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„Wir erleben wieder Auftragsspitzen“

Gerwin Cordes im MAZ-Gespräch „Wir erleben wieder Auftragsspitzen“

Vor mittlerweile 25 Jahren hat das Unternehmen Heidelberger Druck die ersten Mitarbeiter eingestellt und das Werk im Brandenburger Stadtteil Hohenstücken aufgebaut. Zum runden Jubiläum blickt Standortleiter Gerwin Cordes zurück und nach vorn. Nach sieben mageren Jahren kann er wieder positive Botschaften verkünden.

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Gerwin Cordes leitet das Heidelberg-Werk in Brandenburg.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Vor 25 Jahren hat das Unternehmen Heidelberger Druck die ersten Brandenburger Mitarbeiter eingestellt und das Werk in Hohenstücken aufgebaut. Zum runden Jubiläum blickt Standortleiter Gerwin Cordes zurück und nach vorn.

Der Heidelberger Druck Standort Hohenstücken wird in diesem Jahr 25 Jahre alt. Feiern Sie das runde Datum?

Gerwin Cordes : Ja natürlich. Am 25. Juni steigt unser Familienfest im Werk. Wir beginnen mit der Ehrung unserer Jubilare, die seit Anfang an dabei sind.

 Sind noch Mitarbeiter aus dem ersten Heidelberg-Jahr im Brandenburger Werk?

Cordes : Wir haben durchgezählt. Es sind 76.

 Wie viele Gäste erwarten Sie?

Cordes : 2000 bis 3000. Um 10 Uhr beginnt der Festakt mit Gästen aus Politik und Gesellschaft. Mittags öffnen wir für die Familien unserer Beschäftigten und beginnen ein buntes Programm.

Was verbinden Sie mit 25 Jahren?

Cordes : Dass wir in dieser Zeit fast 600 Menschen für das Berufsleben ausgebildet und uns als Wirtschaftsfaktor in der Region etabliert haben. So haben wir in diesem Zeitraum unseren lokalen Partnern Aufträge im Wert von rund 500 Millionen Euro vergeben. Ich finde, das kann sich sehen lassen. Persönlich verbinde ich mit dem Jubiläum die Anfangsphase, denn ich war damals an der Fabrikplanung beteiligt. Das Werk ist ein Aushängeschild in Punkto Präzision und Partnerschaft und auch aus heutiger Sicht noch eine beeindruckende Leistung.   

Was waren für das Unternehmen die Höhepunkte, also die schönste Zeit in den 25 Jahren?

Cordes : Der Aufbau war eine Phase der Euphorie und wir haben gespürt, wie sehr die Menschen in der Region die Ansiedlung von Heidelberger Druck begrüßt haben. Ein nächster großer Schritt in der Standortentwicklung war die Integration eines Fertigungsbereiches aus unserem Stammwerk Wiesloch-Walldorf, also die Verlegung des Wellen- und Walzenspektrums mit den technologisch anspruchsvollen Teilen nach Brandenburg. In Summe trägt der Standort wesentlich zum hohen Qualitätsanspruch des Unternehmens bei.

Wie hat sich die Arbeit im Werk in den vergangenen 25 Jahren geändert?

Cordes : Sie ist eigenverantwortlicher geworden. Die komplexen Technologien und Bearbeitungsschritte erfordern ein hohes Maß an Selbstständigkeit. Mit dem so genannten Heidelberger Produktionssystem arbeiten wir seit 2006 ständig an Verbesserungen im Produktionsumfeld. Und zwar sehr systematisch.

Und finden Ihre Mitarbeiter zehn Jahre später immer noch etwas Besseres?

Cordes : Das funktioniert Jahr für Jahr. Jedes Jahr erreichen wir damit Einsparungen in Höhe von einer Million Euro und stärken damit den Standort. Wir beschäftigen eigens zwei Mitarbeiter, dies sich nur um dieses Heidelberger Produktionssystem kümmern.

Welche Veränderungen sind noch bedeutend?

