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Brandenburg/Havel 19 Quadratkilometer mehr Wald seit 2005
Lokales Brandenburg/Havel 19 Quadratkilometer mehr Wald seit 2005
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13:04 01.08.2016
Wald ist von unschätzbarem Wert für Mensch und Umwelt. Er produziert Sauerstoff, reinigt die Luft und ist Heimat für viele Tier- und Pflanzenarten. Zudem bietet er Erholung und liefert den Rohstoff Holz. Quelle: dpa
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Mittelmark


Für jeden Quadratmeter gefällten Waldes für den Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) musste anderswo neuer entstehen. So sieht es das brandenburgische Waldgesetz vor. Das ist einer der Gründe, warum der Wald in Potsdam-Mittelmark nicht nur in die Höhe wächst, sondern auch in die Breite. Um für den BER gefällten Wald zu ersetzen, wächst in der Warchauer Heide bei Wusterwitz eine Kiefernschonung in den Himmel. Diese ist zum Ausgleich der Baumfällungen für die Landebahnen gepflanzt worden. Während die Kiefern nun schon fast mannshoche Jungbäume sind, ist indes noch kein Flieger vom neuen Flughafen gestartet.

Potsdam-Mittelmark profitiert von Großbaustellen

Potsdam-Mittelmark profitiert beim Flächenwachstum des Waldes von der Nähe zu Berlin und den dortigen Großbaustellen. Binnen zehn Jahren hat sich die Waldfläche im Landkreis um knapp 1900 auf 105 649 Hektar erhöht. Das entspricht 19 zusätzlichen Quadratkilometern oder 2660 Fußballfeldern.

Eine solche Fläche, die erst seit wenigen Jahren in den Himmel wächst, nehmen an diesem Tag Jörg Dechow und Thorsten Hufnagel in der Nähe von Wusterwitz in Augenschein: Es ist Jungwald in der Warchauer Heide. Jörg Dechow ist seit 1989 Leiter der Oberförsterei Lehnin. Thorsten Hufnagel ist der Wusterwitzer Revierförster. „Besser geht es nicht“, freut sich Dechow beim Anblick der dicht an dicht wachsenden Bäume.

Oberförster Jörg Dechow (r.) und Revierförster Thorsten Hufnagel prüfen den Wuchs eines jungen Baumes in einer Waldgewinnungsfläche bei Wusterwitz. Gepflanzt wurden die Bäume zum Ausgleich für den Windpark Warchau-Zitz. Quelle: Marion von Imhoff

Diese Erstaufforstung kam auf 15,6 Hektar 2001/2003 als Ausgleichsmaßnahme für den Windpark Warchau-Zitz in den Boden. Sechs Meter in die Höhe gewachsen sind die Kiefern, Eichen und Linden mittlerweile. Vor dem ersten pflegerischen Eingriff geben ihm die Förster noch ein paar Jahre. Während es sich dort um Landesfläche handelt, wachsten auf einem Privatgrund daneben Laub- und Nadelbäume seit 2003 und 2004 als Ausgleich für den Elbe-Havel-Kanal. Pro Hektar kamen 10 000 Setzlinge in den Boden.

Für gefällte Bäume müssen neue gepflanzt werden

Für Baumfällungen auf Baustellen muss im gleichen so genannten Naturraum die Neuanpflanzung erfolgen. Sprich: Es darf nicht bei Berlin eine Eiche gefällt und dafür am bayerischen Tegernsee eine neue gepflanzt werden. Diese Naturräume überschneiden Landkreisgrenzen. In der Regel haben Naturräume nach Angaben von Oberförster Jörg Dechow einen Radius von weniger als 100 Kilometern. Auch so ist erklärlich, dass die Waldfläche in Potsdam-Mittelmark durch Ersatzmaßnahmen für berlinnahe Großbaustellen wächst. Auch, wenn es landesweit gesehen, plus-minus-null ausgeht, weil die Fläche für Erstaufforstungen eins zu eins steht zur Fläche, die durch Bauarbeiten dem Wald genommen worden ist.

Einen weiteren Grund für die Waldmehrung setzt die Natur selbst. Sie holt sich auf früheren Truppenübungsplätzen geraubtes Areal zurück. Wo einst also Panzer rollten, wuchern nun Birken und Kiefern. Nach Angaben von Ellen Schlieker, Sprecherin des Landesforstbetriebes, „spielt das eine bedeutende Rolle bei der Waldmehrung“.

