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Brandenburg/Havel Abschied vom Lebenswerk
Lokales Brandenburg/Havel Abschied vom Lebenswerk
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16:37 11.03.2019
Bevorstehender Amtswechsel beim ASB Brandenburg: Karina Knoppe übernimmt von Norbert Maul den Geschäftsführer-Stuhl. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Das Loslassen fällt schwer. Norbert Maul steht für eine Ära beim Arbeiter-Samariter-Bund in Brandenburg an der Havel – faktisch von der Ich-AG (wenn es die 1990 schon gegeben hätte) hin zum Vorgesetzten von mehr als 220 Mitarbeitern heute.

In wenigen Tagen geht Norbert Maul mit fast 66 Jahren in Altersrente, für die Nachfolge ist gesorgt (siehe Infobox). Seine Berufsgeschichte beschreibt die Zeit seit der Wiedervereinigung gerade im Sozialressort beispielhaft.

Karina Knoppe ist neue Chefin

Karina Knoppe (Jahrgang 1982) ist ab April die neue ASB-Geschäftsführerin.

Bereits mit 16 Jahren jobbte sie in der Dahlener Wohnstätte für Behinderte, stieg dann beruflich in die Behindertenhilfe ein, wurde Heilerziehungspflegerin. Sie qualifizierte sich berufsbegleitend zur Heilpädagogin und wurde Leiterin der Außenwohnstätte in Gräben.

Still und heimlich absolvierte sie an der Technischen Hochschule Brandenburg ein Betriebswirtschaftslehre-Studium. Maul sprach sie an, weil er fürchtete, sie bereite den „Absprung“ vor. Doch sie bekannte sich zum ASB und wollte eine größere Einrichtung leiten.

Gemeinsam mit 20 anderen Kandidaten bewarb sie sich im Vorjahr um die ausgeschriebene Geschäftsführerstelle.

Eine unabhängige Findungskommission, der Maul nicht angehörte, aus Leitungspersonen, Verein und Betriebsrat, sprach sich für Karina Knoppe aus.

Maul wird am 29. März mit einem Festakt in der „Werft“ nach fast 29 Jahren feierlich verabschiedet.

Im Frühjahr 1990 wurde der Arbeiter-Samariter-Bund Brandenburg an der Havel mit Hilfe aus Kaiserslautern gegründet, im Sommer ins Vereinsregister eingetragen, die MAZ berichtete darüber. Maul hatte bis zur Wende beim Rat des Kreises gearbeitet, im Gesundheits- und Sozialwesen. Mit dem MAZ-Artikel in der Hand bewarb er sich, wurde erst abgewiesen, zum 1. Dezember aber eingestellt. Dann kam der erste Auftrag: Blinde Kinder sollten zweimal die Woche nach Potsdam und zurück gefahren werden. Die ersten Touren übernahm Maul noch selbst, bis er über eine ABM den ersten Kraftfahrer anstellen konnte. Dann ging es los mit der Erste-Hilfe-Ausbildung. Im Frühjahr 1991 grübelte er mit Sozialamtsleiterin Margrit Spielmann über den Aufbau des ambulanten Gesundheitswesens, gründete eine Sozialstation. Die ersten Dienste gab es in Hauswirtschaft, gefördert übers Landessozialamt. Der ASB setzte Gemeindeschwestern für Hohenstücken und Nord ein, betrieb Hauskrankenpflege.

„Durch meine Tätigkeit beim Rat des Kreises war ich dem Pflegeheim in Dahlen verbunden. Als der Kreis es schließen wollte, haben wir alle Hebel dagegen in Bewegung gesetzt. Geholfen hat uns Günter Baaske, der bald Minister wurde.“ Die Pflegeplätze sanken zwar von 120 auf 80, dafür entstanden 16 betreute Seniorenwohnungen, eine Behindertenwohnstätte mit 20 Plätzen sowie eine Rettungswache. Für die fitten Behinderten entstand eine eigene Wohnstätte in Gräben.

In der Stadt bemühte sich der ASB um das Betreiben der Kitas in Göttin, im Akazienweg auf der Scholle und in Hohenstücken um das „Wichtelparadies“ mit musisch-musikalischer Ausrichtung. „Ich habe geweint, als ich das ,Wichtelparadies’ schließen musste, weil die Stadt die Investitionskosten scheute. 30 Erzieher waren auf andere Einrichtungen zu verteilen“, erzählt Maul.

Dann wollte er wenigstens das Gebäudeensemble an der Rosa-Luxemburg-Allee 1 kaufen, um eine Basisstation für die anderen Arbeitsfelder zu haben. Jahr für Jahr fragte er nach, inzwischen hatten andere Bewohner entdeckt, dass es hier noch Wasser und Elektrik gab und es sich bequem kampieren lässt. Irgendwann lenkte die Stadt ein, die ASB-Verwaltung zog von der Kirchhofstraße um, von hier aus starten der ambulante Pflegedienst und der Fahrdienst, seit zwei Jahren gibt es eine Tagespflege. 16 Zweiraumwohnungen für ältere Menschen entstanden in einer Art Bungalow-Reihenhäuschen. Kurz vor dem Ende des Berufslebens vermeldet Maul einen neuerlichen Erfolg: 4000 Quadratmeter des Nachbargrundstücks kann der ASB kaufen, die Stadt hat die Würfelhäuser abgerissen. Das andere Grundstück auf der anderen Seite des kleinen bestehenden Gewerbeobjekts mit Massagesalon und Spielhalle sollen die Johanniter erwerben, die ebenfalls dringend Erweiterungsflächen an der Warschauer Straße brauchen.

Auf der ASB-Fläche soll ein zwei- bis dreigeschossiger Neubau entstehen, in dem für 20 bis 30 Menschen ein „Wohnen mit Betreuung und Pflege“ angeboten wird. „Eine Warteliste haben wir jetzt schon. Auch wenn uns vor Jahren noch ganz viele wichtige Menschen prophezeit haben, dass solche Projekte in Hohenstücken nicht zu realisieren sind, hat uns doch das wahre Leben recht gegeben. Nirgendwo gibt es bessere Infrastruktur und Versorgung als hier.“

Norbert Maul kann gelassen in den neuen Lebensabschnitt wechseln. Dort warten unter anderem sieben Enkelkinder, ein Elektrofahrrad und ein Bötchen mit 15-PS-Außenborder. „Mich bewegt zum Abschied der Stolz auf meine Mitarbeiter und die Menschen, die mich auf meinem Weg begleitet haben“, sagt er. Das Emotionalste sei im Rückblick das Retten des Dahlener Heims gewesen. Seiner Nachfolgerin Karina Knoppe will er beratend zur Seite stehen, wenn sie seine Hilfe will.

Und bewerben will sich Norbert Maul nochmal: Als „Vorlese-Onkel“ will er künftig einmal die Woche in den beiden Kitas Göttin und Scholle ehrenamtlich tätig sein. Eine Rolle, die man sich unschwer bei ihm vorstellen kann.

Von André Wirsing

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