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Abwasser-„Duftstoffe“ werden aufgefressen

Brawag baut Geruchsschutzanlagen am Hauptpumpwerk ein Abwasser-„Duftstoffe“ werden aufgefressen

Die Brandenburger Wasser- und Abwassergesellschaf baut neue Geruchsschutzanlagen am Hauptpumpwerk ein. Das Bauwerk stammt aus den späten 1960er-Jahren, die Brawag hat es in den vergangenen Jahren immer wieder schrittweise saniert. Nun ist der sonst so intensive Geruch weg - jedenfalls fast.

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Friederike Schallehn und Harm Schenk vor dem neuen Tonnenfilter im Brawag-Hauptpumpwerk.

Quelle: A. Wirsing

Brandenburg an der Havel. Wundersame Dinge spielen sich rings um das große Mischwasserbecken der Brawag ab: Der sonst so intensive Geruch ist weg – so gut wie. Weil in der Altstadt Regenwasser und Abwasser durchs selbe Rohr fließen, kann an Regentagen nicht die gesamte Menge Mischwasser auf einmal zum Klärwerk nach Briest gepumpt werden – das große Becken mit 2500 Kubikmetern Fassungsvermögen dient als Zwischenspeicher.

Das Bauwerk stammt aus den späten 1960er-Jahren, die Brawag hat es in den vergangenen Jahren immer wieder schrittweise saniert, weil ein „Aufbohren“ der Leitung nach Briest ebenso unbezahlbar ist wie das Trennen der Rohrsysteme im Netz.

„Das Thema Geruch stand immer auf unserer Tagesordnung, durch ein Kombinieren verschiedener Maßnahmen haben wir ihn immer weiter eingedämmt“, sagt Brawag-Technikchef Harm Schenk.
Der Sammelschacht vor dem Hauptpumpwerk, wo drei große Leitungen ankommen, wurde abgedeckt, Regenwassereinläufe bekamen Geruchsverschlüsse mit Siphons.

Spektakulärer sind die seit einigen Monaten eingebauten „Desinfinatoren“ – unscheinbare graue Metallkästen mit großer Wirkung. Die genaue Wirkungsweise behält der finnische Erfinder als Patent für sich. Grob lässt sich die Funktion so beschreiben: Frische Luft aus der Umgebung wird angesaugt, erwärmt, die Moleküle elektrisch und mit UV-Licht gespalten, als „Radikale“ (Molekülbruchstücke) direkt über das Mischwasser geleitet, dort oxydieren sie mit den „Geruchsträgern“ Schwefelwasserstoff (H2S), Methan (CH4) und Ammoniak (NH3). Diese werden faktisch neutralisiert. Für die Brawag ist vor allem der Schwefelwasserstoff interessant, die anderen Stoffe entstehen erst bei den Faulprozessen.

Zwischenspeicher

10.000 Kubikmeter Abwasser fallen an sonnigen Tagen in der Stadt an, bis zu 33000 Kubikmeter an Regentagen.
45 Prozent davon werden über das Pumpwerk Bauhofstraße zur Kläranlage Briest geleitet.
2500 Kubikmeter Fassungsvermögen hat das Zwischenspeicherbecken.
Durchschnittlich 5000 Kubikmeter – verteilt über mehrere Regentage – werden im Jahresdurchschnitt zeitweise hier gepuffert.

„Es funktioniert, wir haben es jetzt ein paar Monate lang gemessen“, sagt Abwasserexpertin Friederike Schallehn. Alle Gaskonzentrationen werden einzeln erfasst. Komplexe Geruchsmessgeräte sind schlicht zu teuer und zu unpraktikabel, weil sie an jedem Einsatzort neu kalibriert werden müssen. Die Desinfinatoren werden nur einmal im Jahr gewartet.

Das Unternehmen habe die Geräte auch nicht auf gut Glück gekauft, sondern sie vorerst gemietet und über längere Zeit getestet. Erst als über Monate hinweg die Messwerte konstant niedrig waren, überwies die Brawag den Kaufpreis von rund 25.000 Euro.

Ebenso teuer ist ein so genannter Tonnenfilter: Weil im Hauptpumpwerk die Luft stetig zirkulieren muss, wird die nach außen geleitete Abluft durch zwei Granulatschichten in verschiedener Körnung gedrückt. Die Masse sieht aus wie das Granulat einer Hydrokultur, wirkt aber wie ein Aktivkohlefilter.

Von André Wirsing

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