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Ach, war das wieder schön

21. Jazzfest in Brandenburg/Havel Ach, war das wieder schön

21 Jahre gibt es nun schon das Jazzfest rings um das Altstädtische Rathaus in Brandenburg an der Havel. Zwar ist alles im Laufe der Jahre etwas kleiner geworden, dafür aber auch viel feiner – mit einem großen Repertoire.

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Laute und leise, vor allem internationale Töne gab es wieder zum Jazzfest.

Quelle: Jacqueline Steiner

Brandenburg/H. „Je mehr von diesem leckeren Saft, genannt Bier, hier fließt, desto lauter müssen wir spielen. Wir spielen aber lieber leise,“ stellt Volker Schlott von den „Fun Horns“ auf der Lions-Bühne im Hof der Stadtverwaltung fest. Die vier Fun Horns sind eine kleine, feine Band von Blechbläsern, die mit ihren Instrumenten kunstvollen Jazz spielen. Dabei kommt es im Detail auf jeden Ton an, denn sie liefern den natürlichen Sound ohne elektronische Tricks.

Viel Musik

Viel Musik.

Quelle: Ann Brünink

Mit Titeln wie „Footprints“ oder „Dancing Butterflies“ beweisen sie, dass nicht nur Aufzeichnungen im Tonstudio perfekt geraten, sondern dass auch Livemusik äußerst präzise und anspruchsvoll klingen kann. Die vier Musiker von Fun Horns, die dieses Jahr – man glaubt es kaum - ihr 30-jähriges Gründungsjubiläum feiern, sind zweifellos eine Bereicherung für das 21. Jazzfest „Swinging Brandenburg“, das am Wochenende bei traumhaft schönem Openair-Wetter in der Innenstadt stattgefunden hat.. Auf der kleineren Bühne im Hof des Bäckerhauses wäre die subtile Musik der Fun Horns und auch ihr Witz möglicherweise noch besser zur Geltung gekommen.

Programm auf der Lions-Bühne

Programm auf der Lions-Bühne.

Quelle: Ann Brünink

„Polyversal Souls“ heißt die Gruppe und ihre sieben oder acht Musiker hätten schon rein zahlenmäßig gut auf die große Lions-Bühne gepasst. „Wir sind zum ersten Mal in Brandenburg und finden die Stadt wunderschön“, erzählt Schlagzeuger und Komponist Max Weissenfeldt, der die Mitglieder der Band in der ganzen Welt gesammelt hat.

Eindringliche Klänge

Eindringliche Klänge.

Quelle: Jacqueline Steiner

Und so speist sich die Musik aus äthiopischen, westafrikanischen, karibischen und asiatischen Wurzeln, die US-amerikanischen und ganz besonders die europäischen Wurzeln des Funk und Soul nicht zu vergessen. „Musik hilft, Grenzen zu überschreiten“, ist Weissenfeldt überzeugt. Die Musik ist spannend, die Rhythmen sind fetzig und herausfordernd, man merkt den Musikern ihre Spielfreude an, der Funke springt über. Und die indische Sängerin Bajka ist nicht nur eine Augenweide, sie hat vor allem eine wirklich tolle soulige Stimme und rundet den Auftritt ihrer wilden Musikerkollegen ab..

Ein Highlight der ganz besonderen Art war der Auftritt des Pianisten und Komponisten David Helbock mit seinem Trio. Der virtuose Pianist präsentierte gemeinsam mit Herbert Pirker am Schlagzeug und Raphael Preuschl an der Bassukulele anspruchsvolle, dynamische Eigenkompositionen mit Hintergrund. So hat eine Komposition die persische Schöpfungsgeschichte zum Thema, wo Gott den Menschen nur mit einem Trick beseelen konnte, weil die Seele nicht in einem Körper eingesperrt sein wollte.

Gut behütet und toll gespielt

Gut behütet und toll gespielt.

Quelle: Jacqueline Steiner

Eine andere Komposition bezog sich auf die griechische Mythologie und handelte vom Liebesgott Eros. Dazu passend wird die Bühne rot angestrahlt. Doch zunächst hat Eros den Pianisten wohl mit einem Pfeil mit Bleispitze beschossen, so bleischwer und gewichtig klingt die Musik zu Beginn. Helbrock und seine Musiker begeisterten mit virtuosem Spiel. Emotional mitreißend war ihre Musik eher nicht, sondern im besten Sinne akademisch..

Da schmunzelt er

Da schmunzelt er.

Quelle: Jacqueline Steiner

Das war beim Hiltawsky Quartett, das im Hof des Bürgerhauses in der Bäckerstraße auftrat, ganz anders. Die Eigenkompostionen von Bandleader und Schlagzeuger Christian Hiltawsky waren frech und freakig, fielen aus dem Rahmen und kriegten sich auch wieder ein. Manche blieben namenlos, weil der Komponist die Titel nicht aussprechen konnte. Doch ein mitreißendes Schlagzeugsolo von Hiltawsky, dazu ein romantisches Gitarrensolo von Achim Ribbentrop, während Samuel Hudson mit dem Saxophon spannende Geschichten beisteuerte, die Felix Jakobi am Bass untermalt hat, sprachen für sich. „In-ten-si-ty“ habe der Titel des Stückes geheißen, radebrechte Hiltawsky anschließend. Ja, passt.

Großes Programm auf der Bühne am Rathaus

Großes Programm auf der Bühne am Rathaus.

Quelle: Jacqueline Steiner

„Jazz, Lyrik, Prosa“ heißt das legendäre Programm, mit dem schon Manfred Krug und Wolf Biermann in den frühen 1960er Jahren viel Erfolg hatten. Seit einigen Jahren haben Harald Arnold und der Pianist Matthias Hessel diese Tradition fortgeführt, so auch dieses Jahr. Mit einem herzerfrischenden Programm – Arnold las Texte von Tucholsky, Bernd Philipp und Mozart, sowie Lyrik unter anderem von Heinz Erhardt und Mascha Kaleko und Hessler erfreute mit Jazzstandards wie „Take Five“ oder „Georgia on my mind“, aber auch die Jazz-Etuden, die er für seine Schüler zusammen gestellt hat, klangen anspruchsvoll und spannend – eröffneten sie auch dieses Jahr wieder „Swinging Brandenburg“.

Von Ann Brünink

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