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Abschied von der Buga in der Havelregion

Zauberhafte Nachbarschaft Abschied von der Buga in der Havelregion

Eine blühende Bundesgartenschau hat nicht jeder Brandenburger direkt vor dem Balkon. Das kann morgens manchmal etwas nervig sein, meistens ist es jedoch idyllisch und spannend. MAZ-Reporter André Wirsing wohnt in Brandenburg an der Havel mit direktem Blick auf das Packhof-Gelände und schildert hier seinen Erlebnisbericht.

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Selfie vor dem malerischen Buga-Hintergrund.

Quelle: André Wirsing

Brandenburg an der Havel. Schon vorbei? Gab es nicht Tage, an denen ich mir heimlich gewünscht habe, schön wäre es, wenn’s wieder ruhiger würde? Besonders morgens um 5.30 Uhr, wenn die Thüringer Jungs von Fichter-Galabau aus Magdala ihre Rasenmäher und Kantenschneider anwarfen und mir den Schlaf raubten. Offiziell durften sie erst ab 6 Uhr oder 6.30 Uhr, aber dann hätten sie die Pflege der Anlagen auf dem Packhof bis zur Öffnungszeit um 9 Uhr nicht gepackt. Am Ende haben sie es so gründlich gemacht, dass sie von der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft die große Goldmedaille bekommen haben. Und ich die gekühlte Augenkompresse, um die Spuren der zu kurzen Nächte zu beseitigen.

Ausblick bis zur Havel

Seit elf Jahren wohne ich nun in der Packhofstraße mit schönstem Blick auf das große Areal bis zur Havel. Das habe ich schon in den unterschiedlichsten Aggregatzuständen erlebt – als Schlammpark mit grünlich schillernden Pfützen, als Behelfs-Golfplatz und vor allem als Baustelle. Das war schon witzig, wenn gleich drei Vermesser sich von verschiedenen Punkten aus bemühten, den idealen Standort für einen Apfelbaum zu ermitteln. Der rote Boskoop für den „Garten Eden“ musste nämlich in eine komplett umgepflügte und aufgewühlte braune Fläche gestellt werden. Nur zu dieser Zeit war es noch möglich, bevor alle anderen Buga-Einbauten erfolgten. Diese hätten den schweren Mobilkran nicht ausgehalten. So stand er dann fast drei Monate auf einem erhöhten Erdhaufen, bevor er Gesellschaft bekam.

Wochen vor der Buga bin ich jeden Morgen 10-15 Minuten früher aus dem Haus und habe den Gartenbauern zugeschaut. Direkt hinter meinem Parkplatz entstand der Garten „Symmetrie und Unordnung“. Michael Bauer ist der geistige Vater, Planer und Erbauer. Seine Firma in Teltow zählt nur fünf Mitarbeiter und zwei Azubis. Sie alle haben mit so viel Hingabe und Liebe zum Detail gewerkelt als gelte es, die Hängenden Gärten der Semiramis in Babylon ein zweites Mal zu erschaffen. Alle wussten, dass die 10 000 Euro, die der Zweckverband pro Garten ausgab, nicht einmal zur Hälfte reichen würde. Alle waren sich bewusst, dass es auch keine Folgeaufträge von begeisterten Privatkunden geben muss.

Catering-Zelt fußt auf Europaletten

Aber alle hatten sie genug Sportsgeist, Ehrgefühl und Siegermentalität, sich unbedingt beweisen zu wollen. Bauer ist beim Planen ganz verliebt in Zirkel und Kreisschablone, dennoch wirkt sein Garten nicht artifiziell, sondern organisch. Er passt wunderbar aufs klassische Eigenheimgrundstück, auf dem nach Hinstellen von Haus, Carport und Zuwegung noch 150 Quadratmeter zum Gestalten bleiben.

Ganz andere Gestaltungsmöglichkeiten musste das Team von Polster-Catering suchen. Nachdem sie ihr Großzelt aufgebaut hatten, schepperte die am Zeltgiebel hängende Klimaanlage so laut, dass sich die Nachbarn beschwerten. Die Lösung war so einfach, dass nur Gartenbauer darauf kommen konnten. Sie ließen 22 Europaletten kommen und stapelten sie unter dem Klimakasten, der so sicher auflag und die Vibrationen damit minimiert wurden.

Blumenpracht direkt vor der Tür

Dann kam der Eröffnungstag immer näher, ich hatte dem Zweckverband angeboten, ein Buga-Werbeschild auf meinem Balkon zu befestigen. Ungläubige Blicke bei Marketingchef Matthias Ulrich, als ich versicherte, wirklich keine Miete dafür zu wollen. Also gab ich es ihm schriftlich – per SMS. Auf meinem Balkon habe ich auch die Sonnenblumen gezogen, die zuvor in Ton-Tabletten verschenkt worden waren. Drei von ihnen wurden auch höher als 1,50 Meter, obwohl bei mir sonst immer nur die Sukkulenten gedeihen.

Die Blumenpracht hatte ich ja unten vor der Tür. Und im Briefkasten eine Überraschung. Wenige Tage vor dem Schaubeginn hatte der Zweckverband allen Nachbarn und mir jeweils zwei Freikarten fürs „Buga-Erwachen“ am 17. April in den Kasten gesteckt. Schuld daran waren die Projektbetreuer Sonja von Weingraber und Christian Bodach. „Bevor wir sie zum 120. Gewinnspiel irgendeines Radiosenders raushauen, wollten wir uns bei den Nachbarn für die Geduld und ihr Verständnis bedanken.“ Feiner Zug. Es war ja im Wesentlichen eine friedliche Koexistenz. Die Anwohner behielten trotz der benachbarten Buga-Logistikflächen ihre Parkplätze. Fremde fanden die unwirtlich anmutende Einfahrt zum Glück nicht.

Und am Abend war es einfach nur idyllisch, auf die schönen Flächen zu schauen mit den letzten flanierenden Gästen. Und die 25 Rasensprenger, Regner und Sprühnebelkanonen – versorgt mit feinem Havelwasser über eine Acht-Bar-Hochdruckpumpe – sorgten für ein beruhigendes einschläferndes Schnattern, das man mit in den Schlaf nahm. Bis morgens die Rasenmäher aufheulten. Ich werde beides sehr vermissen.

Von André Wirsing

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