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Brandenburg/Havel Adieu, Brandenburg!
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15:41 16.10.2015
Acht Wandergesellen begleiteten Aspirant Halka (5.v.l.) und dessen „Losbringgeselle“ Julian (4.v.l.) auf den ersten Kilometern der Walz. Quelle: Josefine Sack
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Brandenburg/H

Zehn Wandergesellen auf einen Schlag sieht man in der Havelstadt nicht alle Tage. Die Schar in traditioneller Handwerkerkluft – darunter Tischler, Schreiner, Zimmerer, Bildhauer, Gerüstbauer, Seiler und Bäcker – war am Donnerstagvormittag nicht zu übersehen, als sie zum Frühstück ins „Coffee Corner“ in der Steinstraße einkehrte.

Bei dem Treffen in Brandenburg an der Havel handelte es sich jedoch nicht um das sogenannte „Aufklopfen“, einer regelmäßigen Zusammenkunft zwischen den Wandergesellen und den bereits einheimischen Gesellen. Die Wanderer hatten am Montag den Aspiranten – so nennt man einen jungen Gesellen, der auf die Walz gebracht werden möchte – Halka (26) aus seiner Heimatstadt Potsdam zur Wanderschaft abgeholt und ihn die ersten 40 Kilometer auf seiner Reise in Richtung Westen begleitet. Eine nette Geste, schließlich wandert es sich in der Gruppe besser als allein. Doch auch künftig wird der junge Zimmerergeselle nicht allein wandern. Als „Losbringgeselle“ steht ihm in den kommenden Wochen der erfahrene Schweizer Zimmerer Julian (28) zur Seite. Mehr als zwei Jahre ist er schon unterwegs.

Freiwillig auf dreijähriger Wanderschaft

Galt die Wanderschaft früher noch als Voraussetzung für die Zulassung zur Meisterprüfung, ist es heute jedem Gesellen freigestellt, ob er sich auf die Walz begibt.

Julian zog es hinaus in die Welt: Er wanderte durch die Schweiz, nach Österreich und Deutschland, arbeitete in Spanien und in Skandinavien. Was ihn in die Ferne lockte? Neben neuen Orten, neuen Menschen auch der Wunsch, die uralte Handwerkertradition am Leben zu halten. Aus demselben Grund sucht nun auch Halka das Weite und lässt dafür sogar seine Freundin, eine Schusterin, in Potsdam zurück. „Ich habe während meiner Lehre viele kennengelernt, die sich auf die Walz begeben haben“, sagt er. Halka stammt aus Kyritz (Ostprignitz-Ruppin). Nach dem Abitur begann er zunächst ein Physik-Studium in Potsdam, merkte aber schnell, dass ihm die handwerkliche Arbeit mehr Spaß machte. Er entschied sich für eine Ausbildung zum Zimmermann. Seinen Losbringgesellen Julian hat er im Sommer auf einer Baustelle in Mecklenburg-Vorpommern kennengelernt.

Wandergesellen folgen den Regeln ihrer Zunft

Von ihm wird er in den kommenden Wochen lernen, in welchen Städten es sogenannte Buden – Gaststätten, in denen sich die Wandergesellen treffen – gibt, oder, wo er im Winter notfalls unterkommt, sollte er mal keinen warmen Schlafplatz finden. Den Gesellen ist es auf der Walz verboten, Geld für eine Unterkunft oder die Reise zu bezahlen. Darüber, wo Halka schläft, macht er sich dennoch keine Sorgen. Meistens stellen die Arbeitgeber ein Zimmer oder man kommt privat unter. Das klappt leider nicht immer. Anfang der Woche mussten die Wanderer eine Nacht im Freien verbringen – und das bei Temperaturen um die null Grad Celsius. „Wir freuen uns deshalb immer, wenn uns jemand einen Schlafplatz anbietet, erst recht im Winter“, sagt Julian.

Mehr Glück hatten die zehn Gesellen bei ihrer Ankunft in Brandenburg am Mittwochabend: Sie kamen in Gästezimmern des Pfarrhauses der Katholischen Gemeinde Heilige Dreifaltigkeit unter. Nach einer kurzen Stärkung am nächsten Tag trennte sich die Gruppe wieder. Für ganze drei Jahre und einen Tag kehrt Neuling Halka Brandenburg nun den Rücken – solange darf sich der Wandergeselle seiner Heimat nur bis auf 50 Kilometer nähern.

Freiwillig in der Verbannung

Drei Jahre und einen Tag müssen Gesellen unterwegs sein, wenn sie sich dafür entscheiden, auf Wanderschaft zu gehen.

Während der gesamten Zeit dürfen sie nicht in die Nähe ihres Heimatortes kommen. Der Bannkreis beträgt 50 Kilometer.

Alles, was Wandergesellen mitnehmen dürfen, müssen sie tragen können. Hohe Geldbeträge, Kreditkarten und Mobiltelefone sind nicht erlaubt.

Die „Kluft“ der Wandergesellen besteht aus Hut, weißer Staude (kragenloses Hemd), einer weißen Weste mit acht Knöpfen (für einen 8-Stunden-Tag), einem Jackett oder Frack mit sechs Knöpfen (6-Tage-Woche), einer Schlaghose und schwarzen Schuhen.

Einen Ohrring tragen Wandergesellen am linken Ohr – meist eine Creole oder das jeweilige Zunftzeichen.

Von Josefine Sack

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