Cordes : Wir haben den Heidelberg Produktionsverbund neu ausgerichtet und bieten unsere Leistungen auch für andere Industrien an. Seit 2010 produzieren wir in Brandenburg Maschinenteile auch für Fremdfirmen. Im vergangenen Jahr haben wir knapp 4 Millionen Euro Umsatz mit dem externen Geschäft gemacht, 30 Prozent mehr als 2014. Und hier wollen wir künftig weiter zulegen. Inzwischen sichern wir damit die Arbeit von etwa zwanzig Kollegen.

Seit November 2013 im Werk

Gerwin Cordes (52) übernahm zum 1. November 2013 die Leitung des Werkes der Heidelberger Druckmaschinen AG in Hohenstücken. Der gebürtige Berliner Gerwin Cordes studierte an der RWTH Aachen Maschinenbau.

Nach dem Diplom begann er seine berufliche Laufbahn 1989 bei der Heidelberger Druckmaschinen AG in der Produktion. Dort war er in der Fabrikplanung als Projektleiter zur Planung und Neugestaltung von Produktionsbereichen zuständig. Im Jahr 2008 übernahm Gerwin Cordes die Verantwortung für den Technologiebereich der Fertigung. Von 2010 bis 2013 leitete er den slowakischen Fertigungs- und Montagestandort Nové Mesto.

Das Heidelberg Werk in Brandenburg beschäftigt rund 500 Menschen. Die Mitarbeiter fertigen auf 31 000 Quadratmetern Produktionsfläche an etwa 150 Maschinen Futterdrehteile, Wellen und Walzen, Flach- und Profilteile.

Das Werk in Hohenstücken hat auch schwere Zeiten erlebt, viele Beschäftigte mussten gehen. Wie lassen sich Mitarbeiter in solchen Zeiten noch motivieren?

Cordes : 2008 haben mit der Wirtschafts- und Finanzkrise die sieben mageren Jahre für uns begonnen. Noch im vergangenen Jahr mussten uns 80 Kollegen verlassen. Das waren tatsächlich schwierige und schmerzliche Zeiten. Das über viele Jahre der Betriebszugehörigkeit gewachsene Vertrauen wurde seit 2008 immer wieder auf die Probe gestellt.

Sie reden, als wären die Schwierigkeiten Vergangenheit. Sind sie das?

Cordes : Ich gehe davon aus, dass wir uns in einer stabileren Phase befinden.

Woran machen Sie das fest?

Cordes : Wir erleben wieder Auftragsspitzen. In vereinzelten Bereichen ist sogar gelegentlich Samstagsarbeit notwendig. Ich finde es gut, dass man auch mal wieder über so etwas mit dem Betriebsrat redet. Wir erleben die beschriebene Steigerung im Industriegeschäft. Unter der Überschrift „Brandenburg 2018“ widmen wir uns den Entwicklungsthemen der nächsten drei Jahre.Das sind deutliche Zeichen, dass der Blick wieder nach vorn geht.

Bekommen Ihre Auszubildenden auch mal wieder wie früher eine Chance auf Übernahme?

Cordes : Ja, nach drei Jahren, in denen wir das nicht anbieten konnten, haben jetzt sechs erfolgreiche Auszubildenden einen Arbeitsvertrag bekommen. Sie sind seit dem 1. März als Industriemechaniker bei uns beschäftigt. Weitere sechs ehemalige Lehrlinge sind nach ihrer Ausbildung als Mechatroniker für Heidelberg Services weltweit unterwegs.

Nun  mal im Nachhinein. Stand das Werk in Hohenstücken jemals auf der Kippe?

Cordes : Unser Werk hat gute Fachkräfte und schlagkräftige, effiziente Strukturen. Dies waren und sind die besten Voraussetzungen, ein Teil des Heidelberger Produktionsverbundes zu sein und zu bleiben.

Mit wie vielen Beschäftigten hat das Brandenburger Werk vor 25 Jahren angefangen?

Cordes : An diesem Freitag vor 25 Jahren haben wir die ersten 14 Brandenburger Mitarbeiter eingestellt.

Wie viele sind es heute?

Cordes : Ungefähr 500. Darunter 67 Auszubildende.

Von Jürgen Lauterbach

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