Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Naherholungsgebiete eignen sich nicht zum dauerhaften Wohnen
Lokales Brandenburg/Havel Naherholungsgebiete eignen sich nicht zum dauerhaften Wohnen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:11 13.03.2018
Einzig in „Zum Faulen Hund" in Plaue wird von den städtischen Experten als geeignetes Land zum Dauerwohnen angesehen. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

In dieser Deutlichkeit haben die Antragsteller das Ergebnis einer Prüfung nicht erwartet: Kaum ein Naherholungsgebiet in der Stadt eignet sich zum dauerhaften Wohnen.

Angeregt worden war die Prüfung von der Fraktion Freie Wähler im Zuge der Diskussion um das (zwischenzeitlich abgesagte) Einführen einer Zweitwohnungssteuer.

Vielmehr sollte das dauerhafte Wohnen auf Erholungsgrundstücken erlaubt werden, damit würden sich die Bewohner mit ihrem Hauptwohnsitz in der Stadt anmelden, es kämen mehr Steuern und Landeszuweisungen in die Havelstadt, argumentierten die Wortführer Dirk Stieger und Norbert Langerwisch.

Der Beschluss für den Prüfauftrag fasste eine Stadtverordnetenmehrheit am 21. Dezember 2016. Ursprünglich sollte das Ergebnis schon nach sechs Monaten vorliegen, doch war dies nicht zu schaffen, weil Gesetze und Landespläne sich veränderten und es eine Vielzahl von Ortsterminen gab.

Erlass vom Ministerium

Bereits im Jahr 2010 hat das Infrastrukturministerium einen Erlass zum „Umnutzen von Wochenendhäusern zum dauerhaften Wohnen“ herausgegeben.

„Im Grundsatz gilt, dass Wochenendhausgebiete ausschließlich der Erholungsnutzung dienen. Ein Dauerwohnen war nicht beabsichtigt.“

Dass es hier und dort dennoch zu Umwandlungen gekommen ist, führt nicht zwangsläufig zu deren Legalität.

Erstellt hat das nun vorliegende , mehr als 50 Seiten umfassende Papier der städtische Experte für Bauleitplanung Wolfgang Görlich. Acht Gebiete wurden untersucht: Breites Bruch, Zum Faulen Hund, Fritze-Bollmann-Weg (nördlicher und südlicher Teil jeweils separat), Mötzower Vorstadt, Neuendorf, Schmöllner Weg sowie Schützenworth.

Görlich hat alle Flächen verglichen mit Gesetzen, städtischen Planungen, Notfallplänen, Naturschutzvorgaben sowie Betrachtungen zum Infrastrukturaufwand und den Kosten.

Ein Umwandeln des Breiten Bruchs in ein Wohngebiet wäre rechtswidrig, weil vor allem der Hochwasserschutz nicht gegeben ist, zudem seien sieben weitere Kriterien nicht erfüllt.

Anders sieht es bei einer Teilfläche im Gebiet Zum Faulen Hund in Plaue aus: In einem neun Hektar großen Gebiet können Wohnhäuser entstehen beziehungsweise vorhandene größere Wochenendhäuser dauerhaft bezogen werden. Allerdings ist auch hier einiger Aufwand für Gutachten, Planungskosten und Ändern des Flächennutzungsplanes zu betreiben. Die dafür nötigen 115 000 Euro müssten von den Grundstückseigentümern aufgebracht werden. Für zwei dahinter liegende Gebiete von ein und vier Hektar Größe allerdings sind ungeeignet fürs Dauerwohnen.

Beide Abschnitte des Fritze-Bollmann-Weges sind ebenso ungeeignet, vor allem wegen des fehlenden Hochwasserschutzes, im nördlichen Abschnitt kommen noch Konflikte wegen der Lage im Landschaftsschutzgebiet hinzu. Die vorliegenden landschaftsschutzrechtlichen Genehmigungen gelten ausschließlich für Wochenendhäuser.

Das etwa 30 Hektar große Gebiet in der Mötzower Vorstadt im Anschluss an die vorhandene Bebauung zwischen Mötzower Landstraße und Beetzsee ist ebenfalls wegen des fehlenden Hochwasserschutzes denkbar ungeeignet, weitere sechs Kriterien sind gar nicht erfüllt und drei nur teilweise.

In Neuendorf wurde nahe Rohrwerder eine 13 Hektar große Fläche rings um den Windmühlenweg untersucht, auch deren Umwandlung scheitert an der Überschwemmungsgefahr. Grundstücke müssten neu geordnet, alles komplett erschlossen werden, es gibt keine Infrastruktur und im Brandfall gelangt die Feuerwehr auch nicht in acht Minuten hin.

Im 21 Hektar großen Gebiet am Schmöllner Weg gibt es auch vorerst keine Chance zum Ausweisen von Dauerwohnen. Es gibt keinen ausreichenden Schutz vor Überschwemmungen. Vor Jahren hatte die Verwaltung dennoch mal einen Versuch unternommen, einen Bebauungsplan aufzustellen, doch scheiterte es an der mangelnden Bereitschaft von Anwohnern, private Flächen für notwendige Straßen zur Verfügung zu stellen.

Am Schützenworth ist auf der Zehn-Hektar-Fläche die Hochwassergefahr zu groß, weitere acht von neun Kriterien sind nicht erfüllt – glatte Ablehnung.

Das Papier wird an diesem Mittwoch erstmals im Stadtentwicklungsausschuss diskutiert.

Von André Wirsing

Mit Schirm, Charme, Stock und Waldmops: Die MAZ-Aktion „Fit und gesund“ führt fünf Kilometern auf Loriots Spuren durch Brandenburg an der Havel. Vom Geburtshaus ging es zu acht authentischen Orten, die mit Vicco von Bülow verbunden sind.

13.03.2018

Viele reden darüber, er tut es: Gregor Rom aus Brandenburg an der Havel befindet sich derzeit auf einem Seenotretter, der zwischen der maltesischen Hauptstadt Valletta und der libyschen Küste auf dem Mittelmeer kreuzt. Zwei Wochen seines Urlaubs opfert der Mediziner, um in Seenot geratenen Menschen zu helfen. In der MAZ berichtet Gregor Rom von seinem Abenteuer.

13.03.2018

Schwitzen für die Vierbeiner: Schüler des Oberstufenzentrums „Alfred Flakowski“ in Brandenburg an der Havel erzielen bei ihrem ersten Spendenlauf 650 Euro für das Tierheim in der Caasmannstraße. Das könnte der Anfang einer Bewegung sein.

13.03.2018