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Akkordeon ohne Shanty-Musik

Unerhörtes in Brandenburg an der Havel Akkordeon ohne Shanty-Musik

Akkordeon ohne Shanty- und Walzermusik, dafür mit Mozart und Marcello? Ja, das geht – beweist das Akkordeonorchester Euphonia, das sein Programm auch deshalb bezeichnenderweise als „Unerhört“ benennt.

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Dirigentin Sonja Merz hat „Euphonia“ im Griff, zur Not tanzt sie auch vor.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. „Wer hätte gedacht, dass es so schön ist“, freute sich eine Konzertbesucherin in der Pause. Groß war die Überraschung der Zuhörer am Samstagabend in der Studiobühne beim Konzert des Akkordeon-Orchesters „Euphonia“. Unter dem Dirigat von Sonja Merz entstand weder Seefahrerromantik noch Musette-Walzerseligkeit. Stattdessen erklang spannende Musik der verschiedensten Genres, fantasievoll und virtuos in Szene gesetzt von den 22 Akkordeonisten und ihrer Dirigentin.

Zu seinem Auftritt in der Brandenburger Studiobühne hat sich das Akkordeonorchester als Solistin Viola Wilmsen eingeladen, sie ist Solo-Oboistin des Deutschen Sinfonie-Orchesters Berlin. Es sei ihre erste Zusammenarbeit mit „Euphonia“, verriet die Solistin. Das Ungewohnte habe sie an diesem Auftritt gereizt. In der Tat, das Konzert für Oboe und Orchester C-Dur KV 314 von Wolfgang Amadeus Mozart klang wirklich ungewohnt. Das Akkordeon gab es zu Mozarts Lebzeiten noch nicht. Doch der Komponist, der sich Zeit seines Lebens für die klanglichen Besonderheiten der einzelnen Instrumente interessiert hat, wäre vermutlich von der Vielfalt der Klangmöglichkeiten begeistert gewesen. Die Akkordeonisten spielten zurückhaltend, differenziert und sehr subtil und schufen so einen perfekten Rahmen für das Solospiel von Viola Wilmsen, das wunderbar mit den Akkordeons harmonierte.

Ein herrliches Hörerlebnis war auch die Interpretation des Konzerts für Oboe und Orchester d-Moll, das lange Zeit Antonio Vivaldi zugeschrieben worden war. Nur durch einen Zufall wurde entdeckt, dass tatsächlich Vivaldis weitaus weniger berühmter Zeitgenosse Alessandro Marcello der Urheber war. Auch hier harmonierten das Euphonia-Orchester und die Solistin Viola Wilmsen perfekt. Vor allem das Adagio gelang traumschön mit Gänsehauteffekt.

Der berühmte Kaiserwalzer von Johann Strauss auf Akkordeons gespielt? Geht das? Und wie! Es klingt nicht nur hervorragend, es klingt vor allem absolut neu. Statt Geigenschmelz im Walzertakt ließ Dirigentin Sonja Menz das Akkordeon-Orchester den Walzer sehr pointiert und straff spielen, gestattete jedoch zwischendrein eruptive Ausbrüche, die die Kraft der Musik hörbar machten, die in dieser Komposition steckt.

Neben dem akustischen Genuss lieferte Sonja Merz noch eine besondere Performence ab. Die agile Dirigentin ließ sich von den Rhythmen eines Damir Buzieta und seinem „Tango Aurora“ fortreißen und tanzte ihr Dirigat. Zwischendrein kommunizierte sie auch gestisch mit dem Publikum, wenn es voreilig klatschte, bevor ein Stück zu Ende war. Das war besonders oft nötig bei der Ballettsuite „La Boutique Fantasque“ (Der Zauberladen) von Ottorino Respighi. Seine Komposition hat viele markante Höhepunkte, die das Publikum regelmäßig als Schlusspunkt missverstand.

Der Saal kochte bereits vor Begeisterung. Doch Euphonia schaffte es mit drei Zugaben, diese Begeisterung noch zu steigern. Eine „Serenata“ erklang, mit Vogelgezwitscher-Intro trat die Oboistin mit der Filmmusik „Gabriel“s Oboe“ noch einmal auf und zum Schluss tanzte Sonja Merz den „Tango pour Claude“.ab

Von ab

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