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160 Flüchtlinge für altes Nicolai-Schulhaus

Leer stehendes Gebäude in Brandenburg/Havel 160 Flüchtlinge für altes Nicolai-Schulhaus

Im früheren und leer stehenden Nicolai-Schulgebäude plant die Stadt Brandenburg, von Ende Oktober bis Februar 2016 unter der Regie des Deutschen Roten Kreuzes eine Notunterkunft für 160 Flüchtlinge zu eröffnen. Beim Runden Tisch zur Flüchtlingskrise am Dienstag schlug das Thema hohe Wellen.

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Das frühere Gebäude der Nicolaischule soll bald Flüchtlinge aufnehmen.

Quelle: Heiko Hesse

Brandenburg an der Havel. Der Einladung zum ersten Runden Tisch in der Stadt Brandenburg zur Flüchtlingswelle sind am Dienstagabend 200 Bürger gefolgt, darunter viele, die sich ehrenamtlich für die Neuankömmlinge engagieren. Im voll besetzten Rolandsaal des Altstädtischen Rathauses berieten sich gut 35 Vertreter aus Verwaltung und von Verbänden und Hilfsorganisationen. Die Johanniter Unfallhilfe war ebenso dabei wie Jobcenter, Stadtsportbund und Jugendamt und viele andere. Mit am Tisch saß Nicolai-Schulleiterin Marina Eckhardt.

Im früheren, nun leerstehenden Schulgebäude plant die Verwaltung demnach, von Ende Oktober bis Februar 2016 unter der Regie des Deutschen Roten Kreuzes eine Notunterkunft für 160 Menschen zu eröffnen, wie Sozialbeigeordneter Wolfgang Erlebach (die Linke) am Mittwoch der MAZ sagte.

Die Teilnehmer am Runden Tisch, dahinter die zuhörenden Bürger, die jederzeit auch das Wort ergreifen durften

Die Teilnehmer am Runden Tisch, dahinter die zuhörenden Bürger, die jederzeit auch das Wort ergreifen durften. Einige, nicht viele, machten davon auch Gebrauch, so zwei Eltern von Nicolai-Schülern.

Quelle: Maloszyk

„Es ist die Zeit der schnellen Lösungen“, so Walter Paaschen (CDU), Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung. „Ängste muss man äußern dürfen. Es ist wichtig, darauf zu reagieren“, konterte Schuldirektorin Eckhardt. Sie hatte in einem durchaus als unglücklich formuliert zu nennenden Brandbrief an die Eltern starke Vorbehalte gegen die Unterbringung der Flüchtlinge im Nachbargebäude geäußert.

Brandbrief an die Eltern

Die Oberschule ist in ihr neues Domizil umgezogen, aber es gibt teils noch ein gemeinsames Außengelände. Ein Vater, dessen Tochter die Nicolaischule besucht, fügte an: „Ich weiß, wie die Männer da ticken in Syrien. Es gibt nicht die Ansicht, dass Frauen gleichbehandelt werden.“ Eine Mutter befürchtet gar Brandanschläge auf die Flüchtlingsunterkunft und Gefahr für die Schüler. Dazu sagte Amtsgerichtsdirektorin Adelheid van Lessen der MAZ: „Es gibt gar keine rechte Szene in Brandenburg an der Havel.“ Der Stadtverordnete und frühere langjährige Brandenburger Polizeichef Norbert Langerwisch (SPD) betonte: „Es gibt durch die Flüchtlinge keinen Anstieg an Kriminalität.“ Es würden Ängste geschürt.

Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) moderierte den Runden Tisch im voll besetzten Rolandsaal  am Dienstagabend

Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) moderierte den Runden Tisch im voll besetzten Rolandsaal am Dienstagabend.

Quelle: MaloszykVolkmar

Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann war um Beruhigung bemüht: Sie sagte eine schnelle eigene Zuwegung der neuen Schule zu. Sie nehme die Ängste ernst, so Tiemann. Die Flüchtlinge müssten aber Hilfe bekommen. „Da kommen so viele Menschen, die sich so verhalten wollen, wie wir es uns von ihnen wünschen.“ Das frühere Schulhaus werde nur vorübergehend genutzt, weil es im kommenden Jahr für den Campus der neuen Medizinischen Hochschule gebraucht und dafür umgebaut werden müsse.

Turnhallenbelegung soll vermieden werden

Die Belegung von Turnhallen schloss Tiemann weitestgehend, aber nicht gänzlich aus. Landtagsabgeordneter Ralf Holzschuher (SPD) lobte Brandenburg, die Bevölkerung sei gelassener als anderswo. Paaschen sagte, eine Zeltstadt am Wiesenweg für die Flüchtlinge sei keine Lösung. Der Flughafen Briest ist als Unterkunft für Flüchtlinge wegen seiner einsamen Lage vom Tisch. Als dauerhafte Unterkunft soll ab März die frühere Rolandkaserne eröffnen. Am 2. November werden die 75 Männer von der Notunterkunft in Kirchmöser in das umgebaute neue Flüchtlingsheim an der Fohrder Landstraße ziehen. Das frühere Bürohaus in Kirchmöser war immer als Notlösung vorgesehen. Die Bewohner dort schlafen auf einfachen Stoffpritschen. Der Vorsitzende des Bürgerbeirats Walzwerksiedlung, Ingo Weiß, rief seine Kollegen dazu auf, zwischen Bürgern und Verwaltung zu vermitteln. Das sei jetzt ihre ureigenste Aufgabe.

Bis zu 800 Flüchtlinge

Bis Jahresende rechnet die Stadt mit 700 bis 800 Flüchtlinge für 2015. Amtsgerichtsdirektorin van Lessen: „Das ist händelbar.“ Die Stadt müsse 2,7 Prozent der vom Land aufgenommen Flüchtlinge in der Havelstadt versorgen, erläuterte Tiemann. Möglicherweise kämen 2016 noch einmal so viele Menschen aus Krisenregionen in die Stadt Brandenburg. Langerwisch: „Das ist ein Problem, das uns noch Jahre beschäftigen wird.“

Die Koordinierung eines Runden Tisches und die Fragen zur Flüchtlingslage haben Werner Jumperts, Chef des Stadtsportbundes, Ute Taege (CDU), Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, und Matthias Pietschmann (Linke) als Leiter des Sozialausschusses übernommen.

Hinweise, teils mehrsprachig, für Flüchtlinge und Helfer gibt es hier.

Von Marion von Imhoff

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