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Brandenburg/Havel Steinmeier verurteilt Brandanschlag als „feige“
Lokales Brandenburg/Havel Steinmeier verurteilt Brandanschlag als „feige“
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09:31 28.07.2015
Die Familie ist nach dem versuchten Anschlag verunsichert. Quelle: MAZ
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Brandenburg an der Havel

Drei Tage nach dem von fremder Hand entfachten Feuer an ihrer Wohnungstür bleiben Ibragim Tsychuer (27) und seine Frau Madina (24) wachsam. Die aus Inguschetien stammenden Eltern dreier Kinder schauen jede Nacht mehrfach aus dem Fenster, ob sich Verdächtige am Eingang des Mehrfamilienhaus im Brandenburger Stadtteil Görden zu schaffen machen, in dem sie als einzige Asylbewerber leben.„Wir sind verunsichert und traurig, dass uns andere Menschen etwas Schlimmes antun wollten. Hoffentlich klärt sich bald alles auf“, sagt der Familienvater.

Steinmeier: „Ein feiger Brandanschlag“

Familie Tsychuer ist nicht allein. Nach dem Brandanschlag vom Samstag mit einer offenbar in Benzin getränkten Zeitung erleben die aus dem Nordkaukasus stammenden Asylbewerber eine Welle der Solidarität und des Mitgefühls. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und die Oberbürgermeisterin von Brandenburg/Havel, Dietlind Tiemann (CDU), verurteilen den Angriff, der gezielt die von der Familie genutzte Wohnung in der Pariser Straße treffen sollte.

Ähnlicher Anschlag vor vier Jahren

Der Brandanschlag auf Asylbewerber in Brandenburg-Hohenstücken war nicht der erste dieser Art. Am 6. Juli 2012 hatte ein persönlichkeitsgestörter Mann in einem Hochhaus eine Zeitung vor der Tür eines afghanischen Flüchtlings angezündet. Das Opfer kam auch damals mit dem Schrecken davon.

Der Brandstifter wollte ein Held sein. Er zündelte, um dann bis zur Erschöpfung bei der Rettung mitzumachen.

Steinmeier spricht von einem „feigen Brandanschlag“. Es mache ihn fassungslos, wie brutal Täter das Leben der Bewohner riskieren würden, um ihrer fremdenfeindlichen Haltung Ausdruck zu verleihen. Ähnlich äußerte sich Oberbürgermeisterin Tiemann: „Es ist für mich nicht hinnehmbar, wenn Menschen, die unserer Hilfe bedürfen, um Leib und Leben fürchten müssen.“ Sie erwarte intensive Ermittlungen von Polizei und Justiz.

Familienvater konnte die Flammen rechtzeitig löschen

Die beiden Töchter Jasmina (5) und Mariam (2) sowie Sohn Mohamed (4) sind noch immer verängstigt. In der ersten Nacht war an Schlaf nicht zu denken. Der Qualm und die Besuche von Feuerwehr und Polizei hatte die Kinder in große Aufregung versetzt. Dass es nicht zur Katastrophe kam, ist ihrer Mutter Madina zu verdanken. Sie hatte den Brandgeruch bemerkt und sofort ihren Mann im Garten alarmiert. Ihm gelang es, die Flammen, die bereits den Türrahmen und das Türblatt erfasst hatten, zu löschen. Die anrollende Berufsfeuerwehr musste nicht mehr eingreifen. Verletzt wurde in dem Mietshaus der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Wobra niemand.

Polizei ermittelt wegen schwerer Brandstiftung

Die Polizei hat bislang keine Hinweise auf die Täter, sie ermittelt nicht wegen versuchten Mordes, sondern wegen schwerer Brandstiftung. Polizeisprecherin Jana Birnbaum berichtet, dass die als Brandsatz genutzte Zeitung sowie Rückstände einer Substanz gesichert wurden und die Polizei nun untersucht, ob ein Brandbeschleuniger verwendet wurde. Die Ermittlungen zu dem Brandanschlag hat das Staatsschutzkommissariat übernommen. Bislang gibt es keine Hinweise auf Täter und Motiv. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund könne nicht ausgeschlossen, aber auch nicht bestätigt werden, so Birnbaum.

Familie will wieder einen normalen Alltag

Von der Landesregierung erwartet Brandenburgs Oberbürgermeisterin Tiemann, dass sie „den weiteren Stellenabbau bei der Polizei überdenkt und den besorgniserregenden Entwicklungen anpasst“. Innenstaatssekretär Matthias Kahl versicherte, dass die Polizei alles daran setzen werde, den oder die Täter zu ermitteln.

Familie Tsychuer versucht indes Normalität in ihren Alltag zu bringen. Schon der Kinder wegen. Einfach ist das nicht. Doch die Geschwister Jasmina und Mohamed gehen wieder in die Kita und Vater Ibragim beackert seine Parzelle.

Serie von Angriffe auf Flüchtlinge oder Flüchtlingseinrichtungen

Der Brandanschlag vom Sonnabend war nicht der einzige auf Flüchtlinge oder Flüchtlingseinrichtungen. In den vergangenen Tagen ist es immer wieder zu Übergriffen gekommen. In Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) wurde etwa ein Ausländertreff mit Steinen beworfen. In Dresden sorgten Rechtsextreme für Ausschreitungen vor einer Flüchtlingseinrichtung.

Einen Überblick gibt es hier.

Von Jürgen Lauterbach

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