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80-Jährige trägt seit 25 Jahren die MAZ aus

Trechwitz 80-Jährige trägt seit 25 Jahren die MAZ aus

Anderthalb Stunden dauert ihre Tour, sie führt Hildegard Manzke montags bis samstags von Haustür zu Haustür, von Briefkasten zu Briefkasten. Seit 1991 und damit seit 25 Jahren schon ist sie MAZ-Zustellerin. An diesem Montag nun wird Hildegard Manzke 80 Jahre alt. Ihren Zeitungsjob an den Nagel zu hängen, daran denkt sie indes noch immer nicht.

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Sie liebt ihren Job: Hildegard Manzke steigt jeden Morgen um kurz nach 4 Uhr auf ihr Rad und fährt ihre Zustell-Tour durch das Dorf.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Trechwitz. Wenn Hildegard Manzke mit dem Fahrrad durch Trechwitz radelt, ist sie in dem 315-Seelen-Dorf die einzige, die schon wach ist. Es ist 4.10 Uhr morgens und Hildegard Manzke trägt die Märkische Allgemeine aus. Anderthalb Stunden dauert ihre Tour, sie führt sie montags bis samstags von Haustür zu Haustür, von Briefkasten zu Briefkasten. Seit 1991 und damit seit 25 Jahren schon ist sie MAZ-Zustellerin. An diesem Montag nun wird Hildegard Manzke 80 Jahre alt. Ihren Zeitungsjob an den Nagel zu hängen, daran denkt sie indes noch immer nicht.

„So lange ich es machen kann, mache ich es“, sagt sie. „Ich freue mich jeden Tag. Bei Sonnenschein ist es besonders schön.“ Und das Aufstehen vor Morgengrauen? Hildegard Manzke lacht da nur: „Die frühe Stunde ist super.“

Ausschlafen geht nur sonntags

Um vier Uhr klingelt ihr Wecker, „dann aufstehen, anziehen und los“. Selbst einen Kaffee gönnt sie sich da noch nicht. Sie stapelt die MAZ-Ausgaben in Korb und Satteltasche ihres Fahrrades. „Dann geht es durchs Dorf, Straße hoch und Straße runter, in den Wald rein zu den Häusern dort und dann zur Siedlung.“ Zwölf Kilometer lang ist die Strecke, die Hildegard Manzke fährt. Bei schlechtem Wetter nimmt sie auch das Auto.

Zuhause angekommen, nimmt sie sich kurz Zeit für ein Frühstück und ein „Vormittagsschläfchen“, wie ihr Sohn Kai-Uwe Manzke es nennt. „Dann geht sie in den Garten, hackt Rüben, nachmittags oder abends geht sie noch mit meinem Jagdhund spazieren. Meine Mutter ist einfach nicht kaputt zu kriegen“, sagt der jüngste der drei Söhne.

Mit sieben Geschwistern aufgewachsen

Hildegard Manzke sind ihre 80 Jahre nicht anzumerken. „Dass sie immer aktiv ist, immer in Bewegung, das hält sie jung“, sagt Kai-Uwe Manzke, der an diesem Nachmittag neben seiner Mutter im Garten sitzt, Zeitung liest und immer wieder eine liebevolle, gut gemeinte Bemerkung fallen lässt. „Sie fährt Frauen aus dem Dorf zum Arzt, die viel jünger sind als sie“, sagt er. Diese Hilfsbereitschaft, ihr christlicher Glauben und ihre Bescheidenheit, all dies zeichne seine Mutter aus.

Sich für andere nahezu aufzuopfern, das war schon früh ein Teil im Leben Hildegard Manzkes. Sie war das älteste von sieben Geschwistern. Im Februar 1945, als neun Jahre altes Mädchen, musste sie mit ihrer Familie aus Posen fliehen. Sie hatten zuvor auf einer Bauernwirtschaft gelebt. Mit zwei Pferdewagen machten sich die Metzgers in jenem bitterkalten Winter mit weiteren Familien auf die Flucht gen Westen vor der nahenden Front. Neun Brote hatte einer ihrer Brüder noch schnell holen müssen, bevor der Treck aufbrach.

Als Neunjährige im Flüchtlingstreck

„In einem Wagen waren nur Bettdecken und Kinder, darunter auch mein einjähriger Bruder. Er steckte immer wieder seinen Kopf aus dem Bärenfell, in das er gewickelt war.“ Auf dem anderen Pferdefuhrwerk Verpflegung und Gepäck. Zwei Wochen waren die Flüchtlinge unterwegs. „Ich höre noch die Tiefflieger.“ Gefürchtet waren diese wegen ihrer Angriffe auf die Trecks. Einer der Wagen brach zusammen. Die Mutter erwartete ein weiteres Kind, das drei Monate nach der Flucht in Trechwitz auf die Welt kam.

Hildegard Manzkes Sprachmelodie ist ihre Kindheit in Posen noch anzuhören. Sie war 19, als ihre Mutter starb. Von da an war sie für die jüngeren Geschwister wie eine Mutter. Sie wurde im Damsdorfer Lebensmittelgeschäft Erich Gebler binnen sechs Monaten zur Verkäuferin ausgebildet. „Ich schnitt Lebensmittelmarken, packte Butter ein, wog das Mehl ab.“ 1958 heiratete sie, bekam ihre Söhne.

Später übernahm sie die Trechwitzer Poststelle. Zehn Jahre lang führte sie die. Briefe und Zeitungen auszutragen, das gehörte auch damals schon zur ihrem Leben. Auf das blickt sie gerne zurück: „All diese Lebensabschnitte waren doch schön, doch Kai-Uwe“, wendet sie sich an ihren Sohn. Das sagt sie häufiger in diesem Gespräch: „Es war eine schöne Zeit.“

Zusteller gesucht

Die MAZ sucht zuverlässige Zusteller. Interessenten erhalten hier weitere Informationen.

Von Marion von Imhoff

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