Junger Wald im Vordergrund und Jahrzehnte älterer im Hintergrund: Die Kiefern wurden als Ausgleich für gefällte Bäume der Großbaustelle Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) gesetzt. Aus den 30 Zentimeter hohen Setzlingen sind mittlerweile Jungbäume geworden. Quelle: Marion von Imhoff

Wald anzulegen ist arbeitsintensiv. Doch pflanzt der Hobbygärtner einen Baum, so wässert er ihn sofort und dann täglich. Im Wald aber ist Robustheit gefragt. Der unterarmlange Setzling kommt rein in den Boden, die Erde wird angehäufelt, festgetreten, „das war’s“, sagt Förster Thorsten Hufnagel.

Auch in Lehnin nahm die Waldfläche zu

Allein im Zuständigkeitsbereich der Oberförsterei Lehnin wuchs der Wald im vorigen Jahr um fünf Hektar. Ein Hektar ging durch Baustellen, etwa für Einfamilienhäuser oder Straßenbau, verloren. „Wir hatten keine großen Waldfresser“, sagt Jörg Dechow. Waldfresser etwa wie nun der Kahlschlag am südlichen Berliner Ring bei Michendorf durch den weiteren Ausbau der Autobahn.

Für Waldverlust durch Bauarbeiten Ersatzflächen zu finden, ist „mittlerweile ein richtiges Gewerbe geworden“, sagt Jörg Dechow. Agenturen suchen – im Auftrag der Bauherren – Erstaufforstungsflächen für Ausgleichsmaßnahmen. In der Regel sind es Privatleute, die gegen Geld Land dafür zur Verfügung stellen.

Jörg Dechow , hier in der Warchauer Heide, ist seit 1989 Leiter der Oberförsterei Lehnin. Quelle: Marion von Imhoff

Bis vor wenigen Jahren wurde Aufforstung vom Land Brandenburg gefördert. Doch das hat sich geändert. Grünlandbesitzer, die neue Waldflächen anlegen, erhalten dafür keine Förderung mehr. Daher sei die Zahl der Privatleute, die „aus Spaß am Wald neuen anlegen“, so Dechow, drastisch zurück gegangen.

Waldreiches Bundesland und Spitzenreiter bei Kiefern

Brandenburg gilt mit seinen 1,1 Millionen Hektar als besonders waldreiches Bundesland. Der Anteil liegt mit 37 Prozent der Fläche über dem Bundesdurchschnitt von 32 Prozent. Oberstes Ziel der Landesregierung ist nach Angaben von Ellen Schlieker, „der Erhalt der aktuellen Waldfläche“. Ein konkretes Waldmehrungsziel wie in Sachsen oder Schleswig-Holstein sei dagegen kein Ziel der Landesregierung.

Zahlen und Fakten

Im gesamten Land Brandenburg vergrößerte sich die Waldfläche binnen zehn Jahren um 11744 Hektar auf rund 1,1 Millionen Hektar. Diese Zahlen stammen vom Landesbetrieb Forst Brandenburg und von dem Waldbericht Brandenburg 2016. Die Waldfläche in Potsdam-Mittelmark ist in diesem Zeitraum um 1,83 Prozent gewachsen und damit etwas stärker als die Gesamtwaldfläche im Land Brandenburg.

In Brandenburg sind 35,4 Prozent der Forstfläche als Erholungswald eingestuft. Brandenburg gilt als Kiefernland Nummer 1 in Deutschland. 31 Prozent der Kiefernfläche Deutschlands befindet sich in Brandenburg. Nur sieben Prozent des Waldes bestehen aus Eichen und nur drei Prozent aus Buchen. Je nördlicher die Landesregion, desto höher wird der Laubbaumanteil. Bei jungen Bäumen unter 20 Jahren liegt der Laubholzanteil bei 54 Prozent und damit deutlich höher als bei älteren Bäumen. Damit hat laut Landesforstbetrieb der Waldumbau Erfolg gezeigt.

46 000 Hektar Wald über 2000 Quadratkilometer werden in der Oberförsterei Lehnin betreut, unterteilt in neun Reviere. Das Gebiet reicht von Päwesin im Norden über Görzke im Süden, von Wusterwitz im Westen bis Lehnin im Osten, vom Naturpark Hoher Fläming bis zur Grenze des Westhavellandes.

Von Marion von Imhoff

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