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3200 Quadratmeter für E-Center

Einzelhandel in Brandenburg/H. 3200 Quadratmeter für E-Center

Seit mehr als sieben Jahren wird über das Entwickeln der vier Hektar großen Fläche der ehemaligen Stärkefabrik gestritten, die Stadtspitze verhinderte bislang alle Pläne für einen großflächigen Einzelhandel direkt am Zentrumsring. Doch nun steht der Durchbruch kurz bevor.

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Hochwertiger Einzelhandel von Edeka soll es am Zentrumsring sein.

Quelle: Dirk Hunger

Brandenburg/H. Beim Thema „Entwicklung der ehemaligen Stärkefabrik“ mit Einzelhandel und Wohnen gibt es zugleich Fortschritte und scheinbare Rückschläge. Offensichtlich ist es gelungen, ein Gutachten des erstmals von Stadt und Investor gemeinsam beauftragten Berliner Beratungsunternehmens Bulwiengesa vorzulegen. Bislang hatten beide Seiten immer eigene Büros beauftragt, die naturgemäß zu unterschiedlichen Ergebnissen kamen. Im Grunde geht es allein um die Größe des geplanten hochwertigen Supermarktes – er soll rentabel arbeiten können, gleichzeitig aber nicht die Einzelhandelsstruktur in der Stadt gefährden.

Nach MAZ-Informationen kommen die Gutachter zu dem Schluss, dass ein Markt mit maximal 3200 Quadratmetern gerade noch verträglich sei. Die Anfangsplanungen vor mehr als sieben Jahren waren noch von 10 000 Quadratmetern Verkaufsfläche ausgegangen – 5000 in einem Edeka-Center, weitere 5000 in diversen Fachmärkten. Ein knappes Drittel der ursprünglichen Verkaufsfläche ist also geblieben.

„Beleuchtet wurden auch die andernorts erzielten Umsätze, weil Marktteilnehmer nicht mehr da sind wie der Real in der Alten Potsdamer Straße oder der Aldi in Hohenstücken. Hinzu kommt auch noch die zu erwartende Umverteilung aus dem Umland“, sagt Bürgermeister Steffen Scheller. So sollen laut Gutachten die außerhalb liegenden Einkaufszentren in Wust (Kaufland) und Beetzsee-Center (Real) jeweils um die 4,5 Millionen Euro pro Jahr mehr erlösen, allein weil die beiden Versorger verschwunden sind.

Wie weiter? Darum dürfte sich nun die Diskussion zwischen Stadt und Investor Isarkies drehen. „Es gibt immer noch einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan ,SB-Markt Neuendorfer Straße’. Doch neben dem Einkaufsmarkt entstehen noch 130 Wohnungen, die der Investor als Ausgleich für die wegfallenden Verkaufsflächen errichten will. Ich glaube nicht, dass das B-Plan-Verfahren sinnvoll weiterzuführen ist“, sagt Scheller. Schließlich hätten sich auch die Planungsziele geändert. Ein neuer Plan könne unter der Überschrift „Wohnen und Nahversorgung Neuendorfer Straße“ geführt werden. Die Verwaltung habe dem Investor vorgeschlagen, ein komplett neues Verfahren aufzulegen – entweder wieder als B-Plan oder als so genannter Vorhaben- und Erschließungsplan VEP. Letzterer hat den Vorteil, dass er weniger aufwendig ist, dafür genau auf das Bauvorhaben und beispielsweise den Einkaufsmarktbetreiber zugeschnitten ist. Änderungen sind dann kaum möglich. Hintergrund ist auch, dass der Stadt daran gelegen ist, die alten B-Plan-Ordner nicht wieder aufzumachen, zu viele Verfahrensfehler stecken darin, die den weiteren Planungsfortschritt erschweren oder verhindern könnten.

84 Prozent Kaufkraft

Mehr als 165 000 Quadratmeter Verkaufsfläche gab es 2013 laut aktuellem Einzelhandelskonzept in der Stadt.

Die Kaufkraft in Brandenburg an der Havel liegt bei 84 Prozent des Bundesdurchschnitts.

Es gibt knapp 11 500 Einpendler und 9200 Auspendler.

Für den neuen Supermarkt wird mit 2500 Quadratmetern Verkaufsfläche plus 500 Quadratmetern Getränkemarkt plus 200 Quadratmetern Minigeschäften gerechnet.

Durch die Aufgabe von einem Real und einem Aldi sind bereits 5800 Quadratmeter weggefallen.

Edeka gibt es bereits in Nord mit 660 Quadratmetern und auf dem Görden mit 700 Quadratmetern, hier ist ein Ersatz mit 1600 Quadratmetern an der Gördenallee geplant.

Allerdings ist die Reaktion der Investoren auf diese Offerte eher verhalten. „Wir verweigern uns nicht, sehen aber keinen Grund, das begonnene B-Plan-Verfahren abzubrechen“, sagt Isarkies-Geschäftsführer Peter Emminger. Dazu seien auch schon genügend Gutachten erstellt, die alle noch gültig seien, beispielsweise zur Verkehrserschließung oder zu Umweltbelangen. „Alle Bedenken der Kommunalaufsicht sind ausgeräumt, so einen gut überprüften B-Plan wie diesen hatten wir noch nie“, sagt Emminger. Vorbehalte hat er gegen einen Vorhaben- und Erschließungsplan. „Da legen sich Stadt und Investor zu sehr fest.“ Damit nährt er Gerüchte, dass Edeka gar nicht mehr Vertragspartner sei, dabei war für das Vorhaben immer mit dem Argument geworben worden, hier käme hochwertiger Einzelhandel hin. Stattdessen waberten Namen wie „Famila“ und „Sky“ durch die Gerüchteküche – Ketten die eher regional im Norden aktiv sind. Emmerling gibt zu, dass die Vertragsbeziehungen zu Edeka „eher nur noch rudimentär“ vorhanden sind. „Die Edeka-Verantwortlichen haben mir offiziell bestätigt, dass sie unbedingt zu uns auf diese Fläche wollen“, beteuert der Isarkies-Manager. Er wolle aber erst einen neuen Vertrag unterschreiben, „wenn wir einen Satzungsbeschluss haben und wissen wie groß die Flächen genau werden. Ansonsten ändern wir wieder alle paar Monate die Verträge.“ Emminger und Isarkies dürfte es auch zupass kommen, dass Edeka sich nicht in Sicherheit wiegt und als einziger Verhandlungspartner die Mietbedingungen diktiert. Entsprechend vorsichtig fällt nun die Stellungnahme von Edeka Minden aus: In Bezug auf die Industriebrache Stärkefabrik an der Neuendorfer-/Otto-Sidow-Straße - wir sind grundsätzlich immer an spannenden Standorten interessiert und freuen uns, wenn Investoren Projekte mit uns verwirklichen wollen. Da wir in diesem Fall Mieter wären, bitte wir Sie sich für weitere Fragen an den Investor zu wenden“, schreibt Sprecherin Bettina Stolt.

Von André Wirsing

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