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Brandenburg/Havel Wilderer erschießt Freund statt Wildschwein
Lokales Brandenburg/Havel Wilderer erschießt Freund statt Wildschwein
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16:47 16.04.2014
An dieser Stelle wurde das Opfer vom Schützen getroffen und starb. Quelle: Oliver Schwandt
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Brandenburg an der Havel

Adolf B. aus dem 140-Seelendorf Mahlenzien nahe Brandenburg an der Havel muss für zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Er hatte bei der Jagdwilderei seinen Freund Jürgen W. mit einem Wildschwein verwechselt und erschossen. Das Urteil des Amtsgerichts Brandenburg ist noch nicht rechtskräftig.

Der Rentner Adolf B. (73) und der Dachdecker Jürgen W. (51) lebten im gleichen Dorf, der Ältere kannte den Jüngeren von Kindesbeinen an, sie waren befreundet, haben gemeinsam Heu eingefahren, Kartoffeln geerntet, geschlachtet und Jagdpächter Andreas P. begleitet. Manchmal stellten sie auch nur zu zweit dem Wild nach, obwohl keiner von ihnen dafür den Waffenschein besitzt.

Am Abend des 24. August 2013 rächt sich das illegale Treiben mit den Flinten auf furchtbare Weise. Auf getrennten Hochsitzen beziehen die Wilderer-Freunde vergebens Stellung. Weil sich kein Tier zeigt, ruft Adolf B. seinen Freund eigenen Angaben zufolge um 22.47 Uhr an und erklärt die Jagd für beendet. Er habe darauf vertraut, dass sein Freund den üblichen Weg an der Buckau zum Auto nimmt, um ihn damit abzuholen, lässt er das Schöffengericht wissen. Doch Jürgen W. geht über das abgeerntete Rapsfeld auf Adolf B. zu. Der herzkranke, frisch am Auge operierte, sehschwache und hörgeschädigte Rentner hört etwas, greift zur Schrotflinte, drückt zweimal ab. Er hört ein „Klagen“, denkt, es sei ein kleines Wildschwein. Er lädt die Waffe nach und schießt ein drittes Mal. Danach hört er die schwache Stimme seines Freundes: „Ach Adolf“. Der alte Mann antwortet: „Mensch, Jürgen, warum läufst du ohne Licht?“, steigt vom Hochsitz hinab und sieht den Freund, der 43 Meter entfernt leblos auf dem Feld liegt. Die Lunge ist zerfetzt. Der Schütze fühlt keinen Puls mehr. Statt sofort einen Notruf abzusetzen, holt er das Auto des Freundes und klingelt dann den Jagdpächter aus dem Bett. Ehe der eintrifft und den Notruf veranlasst, vergeht wieder Zeit.

Adolf B. kann oder will im Gericht nicht erklären, wie er einen erwachsenen Mann mit einem 80 Zentimeter kleinen Frischling verwechseln konnte. Amtsrichterin Susanne Götsche hält ihm vielfaches Versagen vor. Er jagte, obwohl er das nicht durfte und er nicht einmal in einer so klaren Nacht gut genug sehen konnte. Er schoss, obwohl er die Jagd selbst für beendet erklärt haben will. Er drückte dreimal ab, ohne ein Tier zu sehen. Er war weder mit Fernglas noch mit Zielfernrohr und Taschenlampe ausgerüstet. Er benutzte 7,5 Millimeter große Schrotkugeln, obwohl sie für die Jagd in Deutschland verboten sind. Und er holte nicht sofort Hilfe.

Adolf B. äußert vor Gericht Reue und entschuldigt sich erneut bei den Hinterbliebenen. Die meiste Zeit geht er ihrem Anblick aus dem Weg, dreht ihnen den Rücken zu. Verteidiger Mario Schink fordert eine Bewährungsstrafe. Er verweist auf das tiefe Bedauern, die freiwilligen Wiedergutmachung von 50 Euro, die Adolf B. monatlich von 850 Euro aufbringt, und die positiven Prognose des Rentners, der nie wieder zu einer Waffe greifen werde.

Der Frieden im Dorf ist nachhaltig gestört. Das Opfer hinterlässt Ehefrau und Kinder. Soweit bekannt, geht es der Witwe sehr schlecht, verzeihen die Hinterbliebenen dem Todesschützen nicht. Nachbarn sind sie geblieben im 140-Seelen-Dorf Mahlenzien, wo sie einander auf engstem Raum meiden.

Von Jürgen Lauterbach

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