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Brandenburg/Havel 27 Jahre Hilfe für suchtkranke Gefangene
Lokales Brandenburg/Havel 27 Jahre Hilfe für suchtkranke Gefangene
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00:20 16.10.2017
Jürgen Schönnagel (rechts) hat sich früh um seine Nachfolge gekümmert. Jörg Gritzka übernimmt die Suchtfrei-Wohngruppe im Gefängnis. Quelle: Jürgen Lauterbach
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Brandenburg/H

Nach mehr als 27 Jahren beendet Jürgen Schönnagel (73) seine ehrenamtliche Tätigkeit im Brandenburger Gefängnis, wo er seit 1990 therapeutische Wohngruppen für suchtkranke Männer aufgebaut und geleitet hat. Er begründet seinen Schritt mit seinem Alter und den damit verbundenen Gesundheitsproblemen. Sein in Deutschland einmaliges Lebenswerk wird fortgesetzt.

Seit der Wendezeit hat der Babelsberger Maßstäbe gesetzt im Umgang mit alkoholabhängigen Strafgefangenen der Strafanstalten Brandenburg/Havel und Luckau-Duben, wo er das Behandlungsangebot ebenfalls etablierte.

Schon im Jahr 1990 schlug er der Brandenburger Anstaltsleitung vor, eine besondere Abteilung für Straftäter mit Alkoholproblemen zu schaffen. Schönnagel wusste wovon er sprach. Er kannte die Sucht und die damit zusammenhängenden Probleme aus eigener Anschauung als politischer Häftling und Gruppenleiter einer Selbsthilfegruppe für Alkoholiker.

Die erste Gruppensitzung durfte Schönnagel schon am 4. April 1990 leiten. Der Probelauf der ersten Wohngruppe folgte im Jahr 1992. Zwei Jahre später bekam dieses Behandlungsangebot, das auf Freiwilligkeit der Strafgefangenen beruht, einen festen Platz in der JVA Brandenburg.

„Das absolut Schönste an dieser Arbeit waren die positive Veränderung der WG-Mitglieder und die damit verbundene Aussöhnung mit ihren Familien“, schreibt Schönnagel in seinem Abschied an seine Wegbegleiter. Auch die Rückmeldungen über eine gelungene Wiedereingliederung ehemaliger Gefangener habe Mut gemacht.

Jürgen Schönnagel ist Baptist und ist Mitglied in der Suchtkrankenhilfe Blaues kreuz. Sein langjähriges ehrenamtliches Engagement ist christlich motiviert, gleichwohl ist er in der Anstalt keineswegs Missionar und auch kein Mann salbungsvoller Worte.

Seine Ansagen zeichnen sich durch klare Sprache aus. Er verlangte in all den Jahren viel von sich selbst, aber auch von den Verbrechern, die sich innerhalb der Gefängnismauern freiwillig ihm und der „Piste“ genannten Wohngruppe anvertraut haben.

Es sind Mörder und Räuber, um die sich Schönnagel und sein bereits seit 2014 eingearbeiteter Nachfolger Jörg Gritzka (50) kümmern. Die Bewohner auf der Piste verbindet oft wenig, außer dass ihr Leben und ihre schlimmen Taten mit der eigenen Sucht zusammenhängen, meist mit Alkohol, manchmal mit illegalen Drogen oder mit dem Glücksspiel. Und dass sie aus diesem Leben heraus wollen.

Jürgen Schönnagel leitete seit 1990 auch den Anstaltsbeirat in Brandenburg/Havel und damit die Problem-Anlaufstelle für JVA-Bedienstete und Gefangene. Diese Aufgabe übernimmt nun sein Stellvertreter, der Landtagsabgeordnete Andreas Bernig (Linke).

Von Jürgen Lauterbach

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