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AfD-Mann gegen freiwillige Flüchtlingshelfer

Bürgermeister-Bewerber in Kloster Lehnin AfD-Mann gegen freiwillige Flüchtlingshelfer

Wenn es nach dem AfD-Mann Falk Deuter geht, könnten die freiwilligen Flüchtlingshelfer in Kloster Lehnin zu Hause bleiben. Das „Gutmenschentum“ bringe gar nichts, erklärte der Bewerber um den Bürgermeisterposten bei einem Wahlkampfauftritt in Göhlsdorf. Gemeinschaftsunterkünfte für mehrere hundert Leute lehnt Deuter ab.

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Falk Deuter (r.) und der AfD-Landtagsabgeordnete Steffen Königer im Göhlsdorfer Gemeindezentrum.

Quelle: Jacqueline Steiner

Göhlsdorf. Fast zum Schluss ließ Falk Deuter (46) die Katze aus dem Sack. Thema: Flüchtlinge. Freiwillige Helfer seien eher kontraproduktiv. Das Gutmenschentum bringe nach seiner Erfahrung als Polizeibeamter in Berlin gar nichts. Flüchtlingsheime sollten besser unter professioneller Betreuung und Leitung stehen. Nach dieser verbalen Ohrfeige für die vielen ehrenamtlichen Männer und Frauen, die sich derzeit in Kloster Lehnin um die Integration von Kriegsflüchtlingen und Asylbewerbern bemühen, redete sich der ansonsten schüchtern wirkende AfD-Bewerber für das Bürgermeisteramt doch noch in Rage: „Jeder sollte in seiner Heimat bleiben. Denn die jungen Männer werden in Syrien gebraucht.“ Sollte er es zum Bürgermeister schaffen, werde er sich vehement gegen Gemeinschaftsunterkünfte für mehrere hunderte Leute einsetzen, so Deuter.

Mittwochabend im Göhlsdorfer Gemeindezentrum. Zu beiden Seiten sekundiert von den AfD-Landtagsabgeordneten Sven Schröder und Steffen Königer stellte sich der in Damsdorf wohnende Kandidat in drei Sätzen den höchstens 20 Gästen vor. Dann wurde erst einmal gegen weitere Windparks und für das Ende der Energiewende getrommelt. Und zwar von Michael Limburg. Der diplomierte Elektrotechniker, Buchautor und Berater der AfD in Sachen Energiepolitik. Er geißelte die hohen Strompreise für Verbraucher und die Subventionierung von Wind- und Solarstrom. Limburg sieht Arbeitsplätze gefährdet und technische Gefahren für das überforderte Stromnetz: „Wir steuern auf einen Blackout zu.“

Dass auch Kloster Lehnin in Form einer Stiftung von den Einnahmen aus Windrädern und Photovoltaikanlagen profitiert, weiß Bürgermeisterkandidat Deuter. Er sei trotzdem für ein Auslaufen der Förderung. Lieber sollten die Strompreise subventioniert werden, wie es die AfD letzte Woche im Landtag vorgeschlagen hatte. Dann hätten die Kloster Lehniner mehr Geld und könnten mit Spenden gemeinnützige Aktivitäten unterstützen, stellt sich Deuter vor.

Mit der Energiedebatte wäre es wohl weitergegangen, hätte sich nicht ein älterer Herr mokiert: „Ich bin eigentlich gekommen, um den Bürgermeisterkandidaten kennenzulernen.“ Dann gibt es die ersten Fragen. Deuter muss Farbe bekennen. Die Sprechzeiten im Rathaus würde er bis 19 Uhr verlängern. „Wer erst am Abend von der Arbeit kommt, hat sonst keine Zeit für Behördengänge.“ Nach dem Vorbild anderer Kommunen schwebt dem Damsdorfer eine Aufwandsentschädigung für Feuerwehrleute pro Einsatz vor. Durch Umschichtungen im Haushalt sollen Vereine mehr finanzielle Unterstützung erhalten. Was die Kita-Beiträge anbelangt, hält sich Deuter an die Forderung seiner Partei: „Am besten komplett abschaffen.“

Ein AfD-Bürgermeister hätte es mit seinen Ansichten schwer. In der Kloster Lehniner Gemeindevertretersitzung gibt es noch keine Mitstreiter mit dem selben Parteibuch. Dafür eine Allianz und mehrheitliche Sympathiebekundungen für den Wunschkandidaten von SPD/Freie Bürger und Bauern, Uwe Brückner. Die Linken haben ihren eigenen Kandidaten. Deuter würde wohl eine fraktionsübergreifende Kälte erleben, wie auf einem plötzlich im Klostersee auftauchenden Eisberg.

Von Frank Bürstenbinder

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