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Äcker nach der Ernte für Güllewagen gesperrt

Neue Düngeverordnung Äcker nach der Ernte für Güllewagen gesperrt

Brandenburgs Landwirte müssen seit diesem Jahr ihre Düngepraxis einer neuen nationalen Verordnung anpassen. Zum Wohle der Umwelt und des Grundwassers gelten verschärfte Sperrfristen und Obergrenzen. Die Umstellung fällt nicht allen Bauern leicht. Vor allem werden mehr Lagerkapazitäten gebraucht.

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Gülle gehört zur Kreislaufwirtschaft. Doch mit der neuen Düngeverordnung müssen die Bauern umdenken und Sperrfristen beachten.

Quelle: dpa

Mittelmark. Die seit Juni geltende neue Düngeverordnung stellt die Bauern im Landkreis vor neue Herausforderungen. Das wurde bei der jüngsten Vorstandssitzung des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark (KBV) deutlich. Größtes Problem: Nach der Ernte der Hauptkulturen dürfen bis zum 31. Januar keine stickstoffhaltigen Düngemittel mehr ausgebracht werden. Für Festmist beginnt die Sperrfrist am 5. Dezember. Die Sperrfrist bei Grünland wurde vom 15. auf den 1. November vorgezogen. Es gibt einige wenige Ausnahmen.

Behörde stellt sich auf mehr Kontrollen ein

Verantwortliche Behörde für die Kontrolle der Düngeverordnung ist der Fachdienst Landwirtschaft der Kreisverwaltung. Wegen der stärkeren Beschränkungen geht die Behörde davon aus, dass Tierhalter und Biogasanlagenbetreiber innerhalb geringer Übergangszeiträume erheblich in die Schaffung zusätzlicher Lagerkapazitäten investieren müssen.

Die Düngebehörde rechnet mit einem erheblichen Anstieg des Arbeitsaufkommens. 2016 hat der Fachdienst 38 Kontrollen vorgenommen. Festgestellt wurde ein Verstoß gegen die EU-Nitratrichtlinie. Dem Betrieb wurden die Agrarfördermittel um drei Prozent gekürzt.

Die ausgeweiteten Sperrfristen setzen insbesondere die Tierhalter und Betreiber von Biogasanlagen unter Druck. Größere Lagerstätten für Gülle und Gärreste müssen her. Für Landwirt Timo Wessels aus Damsdorf ein Unding: „Wir haben alle eine Betriebserlaubnis. Plötzlich brauche ich doppelt so große Lagerflächen. Die ganze Sache grenzt an Wahnsinn.“ Wegen fehlender Baukapazitäten und langer Genehmigungswege rechnet Wessels mit einer Umsetzungszeit von zwei Jahren. Doch Übergangsfristen hat der Gesetzgeber nicht vorgesehen. Wessels befürchtet daher eine Kriminalisierung der Landwirtschaft. Aber auch reine Ackerbaubetriebe sind betroffen. Sie können Abnahmeverpflichtungen nicht mehr erfüllen und müssen sich bei der Düngung an Obergrenzen halten. Der Nährstoffbedarf ist zu berechnen und den Behörden nachzuweisen.

KBV-Vorsitzender Jens Schreinicke hält nichts von einem Generalverdacht gegen die Landwirtschaft

KBV-Vorsitzender Jens Schreinicke hält nichts von einem Generalverdacht gegen die Landwirtschaft.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Die strengeren Regeln für die Düngung wurden aufgelegt, um Umweltbelastungen zu verringern. Vor allem das Grundwasser soll vor einer Überdüngung geschützt werden. Doch Thorsten Mohr, Referent für Pflanzenschutz beim Landesbauernverband, hält die undifferenzierten Vorgaben der Düngeverordnung für überzogen. „In Ländern mit hohem Tierbesatz mögen die neuen fachlichen Erfordernisse gerechtfertigt sein. Aber kein Mensch hat an Brandenburg gedacht. Die Zahl der Großvieheinheiten pro Hektar liegen bei uns deutlich unter dem Durchschnitt.“

KBV-Vorsitzender Jens Schreinicke geht davon aus, dass der gegenwärtige Tierbestand in Potsdam-Mittelmark nicht zu Problemen beim Trinkwasser führen dürfte. In der Tat gibt es bei keinem Versorger in der Region eine Überschreitung des Grenzwertes für Nitrat (MAZ berichtete). „Wir sperren uns nicht gegen Aufklärung, aber gegen eine pauschale Verurteilung der Landwirtschaft“, so KBV-Chef Schreinicke auf der jüngsten Vorstandssitzung. Für die Bad Belziger Stadtwerke berichtete Ingo Krugmann, Leiter Betrieb/Netze von den Auswirkungen der neuen Düngeverordnung für sein Unternehmen. Noch ist die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm zu Düngezwecken erlaubt. Doch die Preise für die Verbringung ziehen rasant an. Und zwar von 14,80 auf jetzt rund 35 Euro die Tonne. Eine Entwicklung, die am Ende der Bürger zahlen dürfte.

Landwirt Timo Wessels

Landwirt Timo Wessels: „Es wird nicht auf Fachleute gehört.“

Quelle: Frank Bürstenbinder

Mit dem Thema Nitrat beschäftigen sich die Bad Belziger Stadtwerke schon seit zwei Jahren. Die jüngste Analyse bescheinigt dem Trinkwasser einen Nitratanteil von weniger als 0,5 Milligramm je Liter. Der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm. „Dennoch sind wir sensibel geworden“, so Netz-Leiter Krugmann. Grund: Ein oberflächennaher Pegelbrunnen meldete in 30 Metern Tiefe erstmals eine Grenzwertüberschreitung. Das Trinkwasser wird aus etwa 90 Metern Tiefe gewonnen. Eine hydrogeologische Untersuchung soll Klarheit über die detaillierten Anströmverhältnisse im Erdreich bringen. „Das Thema Nitrat wird uns verfolgen. Wird da nicht gegengesteuert, halte ich in ferner Zukunft zusätzliche Aufbereitungsstufen nicht für ausgeschlossen“, gab Netz-Leiter Krugmann zu bedenken. Bislang beschränkt sich die Aufbereitung von Trinkwasser auf die Entfernung von überschüssigem Eisen und Mangan.

Von Frank Bürstenbinder

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