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Brandenburg/Havel 40 brütende Schwalbenpaare im Garten
Lokales Brandenburg/Havel 40 brütende Schwalbenpaare im Garten
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00:17 15.07.2016
Roland Wrusch bietet den Tieren auf seinem Grundstück ein großes Insektenhotel. Quelle: Marion von Imhoff
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Reckahn

Roland Wrusch ist glücklich: Zu 40 Prozent sind die Schwalbennester auf seinem Grundstück in Reckahn (Potsdam-Mittelmark) schon ausgebucht. 40 Brutpaare zählt der Naturfreund an seinem eigens für Schwalben angelegten Erdwall. Der übermannshohe Hügel liegt am Ende des 3500 Quadratmeter großen idyllischen Gartens am Rande des Dorfes südlich der Stadt Brandenburg. Der 62-jährige frühere Berufsfeuerwehrmann ist ein Tierfreund. Wobei diese Bezeichnung für ihn fast untertrieben scheint.

Für die Schwalben hat Roland Wrusch mit Freunden Lastwagenladungen an Sand aufgeschüttet und mit Holzbrettern verschalt. In die Bretter bohrte er 100 faustgroße Löcher tief in den Sandberg hinein. Wobei Sand nicht richtig ist. Es ist schwere dunkle Muttererde, die sich Roland Wrusch für sein Vogelschutzprojekt hat liefern lassen. Den Naturschutzbund Nabu hatte der gebürtige Brandenburger zuvor zu Rate gezogen.

Der befestigte Sandwall bietet Platz für die Brutpaare. Quelle: Marion von Imhoff

Der Nabu war es auch, der die Anlage finanziell unterstützte. Gegen buddelnde Füchse, die auf den Wall klettern könnten, zog der sehr sportlich wirkende Mann noch eine Lage Maschendraht ein – damit sich die Räuber nicht von oben zu den Nestern vorarbeiten können. Dann säte er Wiesenkräuter auf den Hügel und legte davor eine Streuobstwiese an. Voriges Jahr wurden all diese mühevollen Arbeiten fertig. In diesem Sommer brüten nun die Schwalben erstmals in dem für sie eigens angelegten Mehrfamilien-Nistplatz.

„Es ist ein Wahnsinn, wie die Schwalben das angenommen haben. Ein ganzer Schwarm kam ohne zu zögern. Es ist eine Pracht“, schwärmt Roland Wrusch. Es sind Uferschwalben, auch Erdschwalben genannt, die nun in dem Wall nisten. Ein leichtes Zirpen und Piepsen ist zu hören. Hin und her fliegen die Elterntiere. Immer wieder steuern sie ihre Nester an, kriechen kurz in die Nisthöhlen und dann gleiten sie durch die Luft wieder fort auf Beutezug nach Insekten. Zwei bis vier Junge sind in jedem Nest geschlüpft. So versorgen die Brutpaare derzeit rund 100 Jungtiere.

Schwalben stehen unter Schutz

Schwalben sind artenreich. Viele von ihnen haben gegablte Schwalbenschwänze. Schmetterlinge wurden nach ihnen benannt.

Schwalben stehen unter Schutz. Unter Hausdächern ziehen Mehl- und Rauchschwalben ihre Jungen auf. Wer an seinem Haus Schwalben duldet oder sogar aktiv schützt, kann sich um die Plakette „Schwalben willkommen“ des Naturschutzbundes Nabu bewerben. Der ruft dazu auf, Schwalbennester nicht zu entfernen.

Seit Jahren gilt der Bestand an Schwalben landesweit als rückläufig. Wurden 1996 noch bis zu 300 000 Brutpaare im Land Brandenburg gezählt, sind es derzeit nur noch zwischen 37 000 und 55 000. Auch der Bestand an Mehlschwalben, die ebenfalls an Häusern nisten, ist um die Hälfte zurückgegangen. Wer auf seinem Grundstück eine Lehmpfütze lässt, erleichtert den Schwalben den Bau von Nestern.

Nebenan, auf einer zum Grundstück gehörenden Koppel, grasen drei dunkelbraune Shetlandponys. Roland Donner und seine Ehefrau Ulrike Donner-Wrusch spannen die Tiere etwa drei Mal im Monat zur Freude der beiden noch sehr kleinen Enkeltöchter vor die Kutsche. Neben einer Dogge-Labrador-Hündin leben noch Vorwerk-Hühner, eine Ente samt drei Küken, Kröten, Teichmolche, Frösche und hin und wieder eine Ringelnatter in dem Garten von Wruschs Elternhaus. Schmetterlinge tummeln sich am Sommerflieder. Im Insektenhotel mit unzähligen versteckten Hohlräumen in Stämmen, Binsen, Kokosnüssen, Nistkästen und Blumentöpfen haben sich Hornissen und anderes Getier zurückgezogen.

Die Schwalben gehören in unserer Heimat einfach dazu. Quelle: dpa

Doch die Schwalben sind es, die Roland Wrusch besonders am Herzen liegen. Mit einem Fernglas verfolgt der Reckahner vom Küchenfenster aus ihr Ein- und Ausfliegen. Auf die Idee für den künstlichen Brutplatz ist der Reckahner durch Beobachtungen gekommen. Dort, wo heute der nahe Solarpark liegt, hatten sich Schwalben Erdlöcher gebaut.

Die Gabe, Vögel mit Geduld und Ausdauer zu beobachten, hat ihm sein Vater vererbt, der mit dem jungen Roland sonntags so häufig auf Hochsitze geklettert war. Freilich lediglich, um in die Natur zu schauen. „Wir haben nur geguckt, nicht geschossen“, sagt Roland Wrusch.

Von Marion von Imhoff

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