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Brandenburg/Havel AOK macht das Wohlfahrtszentrum frei
Lokales Brandenburg/Havel AOK macht das Wohlfahrtszentrum frei
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00:18 03.06.2016
Das Wohlfahrtsforum im Jahr 1930, ein beziehungsweise zwei Jahre nach seiner Errichtung. Quelle: Repro: Sammlung Hesse
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Brandenburg/H.

Die AOK Nordost verkauft ihren Gebäudekomplex am Wohlfahrtszentrum an der Kanalstraße und zieht um. Das bestätigt Sprecherin Gabriele Rähse auf MAZ-Anfrage. „Derzeit steht die genannte Immobilie zum Verkauf. In einer geplanten Modernisierung des Areals, zu dem auch das Service-Center gehört, sind positive Impulse für das gesamte Quartier zu erwarten.“

Die AOK Nordost habe ohnehin geplant, für ihre wachsende Mitgliederzahl in der Region ihr Angebot zu erweitern und einen neuen, modernen Standort in zentraler, guter Innenstadtlage zu suchen, das sei deshalb eine gute Ausgangsbasis für den Verkauf. Eine Entscheidung zum künftigen Standort stehe aber noch aus. Nach MAZ-Informationen wird der neue Standort in dem Geschäftshaus Sankt-Annen-Straße 38 sein, in den Räumen der ehemaligen Panorama-Bar. Allerdings fehlt es derzeit noch an konkreten Umbauplänen, ist zu hören.

In der Stadt Brandenburg an der Havel gibt es rund 17 000 AOK-Versicherte, im näheren Umland weitere 10 000. „Sie alle können sich sicher sein, dass der Beratungsalltag im bisherigen Servicecenter in der Kanalstraße vorerst uneingeschränkt weiterläuft. Sobald der geplante Umzug auf der Tagesordnung steht, werden wir unsere Versicherten und die Havelstädter rechtzeitig informieren.“

Bereits seit etwa fünf Jahren versucht die AOK, die schöne wie schwierige Bauhaus-Immobilie auf den Markt zu bringen. Damals scheiterte der Verkauf wohl an unrealistischen Preisvorstellungen, dem Vernehmen nach wollte die Krankenkasse rund 1,5 Millionen Euro haben. Doch war das potentiellen Erwerbern zu viel angesichts der massiven Probleme, deren Beseitigung noch einmal viel Geld kostet. So sieht ein neues Brandschutzkonzept ein komplett neue zweites Treppenhaus als Fluchtweg vor.

Ein Brandschutzgutachten umfasst 90 Seiten voller Auflagen. Schwierig ist ebenfalls das Thema Klimatisierung: Die großen durchgehenden vertikalen und horizontalen Fensterbänder lassen zu viel Wärme ins Innere. Es gibt Gründungsprobleme, zumindest das große viergeschossige Hauptgebäude muss neu nach unten gegen aufsteigendes Grundwasser abgedichtet werden. Die fast 90 Jahre alten Bitumen-Elemente bröckeln, berichten Experten. Zu alledem kommen auch noch die Belange des Denkmalschutzes in dem wertvollen Bauhaus-Ensemble. Alles zusammen dürfte noch einmal Millionen kosten.

Typisch Bauhaus

Das Wohlfahrtsforum wurde von Karl Erbs im Gesamtentwurf geplant.

Das Krankenkassengebäude plante Willi Ludewig in Berlin. Als erster Abschnitt wurde es ab 1928 erbaut und Ende 1929 fertig.

Es hat eine Gesamtnutzfläche von rund 3700 Quadratmetern. Das Grundstück umfasst cirka 1700 Quadratmeter.

Im Jahr 1930 folgten die Turnhalle und das Hallenbad.

Das AOK-Gebäude besteht aus dem viergeschossigen Eckbau, einem langgestreckten Zweigeschosser und dem Saalbau.

Alle Trakte sind kubische Stahlskelettbauten, die mit Klinkermauerwerk verkleidet sind.

Charakteristisch für den Bauhausstil sind die durchgehenden horizontalen und vertikalen Fensterbänder sowie der matt oxydierte Zinkplattenbelag der Einfassungen von Fenstern und Pfeilern als Kontrrast zu dem Ziegelrot.

Die AOK soll nun im Kaufpreis um eine runde halbe Million heruntergegangen sein, sie hat verschiedene Bieter aufgefordert, Gebote abzugeben. Aus sicheren Quellen ist zu hören, dass es nur noch zwei Bewerber um die Immobilie gibt – eine Projektentwicklungsgesellschaft aus Berlin und einen hiesigen Bieter. „Da aktuell ein entsprechendes, formales Bieterverfahren läuft, bitten wir um Verständnis, dass wir aufgrund des laufenden Verfahrens derzeit keine weiteren Angaben zu potenziellen Kaufinteressenten machen können“, sagt Krankenkassensprecherin Gabriele Rähse.

Von André Wirsing

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