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470 Einwohner und eine Tankstelle

Weseram feiert Jubiläum 470 Einwohner und eine Tankstelle

Öffentliche Gaststätten gibt es in Weseram nicht mehr, dafür eine Tankstelle, eine Kita und eine Feuerwehr. Am Sonnabend blicken die Einwohner des zwischen Beetzsee und Havel gelegenen Dorfes auf eine 700-jährige Geschichte zurück. Mit einem Festumzug wird die Jubelfeier eröffnet.

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Gemeindevertreter Werner Rosteck und Bürgermeister Ulrich Pleßke (r.) vor Aufnahmen mit Gebäuden, die im Ramen der Dorferneuerung saniert wurden. Das 470- Einwohner-Dorf zwischen Beetzsee und Havel kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Daran werden die geschmückten Wagen beim Festumzug erinnern.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Weseram. Die letzten Arbeiten an den Außenanlagen für das neue Feuerwehrgerätehaus laufen. Im September soll die Ortsdurchfahrt endlich eine neue Asphaltdecke bekommen. Schon wieder aufgerichtet ist das Ehrenmal für die Kriegstoten vor der Kirche. Es sind einige gute Nachrichten, die mit dem 700. Jahr der urkundlichen Ersterwähnung Weserams zusammenfallen. „Geplant war das so nicht“, sagt Bürgermeister Ulrich Pleßke. Dafür laufen die Vorbereitungen für die Jubiläumsfeier am kommenden Sonnabend bereits seit längerem auf Hochtouren.

Sputnik Band spielt am Abend

Beginn des Dorffestes ist um 14.30 Uhr auf dem Festgelände am Sportplatz. Von dort setzt sich der Festumzug durch den Ort in Bewegung. Angeführt wird der Umzug von der Märkischen Schalmeienkapelle. Ab 15 Uhr ist Kaffeezeit. Die Kita-Kinder zeigen ab 16 Uhr ein Programm.

Für die Kinder gibt es unter anderem ein Unterhaltungsprogramm mit „Angelikas Musiktheater“. Ab 18 Uhr gibt es Schwein vom Spieß. Zur Musik der „Sputnik Band“ aus Roskow kann am Abend das Tanzbei geschwungen werden. Einwohner und Besucher sind herzlich willkommen.

Für den Auf- und Abbau der Zelte, Tische und Bänke sind Helfer willkommen. Der Aufbau beginnt am Sonnabend um 9 Uhr, der Abbau erfolgt am Sonntag um 10 Uhr. Details zum Programm und zu Weseram gibt es auf der neuen Internetseite unter www.weseram.de zu lesen.

Zu den Initiatoren, die die Fäden für das besondere Dorffest in die Hände genommen haben, gehört Gemeindevertreter Werner Rosteck. Er freut sich ganz besonders, dass zur 700-Jahr-Feier ein größerer Festumzug als sonst üblich durch das Dorf ziehen wird. „Derzeit sind zwölf Schaubilder geplant. Auf verschiedenen Wagen wird die Geschichte Weserams an den Zuschauern vorbeiziehen“, so Rosteck. Für ihn ist das Spektakel vor allem ein Gemeinschaftsprojekt. Privatleute, die Landfrauen, die Kita-Kinder, die Angler und die Feuerwehr schließen sich ebenso an wie die Havelland agrar als größter Landwirtschaftsbetrieb.

Gans so gemütlich wie auf dieser rund 100 Jahre alten Postkarte geht es auf Weserams Hauptkreuzung heute nicht mehr zu

Gans so gemütlich wie auf dieser rund 100 Jahre alten Postkarte geht es auf Weserams Hauptkreuzung heute nicht mehr zu.

Quelle: Sammlung/Frank Bürstenbinder

Der Festumzug beginnt um 14.30 Uhr am Sportplatz. Von dort geht es durch die Ortsmitte bis in die Ernst-Thälmann-Straße und zurück zum Festgelände. Die Veranstalter haben sich entschlossen, dass traditionelle Dorffest mit der 700-Jahr-Feier zusammenzulegen. „Natürlich hätte man auch drei Tage feiern können. Doch die Kräfte und Finanzen unseres 430-Einwohner-Ortes sind begrenzt. Ich bin sicher, dass wir einen schönen Tag erleben werden“, ist Bürgermeister Pleßke überzeugt. So geht es nach dem Festumzug, der von der Märkischen Schalmeienkapelle angeführt wird, mit einem bunten Programm auf dem Sportplatz bis in die Nacht weiter.

Leider hat Weseram keinen Ortschronisten. Deshalb fehlt ein gut aufbereiteter Fundus über die 700-jährige Geschichte. Nur Bruchstücke sind der Allgemeinheit bekannt. Nämlich, dass es mal ein Groß- und Klein-Weseram gab. Aus der ersten urkundlichen Erwähnung von 1317 geht hervor, dass Weseram zum Tafelgut der Brandenburger Bischöfe gehörte. Die Bauern waren also auch für die Versorgung des Domkapitels mit Lebensmitteln zuständig. Die Landwirtschaft prägt bis heute das Weseramer Umland, wenn gleich die Zahl der Beschäftigten nur noch ein Bruchteil im Vergleich zu DDR-Zeiten beträgt. Die meisten Berufstätigen sind zu Pendlern geworden.

Weseram hatte ab 1918 eine Ziegelei, für die ein Abzugsgraben zu einem schiffbaren Kanal zur Havel hin erweitert wurde

Weseram hatte ab 1918 eine Ziegelei, für die ein Abzugsgraben zu einem schiffbaren Kanal zur Havel hin erweitert wurde.

Quelle: Frank Bürstenbinder

„Mit Arbeitsplätzen im Dorf können wir kaum dienen“, bedauert Bürgermeister Pleßke. Die Kommunalpolitiker haben drei Ziele im Fokus: Die von einem privaten Träger betriebene Kita soll weiter existieren, die marode Ortsdurchfahrt muss auf Vordermann gebracht werden, und die Feuerwehr muss auch in Zukunft zum Dorf gehören.

Vieles andere ist schon Geschichte wie die Ziegelei, die Eisenbahn, die Landfleischerei, die Blütezeit des Reitsports oder öffentliche Gaststätten. Dafür kann Weseram eine Tankstelle, zwei Arztpraxen und zahlreiche sanierte Gebäude und Anlagen vorweisen.

Schon in den 1990er-Jahren profitierte das Dorf, das seit 2002 zusammen mit Lünow und Roskow die neue Gemeinde Roskow bildet, von der Dorferneuerung. Darunter die ehemalige Schule, der Friedhof und die Ernst-Thälmann-Straße. Auch die barocke Kirche ist restauriert.

Was fehlt, sind Bauplätze. Wer kein Objekt im Bestand findet, muss in Weseram lange nach Lücken suchen. Für eine Freifläche am Sportplatz fehlt ein Bebaungsplan.

Von Frank Bürstenbinder

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