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Abt Sibold ist wieder in Not

Lehnin: 500 Jahre altes Gemälde muss saniert werden Abt Sibold ist wieder in Not

Der erste Lehniner Abt Sibold ist in Not. Das Gemälde im Westchor der Lehniner Klosterkirche mit der Legende von Sibolds Erschlagung durch heidnische Wenden ist in seinem Bestand akut gefährdet. Farbschichten lösen sich, drohen abzufallen. Der Holzwurm hat sein zerstörerisches Werk verrichtet. Nun werden Spender für eine dringen nötige Sanierung gesucht.

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Restaurator Roland Enge begutachtet den Zustand des Gemäldes.

Quelle: Diakonissenhaus

Lehnin. Seit dieser Woche ist das um 1520 von einem unbekannten Künstler mit Tempera auf Nadelholz gemalte Bild abgehängt und es konnte mit der Notkonservierung begonnen werden. Für eine umfassende Restaurierung, die zirka 11.000 Euro kosten würde, fehlt allerdings das Geld.

„Obwohl gesammelt wird, können das Evangelische Diakonissenhaus, die Lehniner Kirchengemeinde und die Stiftsgemeinde diese Summe allein nicht aufbringen“, sagt Klostermuseumsleiter Stefan Beier. Damit dieses unwiederbringliche Kulturgut für weitere Jahrhunderte erhalten bleibt, wären Spenden sehr hilfreich.

Summe allein nicht aufzubringen

„Das Gemälde gehört zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen aus der Zisterzienser-Zeit“, hebt Beier die Bedeutung hervor. Es stellt die Ermordung des ersten Lehniner Abtes im Jahr 1190 dar. Die Tat ist historisch allerdings nicht belegt. Der Legende nach wollte sich Sibold bei Nahmitz in einem Fischerhaus ausruhen. Die Hausherrin schaffte es nicht mehr zu fliehen und versteckte sich unter einem Backtrog. Als die heidnischen Fischer, die ihren Weibern und Kindern den Umgang mit den Mönchen strengstens verboten hatten, hörten, dass der Abt auf der Mutter sitze, entlud sich ihr Groll. Sie kappten die Eiche, auf die der Würdenträger geflüchtet war, und erschlugen ihn. Ein verlorener Schlüsselbund hatte ihn verraten.

Legende von der Ermordung

In jedem märkischen Sagenbuch findet sich die Legende von der Erschlagung des ersten Lehniner Abtes.

Danach kam Abt Sibold auf dem Rückweg von Prützke zum Kloster durch Nahmitz. Die Kinder sahen ihn und riefen: „Der Abt kömmt!“. Die Frauen versteckten sich. Die Frau aber, in deren Hause der Abt einkehrte, kroch unter den Backtrog.

Unwissend setzte sich der Abt auf den umgedrehten Trog. Die Kinder sahen es, liefen zu ihrem Vater und berichteten, dass der Abt auf der Mutter sitze.

Er und die anderen Männer stürmten wutentbrannt ins Dorf. Der Abt floh, kam aber nicht weit und suchte auf einer Eiche sein Heil. Die Nahmitzer fällten den Baum und erschlugen den ersten Lehniner Abt.

„Baugeschichtlich ist die auf dem Gemälde abgebildete relativ realistische Darstellung der Lehner Klosteranlage interessant, die bei ihrer Restaurierung 1871 bis 1877 herangezogen wurde“, sagt Beier. Seitdem hängt dieses Bild vermutlich im Westchor. Ein zweites um 1470 entstandenes Original, das die gleiche Legende mit ähnlichen Szenen zeigt, hat seit der Eröffnung 2005 seinen neuen Platz im Zisterziensermuseum gefunden und war 2013 als Leihgabe in Paderborn ausgestellt.

Dringend verbesserungswürdig

„Ursprünglich sollte damals diese fast 500 Jahre alte Darstellung auf Reisen gehen, aber es hatten sich große Blasen gebildet“, weiß Roland Enge. Der Diplom-Restaurator aus Berlin hat inzwischen damit begonnen, die Farbschichten und das vom Wurm zerfressene Holz zu festigen. Weiteres Problem: Die Schmuckrahmen und Stützleisten des Bildes sperren die Bewegung der bemalten Holzbretter , so dass dadurch Spannungen entstehen, wodurch sich die Farbe löst und Blasen wirft. Aus Sicht des Experten müsste daher auch das holztechnische Gefüge dringend verbessert werden. Doch für eine umfassende Restaurierung fehlt bisher das Geld.

Kontakt

Stefan Beier unter 03382/768842 oder unter stefan.beier@diakonissenhaus.de

Auf diesem Sibold-Gemälde, auf dem außerdem eine Marienerscheinung und unterhalb des Klosters der Stifter Markgraf Otto I. zu sehen sind, hat es laut Enge im Laufe der Zeit einige Übermalungen gegeben. Die letzten vermutlich Mitte des 20. Jahrhunderts. „Die noch original erhaltenen Stellen sind von hoher Qualität und durchaus mit der Cranach-Schule vergleichbar“, so der Restaurator.

Von Claudia Nack

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