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Äffchen geben todkranker Frau das Lachen zurück

ASB erfüllt letzte Wünsche Äffchen geben todkranker Frau das Lachen zurück

Manche Wünsche gehen über Nacht in Erfüllung. Das haben Jutta und René Mattusch aus Brandenburg an der Havel erfahren. Der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes hat der unheilbar kranken Frau einen unvergesslichen Nachmittag im Berliner Tierpark geschenkt.

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Jutta Mattusch, hier mit Bettina Radda, darf die Vari-Äffchen im Tierpark nicht nur streicheln, sondern auch füttern.

Quelle: ASB-LV Brandenburg

Brandenburg/H. Manche Wünsche gehen über Nacht in Erfüllung. Am vergangenen Freitag haben Jutta und René Mattusch aus Brandenburg/Havel erfahren, dass der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) sie am nächsten Tag abholen würde zu schönen Stunden, wie sie die unheilbar kranke Frau lange nicht erlebt hat. Die tierliebe Brandenburgerin bekam eine exklusive Extratour durch den Tierpark in Berlin-Friedrichsfelde geschenkt – Lemuren streicheln inklusive.

Ausflüge machen, lange Wanderungen unternehmen, auf Reisen gehen: Was Jutta Mattusch (64) einmal lieb und teuer war, kann sie aufgrund ihrer schweren Krankheit längst nicht mehr bewältigen. Die Brandenburgerin leidet an Amyotropher Lateralsklerose (ALS), einer seltenen, aber leider unheilbaren Krankheit, bei der die Nervenzellen, welche die Muskelbewegungen steuern, unumkehrbar und forschreitend geschädigt werden.

Eine schwere Zeit liegt hinter Jutta und ihrem Mann René Mattusch (52), die sich vor 30 Jahren bei den Brandenburger Verkehrsbetrieben kennen- und lieben gelernt hatten. Die Krankheit blieb sechs Jahre lang unaufgeklärt. Jutta Mattusch litt bis zur Diagnose vor einem Jahr an etwas Unerklärlichem, und das nahm ihr jeden Antrieb, machte sie immer schwächer.

René und Jutta Mattusch im Hospiz

René und Jutta Mattusch im Hospiz.

Quelle: Jürgen Lauterbach

Es war der Ehemann, der vor einigen Wochen auf den Wünschewagen aufmerksam wurde, mit dem der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) im Land Brandenburg schwerst kranken und daher oft verzweifelten Menschen unbürokratisch Stunden der Lebensfreude schenkt. So wie Jutta Mattusch, die im vergangenen halben Jahr stark abgebaut hat, aber Tiere unheimlich mag, früher selbst einen Hund hielt und sich insgeheim wünschte, ein Tigerbaby zu streicheln.

René Mattusch kennt die Vorlieben seiner Frau natürlich, surfte im Internet, fasste sich ein Herz und rief an bei Marco Roscher, dem Verantwortlichen des Ehrenamtsprojekts „Der Wünschewagen – letzte Wünsche wagen“ beim ASB-Landesverband Brandenburg (s. Info-Kasten). Der Anrufer stieß auf offene Ohren, am Samstag öffneten sich die Wagentüren für das Ehepaar aus Brandenburg/Havel zu einer Fahrt mit unbekanntem Ziel.

Spender und Ehrenamtler machen es möglich

Der Wünschewagen des ASB-Landesverbandes Brandenburg erfüllt letzte Lebenswünsche schwerstkranker Menschen jeden Alters. Dies geschieht für diese Menschen und ihre Angehörigen kostenlos.

Möglich wir der Wünschewagen, weil sich Spender und ehrenamtliche Helfer dafür engagieren.

In Brandenburg gibt es den Wünschewagen seit dem Brandenburgtag am 3. September 2016. Vorbilder sind die ASB-Wünschewagen in anderen Bundesländern. Die Idee stammt ursprünglich aus den Niederlanden.

Elf Wünschefahrten hat der ASB Brandenburg bisher organisiert, berichtet Pressesprecherin Cindy Schönknecht. Sie führten unter anderem an die Nord- und die Ostsee und in einem Fall in den Frankenwald, wo ein 47 Jahre alter Mann noch einmal auf seiner Bank sitzen und auf sein Tal blicken wollte.

Eine Wünschefahrt ist an zwei Bedingungen geknüpft: Ein Arzt muss grünes Licht dafür geben und es muss eine Patientenverfügung vorliegen.

Schwerstkranke Menschen und ihre Angehörigen können sich wegen einer Wünschefahrt an den ASB wenden.

Der Wünschewagen des ASB-Landesverbandes Brandenburg ist erreichbar unter 0 3 31 / 6 20 53 66 oder per E-Mail: wuenschewagen@asb-lv-bbg.de. Projektkoordinator ist Marco Roscher, 0 3 31 / 6 20 53 62. Weitere Informationen sind im Internet zu finden: http://www.asb-lv-bbg.de/de/wuenschewagen/der-brandenburger-wuenschewagen/.

Am Tierpark in Berlin nahm Zootierarzt Günter Strauß die in der Altstadt aufgewachsene Frau und ihre Begleiter in Empfang. Der Wagen durfte durch die Wege des Tierparks fahren, um die kranke Hauptperson zu schonen. An mehren Stationen stieg sie aus, wurde also in den Rollstuhl gesetzt, um zunächst die Alpakas streicheln zu könne.

Wenig später schaute die Wünschewagen-Gruppe im Wald der Vari-Äffchen vorbei. Die Tiere durfte der besondere Gast nicht nur streicheln, sondern ausnahmsweise auch füttern. Beim Anblick der gefräßigen Lemuren konnte Jutta Mattusch nicht anders als lachen.

Auch an die Alpakas kam Jutta Mattusch ganz nah ran

Auch an die Alpakas kam Jutta Mattusch ganz nah ran.

Quelle: ASB-LV Brandenburg

Die Rundreise durch die Welt der Nashörner, Elefanten und anderen wilden Tiere endete dort wo sonst niemand Zoofremdes hinkommt, also bei der Tigern in den Katakomben. Dort wo die Raubkatzen in ihren Nachtboxen auf einen Besuch aus Brandenburg gar nicht eingerichtet waren. Das Futter, das Jutta Mattusch durch den Käfig reichte, nahm Armurtiger Darius (10) gleichwohl gern entgegen. Streicheln war allerdings nicht möglich, es gibt gerade keinen Nachwuchs.

„Es war wunderschön, ich habe wieder gelacht und endlich einmal alles andere vergessen“, erzählt die Tierfreundin, die seit dem 28. April im Brandenburger Hospiz lebt. Sie hat nicht nur die Tiere genossen, sondern auch die Menschen um sich herum, vorneweg Marco Roscher, Bettina „Betty“ Radda, Rettungssanitäterin beim ASB in Rathenow, und Fahrer Stefan Grund. Auch ein Kamerateam des Fernsehsenders Arte war mitgekommen.

„Jeder hat mich zum Abschied herzlich gedrückt, Betty sogar fünfmal“, erzählt eine gerührte Wünschewagenausflüglerin. Sie und ihr Mann empfehlen das ASB-Projekt vorbehaltlos weiter. „So etwas Tolles sollte jeder in einer so schlimmen Lage genießen dürfen“, findet René Mattusch. „Nein“, stimmt seine Frau ehrlich zu, „da konnte man wirklich nicht meckern.“

Von Jürgen Lauterbach

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