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Brandenburg/Havel Als die Johanniskirche Landeplatz werden sollte
Lokales Brandenburg/Havel Als die Johanniskirche Landeplatz werden sollte
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11:08 21.04.2016
Katrin Witt vom Amt für Denkmalpflege der Stadt Brandenburg beim Ortsgespräch der Landesarchitektenkammer am Mittwoch in der Johanniskirche. Quelle: Volkmar Maloszyk
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Brandenburg/H

Was Katrin Witt von der Brandenburger Denkmalschutzbehörde am Mittwochnachmittag ihren rund 60 Zuhörern in der Sankt Johanniskirche berichtete, ist heute fast unvorstellbar. Witt erinnert an den „absurden Plan“ von 1998, aus dem fast 800 Jahre alten Kirchenbauwerk ein Bürogebäude mit Tiefgarage, Penthousewohnung und Hubschrauberlandeplatz zu machen. Anlass für diesen Rückblick auf die Geschichte der Johanniskirche war das erste so genannte Ortsgespräch Denkmalpflege. Veranstalter ist unter anderen die Brandenburgische Architektenkammer und das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege, zu dem auch das Archäologische Landesmuseum gehört.

Kammer lädt zu vier Ortsgesprächen im Jahr ein

Jährlich gibt es rund vier solcher Termine in architektonisch und geschichtlich besonders bedeutenden Bauwerken im Land. Das jüngste Treffen nun am Mittwoch war zugleich das dritte Ortsgespräch in Brandenburg an der Havel. Schon einmal hatten dabei die Fachleute die Johanniskirche besucht. Damals befand sich auf den Mauern noch ein Notdach. Bürgermeister Steffen Scheller (CDU) sprach denn auch von Impulsen aus der Stadt Brandenburg für die nachhaltige Nutzung von Denkmälern.

Rund 60 Zuhörer versammelten sich am Mittwochnachmittag in der Johanniskirche, um mehr über die Geschichte und Rettung der Sankt Johanniskirche zu erfahren. Quelle: Volkmar Maloszyk

Das Kirchenbauwerk blickt auf eine wechselvolle Geschichte. Stellvertretend steht diese auch für den Umgang der DDR mit Gotteshäusern. Die Johanniskirche ist aus dem jahrzehntelangen Notstand schließlich glänzend hervorgegangen. Die um das Jahr 1250 entstandene frühere Klosterkirche erstrahlte im vorigen Jahr als Blumenhalle bei der Bundesgartenschau.

Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Mehrfach im 14. und 15. Jahrhundert umgebaut, fehlte ihr schon bald eine stabile Statik. Mauern wurden erhöht, ohne das Kirchenfundament zu verstärken. Die Folge waren „Schädigung des statischen Systems“, berichtet Katrin Witt. „Daran hatte die Kirche in den Jahrhunderten ihres Bestehens zu knabbern gehabt.“

Die obere Hälfte der Johanniskirche heute nach ihrer Sanierung. Quelle: Volkmar Maloszyk
Und die gleiche Ansicht auf die verfallene Kirche. Quelle: Veranstalter

Letztlich war es im März 1945 ein naher Bombentreffer, der Teile des westlichen Jochs und des Daches mitriss. 1968 sollte die Kirche, „um die Innenstadt dem Zukunftsgedanken des sozialistischen Aufbaus anzupassen“, so Witt, abgerissen werden. „Doch das ist am Mangel der volkswirtschaftlichen Kraft gescheitert“. Am 10. August 1986 schließlich stürzte das komplette Dach der Johanniskirche ein.

2013 begann die Sanierung der Johanniskirche

„40 Jahre lang war somit das Dach nach dem Krieg noch da gewesen.“ Katrin Witts Worte spiegeln das heutige Unverständnis über die jahrzehntelange Untätigkeit wider. Doch die hatte System: „Es gab das Programm ,Keine Kirchendächer’“, berichtet die städtische Denkmalschützerin. „Man traute sich nicht, Kirchen abzureißen. Man wählte stattdessen den heimtückischen Weg, Dächer nicht zu sanieren und damit die Kirchen dem Verfall preiszugeben“.

1991, nach der Wende, flossen schließlich 2,5 Millionen Mark in ein Notdach und eine Stahlrohr-Stützkonstruktion. 2013 begann das Architekturbüro Achim Krekeler und Partner mit der Sanierung. Die Kirche erhielt für 3,7 Millionen Euro eine großzügige Verglasung und ein Dach mit historischer Kubatur. Heute ist die Kirche ein Veranstaltungs- und Ausstellungsort und prägt auf besondere Art wieder das Stadtbild.

Von Marion von Imhoff

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