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Aldi-Kassierer greift mehr als 50 Mal in Kasse

Urteil in Brandenburg an der Havel Aldi-Kassierer greift mehr als 50 Mal in Kasse

Mehr als 50 Mal hat ein Aldi-Kassierer in die Kasse gegriffen und den Discounter um 22.000 Euro geschädigt. Am Dienstag ist der 26-jährige Mann in Brandenburg an der Havel wegen Untreue zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Schaden ist zwar beglichen, für den 26-Jährigen Verurteilten gibt es aber noch eine wesentlich bitterere Strafe.

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An 53 Tagen griff der junge Mann in die Aldi-Kasse, an manchen Tagen mehrmals.

Quelle: dpa

Brandenburg/H. Mehr als 50 Mal hat ein Brandenburger Aldi-Kassierer in seine Kasse gegriffen und sein Unternehmen verteilt über den Zeitraum eines halben Jahres um mehr als 22.000 Euro geschädigt. Am Dienstag verurteilte das Schöffengericht den jungen Mann wegen Untreue in 53 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Das Urteil fiel so milde aus, weil die Eltern den Schaden wiedergutgemacht haben. Aber der 26-Jährige musste seine Wohnung aufgeben und zurück ins alte Kinderzimmer ziehen.

Christian B. (Name geändert) hatte einen sicheren Job. Nach seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann übernahm das Discountermarkt-Unternehmen Aldi den jungen Mann in Festanstellung. Hauptsächlich arbeitete er als Kassierer, zuletzt in der Filiale in der Geschwister-Scholl-Straße.

Die gut 1100 Euro Nettogehalt reichten Christian B. nicht für das Leben, das er führen wollte. Vor gut einem Jahr dachte er sich einen Trick aus, um in kurzer Zeit an wesentlich mehr Geld zu gelangen. Er tat so, als habe ein Kunde bereits gekaufte Ware wieder zurückgebracht. Für den Wert der fiktiven Ware, die gar nicht verkauft worden war, füllte er einen sogenannten Retourzettel mit der Summe X aus und nahm sich den Betrag bar aus seiner Kasse. Zuvor hatte er sich vergewissert, dass die interne Kontrolle an dieser Stelle lax war.

Steigerung von anfangs 10 auf am Ende 399,99 Euro

Tatsächlich lief die Masche. Christian B. begann am 2. Februar 2015 mit fingierten Waren im Wert von etwa 10, 20 oder 50 Euro und füllte entsprechende Retourscheine aus. Als er merkte, dass niemandem etwas auffiel, steigerte der junge Mann die Summen, reichte Retourscheine über 100 Euro und mehr ein. Als er auch damit durchkam, legte er noch ein paar Schippen drauf. Kurz bevor er aufflog, war er bei Summen von 399,99 Euro retour angekommen.

Ein ums andere Mal griff er im Juni und Juli 2015 seinem Retour-Trick gleich dreimal an einem einzigen Tag in seine Kasse und bereicherte sich um dreimal 399,99 Euro. Bis er am 21. Juli endlich aufflog, hatte er 53 Mal seinen Arbeitgeber um teils beträchtliche Summen erleichtert, 22 400 Euro hatte er sich mit seinen Untreue-Straftaten illegal hinzuverdient. „Warum haben Sie das getan?“, fragte Schöffenrichterin Susanne Götsche. Christian B. gestand, dass er sich ein schönes Leben machen wollte, nett in Urlaub fahren, sich mit dem Taxi von Brandenburg nach Berlin kutschieren lassen, solche Dinge.

Interne Kontrolle hat offenkundig versagt

Um den größten Teil des Schadens ausgeglichen zu bekommen, hat Aldi sich in dem geschilderten Fall auf einen Deal eingelassen. Zahlt der Angeklagte binnen einer festgesetzten Frist über die bereits geleisteten Zahlungen hinaus die vereinbarten 11 000 Euro zurück, verzichtet das Unternehmen rechtswirksam auf den Rest der Ansprüche, in diesem Fall auf etwa 3800 Euro.

Rätselhaft blieb im Strafverfahren, warum der Retour-Trick des Angeklagten trotz der am Ende hohen Summen so lange niemandem auffiel. Ein als Zeuge geladener Aldi-Mitarbeiter sagte, die Kontrollkette habe an der Stelle nicht funktioniert. Offenbar ist es so, dass ein leitender Angestellter die Retourzettel ab einer bestimmten Summe in mehrwöchigen Abständen kontrollieren soll.

Eine Inventur überstand der Angeklagte, ohne dass seine Trickserei an der Kasse festgestellt wurde.

Aufgeflogen ist Christian B., weil am Ende doch jemand bemerkte, dass die Anzahl der Retourzettel nicht mit den Angaben des Kassierers übereinstimmte.

Der junge Mann machte keinerlei Ausflüchte, nachdem er erwischt worden war. Er gestand seinem Arbeitgeber seine Missetaten und offenbarte sich auch seinen Eltern. Vater und Mutter halfen ihrem Sohn. Sie zahlten sehr schnell erst einmal 5000 Euro an Aldi zurück. Das Unternehmen behielt außerdem den Juli-Lohn des fristlos gekündigten Mitarbeiters ein und holte sich 1400 Euro, die von der Beute noch übrig waren.

Christian B.’s Verteidiger Jens Posern gewann außerdem Aldi dafür, eine zivilrechtliche Einigung zu erzielen. Bis zum gestrigen 1. März hatte die Familie B. Zeit, 11 000 Euro Wiedergutmachung zu leisten. Weil Aldi dieses Geld fristgerecht erhalten hat, verzichtet das Unternehmen auf die rechnerisch verbleibenden 3800 Euro.

Der 26-Jährige zahlt seinen Eltern 500 Euro im Monat zurück

Die Eltern, die ihrem Sohn aus der Patsche geholfen haben, sind durchaus streng, versicherte der Verteidiger vor Gericht. Sie verlangten von ihrem Sohn, dass der 26-Jährige seine Wohnung aufgibt, für zwei Jahre zurück in sein Kinderzimmer zieht und in dieser Zeit monatlich mindestens 500 Euro zurückzahlt. Das kann er schaffen, weil er inzwischen einen neuen festen Job mit ähnlichem Verdienst hat, in dem er sechs Tage in der Woche arbeitet.

Für die nächsten vier Monate kommt noch ein siebter Arbeitstag hinzu. Denn das Schöffengericht verpflichtete den zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilten jungen Mann 50 Sozialstunden in einem Pflegeheim oder im Tierheim abzuleisten. Der geständige und reuige Christian B. nahm das Urteil sofort an.

Von Jürgen Lauterbach

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