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Alle lieben Franz Liszt

Brandenburg/Havel Alle lieben Franz Liszt

Zum Auftakt des Brandenburger Klostersommers widmeten die Veranstalter eine Art Gesprächskonzert dem Werk des ersten Popstars der Klassik – Franz Liszt, den die Frauen nicht nur hören, sondern in erster Linie sehen wollten. In der beschaulichen Kirche Sankt Johannis ist das Experiment durchaus gelungen.

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Vor allem die Damenwelt war begeistert, wenn Liszt irgendwo im Konzertsaal auftauchte.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Wie soll man Franz Liszt gerecht werden, an einem Abend? Das Gesamtwerk des Virtuosen, davon allein 123 Klavierwerke, ist in Umfang und Vielfältigkeit unvergleichlich. Eine Herausforderung, der sich die Künstler des Brandenburger Klostersommers mit Bravour stellten und vor ausverkauftem Haus am Pfingstsonnabend erfolgreich in der Johanniskirche Premiere feierten. Hank Teufer, Leiter des event-theaters an der Havel und des im Jahr 2001 gegründeten Brandenburger Klostersommers, war stolz auf sein bewährtes Team. Ute Beckert und Manja Sabrowski, Dmitri Pavlov und die Violistin Silke Rougk, die sehr kurzfristig den Part übernahm, was der Qualität der Darbietung keinesfalls schadete.

Hank Teufer bezeichnete die „Liebesträume mit Franz Liszt“ im Ambiente der ehemaligen Klosterkirche an der Havel, die seit 2015 als kultureller Veranstaltungsort genutzt wird, als „moderiertes Konzert“. Der Einfall dazu kam ihm „einfach so“, als er die Biografie von Liszt geschenkt bekam und voller Begeisterung las. „Du siegst mit Liszt, nicht mit Gewalt“, leitete Teufer in gewohnt gekonnter Schauspielerpositur seinen Vortrag über Franz Liszt, den 1811 im damaligen ungarischen Kronland geborenen Klaviervirtuosen, ein. Gefallen hat an diesem „Vortrag“, dass er nicht konsequent die Biografie in chronologischer Reihenfolge vortrug (Leichte Kürzungen wären dennoch überlegenswert). Liszt charakterisierte er als ersten Superstar der Klassik, belegte mit heiteren Anekdoten, wie das Universalgenie zum Frauenschwarm wurde: „Wo immer er im Saal erschien, wollte man ihn sehen, nicht nur hören.“ Ekstase oder Ohnmacht waren oft die Folgen seiner Konzerte.

Aber Hank Teufer beschränkte sich nicht auf diese entzückten Damen. Er erwähnte auch dem heutigen Publikum so gewohnte Situationen wie harte Konkurrenz in der Kunst, Erfolg und Ruhm, bittere Rivalitäten und den scheinbar unerlässlichen Showeffekt. Den benötigt Dmitri Pavlov nicht. Mit handwerklicher Perfektion und unaufdringlicher Leidenschaft spielte er am Klavier die schönsten Liebesträume (Nr.3) und die Rhapsodie Nr. 2, um nur zwei vom Publikum mit viel Beifall beschenkten Werke zu nennen. Pavlov stellte sich nicht in den Mittelpunkt, sondern, wie er sagte, mit dem Klavier üblich an die linke Seite der Bühne. Dem brillanten Zusammenspiel mit den Gesang und Violine darbietenden Künstlerinnen tat das keinen Abbruch. Im Gegenteil. Und es stand stark im Gegensatz zu dem, was der Moderator über den später ruhmsüchtigen Franz Liszt darbot, der irgendwann begann, mit seinen Erfolgen zu prahlen. „Wie ein elektrischer Schlag fuhr es durch den Saal, als Liszt hereintrat, die Mehrzahl der Damen erhob sich.. .Alles in seinem Äußeren und in seiner Beweglichkeit bezeichnet ihn sogleich als eine von jenen Persönlichkeiten, die allein durch ihre Eigenart schon Aufmerksamkeit wecken,“ schrieb Christian Andersen einst über den Zeitgenossen. In manchen Städten, stellte Andersen fest, besonders in Berlin, entwickelte sich eine regelrechte „Lisztomanie“. Wie sich das Publikum in Brandenburg für das Werk von Franz Liszt und die Darbietungen der Künstler des Klostersommers interessiert und bewertet, werden die kommenden Vorstellungen zeigen. „Liebesträume mit Franz Liszt“ wieder am Freitag, 9. Juni, am Samstag, 10. Juni jeweils um 19.30 Uhr, und Sonntag, 25. Juni um 16 Uhr.

An diesem Tag wird das kulinarische Angebot dann vor Veranstaltungsbeginn serviert.

Von Brigitte Einbrodt

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