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Ärzteausbildung mit Braten und Olive

Brandenburg an der Havel Ärzteausbildung mit Braten und Olive

Nur selten kümmern sich zehn Ärzte um Karl Kraft (55, Name geändert) und dessen kranke Niere. Der Patient des städtischen Klinikums in Brandenburg/Havel erlebte in den vergangenen Tagen eine solche Sonderbehandlung. Chefurologe Thomas Enzmann und andere Spezialisten schulten 32 Ärzte aus ganz Deutschland. Dabei halfen ein Stück Braten und eine Olive.

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Alexander Fehr aus Magdeburg fahndet in der praktischen Übung mit der Ultraschallsonde nach der Olive im Braten.

Quelle: hscu

Brandenburg/H. Äußerst selten kümmern sich zehn Ärzte gleichzeitig um Karl Kraft (55, Name geändert) und dessen kranke Niere. Der Patient des städtischen Klinikum in Brandenburg/Havel erlebte in den vergangenen vier Tagen wie knapp 30 weitere Patienten eine solche Sonderbehandlung. Chefurologe Thomas Enzmann und andere Spezialisten schulten 32 Ärzte aus ganz Deutschland, die sich in der Facharztausbildung befinden, in Ultraschalltechniken.

Thomas Enzmann ist es als Professor der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) gewohnt, angehende Ärzte auszubilden. Er unterrichtet gern und wendet ebenso gern auch ungewohnte Methoden an, um die bisweilen trockene Materie anschaulich zu machen. So auch beim Uro-Sonographie-Grundkurs der Akademie der Deutschen Urologen in Brandenburg/Havel. Sonographie ist besser bekannt als Ultraschall und „Ultraschall ist für den Urologen was das Stethoskop für den Allgemeinarzt ist, erklärt Thomas Enzmann.

Ultraschall live: Jeder darf mal zustechen auf dem Behandlungstisch des Untersuchungszimmers. Dort liegt natürlich kein Mensch. Der Chefurologe überrascht die angehenden Fachkollegen mit einem vakuumverpackten Stück Schweinefleisch. In dem Braten hat er eine Olive verstecken lassen, die es gilt ultraschalltechnisch aufzuspüren.

Hintergrund

Thomas Enzmann (62) gehört zu den Chefärzten im städtischen Klinikum Brandenburg, die nicht nur klinisch tätig sind, sondern daneben jüngere Ärzte und Studenten fort- und ausbilden. Enzmann ist Professor an der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) und unterrichtet zudem Medizininformatik-Studenten der Technischen Hochschule Brandenburg (THB).

Im Brandenburger Krankenhaus leitet Enzmann die Klinik für Urologie und Kinderurologie mit 28 Betten und das Prostatazentrum.

Die Klinik wurde vom Gesundheitsministerium des Landes als Weiterbildungsstätte zugelassen.

Tabea Kohl und Alexander Fehr, beide Assistenzärzte in der Magdeburger Uniklinik, stöbern zunächst mit der Ultraschallsonde die versteckte Frucht auf, um anschließend die Biopsienadel durch die Folie in das Fleisch zu bohren. Die Übung ist natürlich kein Selbstzweck. Vielmehr sollen die Mediziner lernen, Karzinome aufzuspüren, also von Krebs befallene Organe fachgerecht zu untersuchen und den richtigen Befund herauszuarbeiten. Das entnommene Stück von der Olive wäre im klinischen Ernstfall eine Probe des von Krebs befallenen Gewebes.

Vier Tage lang haben Spezialisten verschiedener Fachdisziplinen des Brandenburger Klinikums in einer Art Crashkurs 32 angehende Urologen aus Regensburg, Ingolstadt, Aachen, Koblenz, Magdeburg, Berlin, Eberswalde und anderen Städte in Theorie und Praxis fitter gemacht – keine Anfänger, sondern bereits approbierte Ärzte, die im Arbeitsleben stehen.

Leibhaftige Patienten hatten sich bereit gefunden, sich umgeben von lauter weißen Kitteln untersuchen zu lassen. Anschließend diskutierten die Ärzte die Befunde, soweit sie bereits vorlagen. Einige Messergebnis müssen erst im Labor ausgewertet werden.

Chefarzt Enzmann war besonders froh, eine Diagnosetechnik demonstrieren zu können, die selbst im Brandenburger Klinikum noch nicht zur Ausstattung gehört. Es geht dabei um die Kombination von Magnetresonanztherapie und Ultraschall. Im Klinikum wird mit beiden bildgebenenden Verfahren gearbeitet. Was noch fehlt ist das Verbindungsstück, das es ermöglicht, beide Verfahren zu koppeln und die Darstellungen zu einem Bild zu fusionieren.

Enzmann: „Dieses Ortungssystem verfeinert die Treffsicherheit, mit der wir Karzinome aufspüren.“ Das Modul, dessen Anwendung ein Ingenieur der Herstellerfirma am Wochenende beaufsichtigte, ist mit rund 60 000 Euro nicht ganz billig. Immerhin konnte durch das Gastspiel ein Patient die Vorzugsbehandlung erhalten.

Die künftigen Urologen schauten sich nicht in ihrem eigenen Fach um. Das Klinikum und seine Ärzte ermöglichten ebenso Einblicke in Ultraschallanwendungen in der Inneren Medizin, der Gefäßchirurgie, der Geburtshilfe und der Kinderheilkunde. Dass die anderen Fachdisziplinen die Urologen derart engagiert unterstützt haben, sei beileibe keine Selbstverständlichkeit, versichert der Chefarzt.

Von Jürgen Lauterbach

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