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14 Monate Haft für Gummibärchen-Raub

Alkoholiker vor Gericht 14 Monate Haft für Gummibärchen-Raub

Das Kleinhirn des Angeklagten ist durch den jahrelangen Alkoholkonsum geschrumpft. Die Fachgutachterin ist ratlos, was man nach all den gescheiterten Therapien mit Axel S. (53) noch machen soll. Das Schöffengericht schickt den Brandenburger Trinker 14 Monate ins Gefängnis. Er hatte einer Mutter die Rewe-Tüte mit Gummibärchen, Cornflakes und Pizza entrissen.

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Frisch gekaufte Gummibärchen waren in der geraubten Plastiktüte des Opfers.

Quelle: Jacqueline Steiner

Brandenburg an der Havel. Das Kleinhirn des Angeklagten ist durch den jahrelangen Alkoholkonsum inzwischen geschrumpft. Auch die psychiatrischen Fachgutachterin ist ratlos, was man nach all den gescheiterten Therapien mit Axel S. (53) noch machen soll. Das Schöffengericht hat entschieden, dass der Brandenburger Trinker 14 Monate im Gefängnis verbringen soll. Denn er hat einer Mutter die Rewe-Tüte mit Gummibärchen und Cornflakes entrissen.

Axel S. kann sich vermutlich wirklich nicht mehr erinnern, was er am 4. August 2014 vor dem Rewe-Markt in Hohenstücken getan hat. Um die Mittagsstunde steht er mit zwei Bekannten vor dem Supermarkt herum und ist vermutlich wieder betrunken. Aus dem Rewe kommt eine 34 Jahre alte Hohenstückenerin mit ihren beiden Kindern, vier und neun Jahre alt. In der einen Hand hält sie die Kleine, in der anderen die Einkaufstüte mit dem Einkauf im Wert von rund 15 Euro: Gummibärchen, Cornflakes und Tiefkühlpizza . Axel S. tritt ein paar Schritte vor und zerrt so lange an der Tüte, bis ein Henkel reißt und er sie geraubt hat.

Täter kann sich wohl nicht erinnern

Die Kumpel fordern Axel S. auf, der Frau die Tüte zurückzugeben, doch erst als ein weiterer Zeuge hinzukommt und den Einkauf zurückfordert, lässt er die Tüte fallen. Sein Opfer zeigt ihn tags darauf an. In dieser Woche steht Axel S. vor Gericht, antwortet fahrig auf Fragen und meint: „Kann ich mir nicht vorstellen, der Frau die Tasche weggerissen zu haben. Wer macht denn so viel Blödsinn?“

Im Laufe des Prozesses wird klar, dass der gelernte Schlosser die Kontrolle über sein Leben längst verloren hat. Irgendwie weiß er das sogar selbst, wenn er sagt: „Ich bin jetzt 53, ich muss doch mal vernünftig werden.“ Seit mindestens Mitte der 90-er Jahre lebt der Mann, der Grundsicherung und EU-Rente bezieht, in den Tag hinein, ohne soziale Bindung, wie Gutachterin Anja Deterding sagt. Seine Frau hatte schon etwa 1990 samt kleiner Tochter Reißaus genommen.

Seit 2003 war Axel S. 17 Mal stationär in der heutigen Asklepios-Klinik auf dem Görden, im Jahr 2014 außerdem zehnmal zur Entgiftung. Er berichtet, dass selbst die beiden Langzeittherapien, die je 60 000 Euro gekostet hätten, am Ende nichts gebracht hätten. „Wenn ich etwas zu tun habe und abgelenkt bin, trinke ich nicht“, beteuert der Angeklagte. Doch sein Problem ist, dass er nie etwas zu tun findet, außer dass er manchmal in seiner Wohnung „etwas herumpempert“.

17 Mal stationär aufgenommen

Schuldunfähig war der Angreifer an jenem Augusttag nicht, befindet die Gutachterin. Allerdings sei seine Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt. Da er nicht abstinenzfähig sei, bestehe die Gefahr, dass er Überfälle wie den auf die Gummibärchen auch in Zukunft begeht. Deterding: „Er ist so in seiner Sucht gefangen, dass er nicht mehr anders kann als trinken.“

Die Staatsanwältin fordert eine zehnmonatige Bewährungsstrafe für den fast 20 Mal vorbestraften Axel S. Seine Verteidigerin Ulrike Stasche wertet den Übergriff ihres Mandanten vor Rewe nur als Diebstahl und nicht als Raub. Sie plädiert für eine Bewährungsstrafe. Das Schöffengericht urteilt strenger. Axel S. bekommt keine Bewährung mehr, er soll ein Jahr und zwei Monate in Haft. Seine Verteidigerin wird Berufung gegen das Urteil einlegen.

Von Jürgen Lauterbach

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