich andernorts gekauft.

Die Decke, die der Hersteller inzwischen nicht mehr produziert, könnte er heute im Internet für einen Bruchteil des damaligen Preises bekommen.

Von Jürgen Lauterbach

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