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Lieblingsmusik an, Tinnitus aus!

Helene Fischer, Madonna & Co. Lieblingsmusik an, Tinnitus aus!

Es klingt zu schön um wahr zu sein. Helene Fischer, Motörhead und Madonna helfen dabei, den schrecklichen Dauerton im Ohr abzuschwächen. HNO-Chefärztin Birgit Didczuneit-Sandhop stellte Fachärzten aus mehreren Städten in dieser Woche die relativ neue Tinnitus-Therapie vor: die Behandlung mit der persönlichen Lieblingsmusik!

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Tinnitus-Patienten hören die gefilterte Musik über Kopfhörer.

Quelle: Jacqueline Steiner

Brandenburg/H. Es klingt zu schön um wahr zu sein. Helene Fischer, Motörhead und Madonna helfen dabei, den schrecklichen Dauerton im Ohr abzuschwächen. HNO-Chefärztin Birgit Didczuneit-Sandhop stellte Fachärzten aus Brandenburg, Rathenow und Sachsen-Anhalt in dieser Woche die relativ neue Tinnitus-Therapie vor: die Behandlung der Tinnitus-Ursache mit Hilfe der persönlichen Lieblingsmusik eines Patienten.

Im Bruchteil einer Sekunde erlitt ein Brandenburger vor mehreren Monaten ein Knalltrauma. Er war bei einem Fahrradunfall auf den Boden gestürzt und aufs Gesicht gefallen. Die Wunden im Gesicht sind verheilt, doch der Dauerton in seinem Ohr ist leider geblieben und zerrt an den Nerven des Mannes.

„Es gibt keine Pille gegen den Tinnitus“, bedauert Birgit Didczuneit-Sandhop, Chefärztin der städtischen Hals-Nasen-Ohren-Klinik. Alles, was Ärzte ihren Patienten bei Tinnitus anbieten können, sind Bewältigungsstrategien.

In dieser Woche hatte die Brandenburger Klinikchefin eingeladen, um eine originelle Methode vorzustellen, die Patienten das Leben mit chronischem Tinnitus leichter machen kann. Die Medizinerin schürt zwar keine übertriebenen Erwartungen, sagt aber: „So lange es nicht wirklich Heilendes gibt, muss man auch nach dem Strohhalm greifen.“

Dreh- und Angelpunkt der Therapie ist das Medizinprodukt Tinnitracks, eine App für Smartphones und Computer. Zunächst stellen HNO-Ärzte oder Hörakustiker die jeweilige Tinnitus-Frequenz des Patienten fest, das lässt sich messen. Sodann wird für das Therapieverfahren eine Oktave rund um diese Tinnitus-Frequenz aus der gewählten Lieblingsmusik herausgefiltert.

Adrian Nötzel, Forschungsleiter der Hamburger Firma Sonormed, hat die Tinnitracks-App mitentwickelt und die Methode in der Brandenburger HNO-Klink vorgestellt. Das Prinzip: Die Überaktivität der Nervenzellen im Hörzentrum des Gehirns kann durch individuell gefilterte Musik so beruhigt werden, dass eine nachhaltige Linderung des Tinnitus eintritt.

Die Wirksamkeit der Therapie wurde in klinischen Studien überprüft und bestätigt, die Techniker Krankenkasse ermöglicht ihren Versicherten die Teilnahme an einem Pilotprojekt in Hamburg. Im Durchschnitt erreichten Patienten mit der technischen Hilfe eine durchschnittliche Reduktion des Störfeuers in ihren Ohren um 27 Prozent, berichtete der Referent von der Herstellerfirma.

Allerdings nahmen an den acht kleineren Studien nur relativ wenige Patienten teil, in der Summe knapp 300. Daher schränkt HNO-Chefärztin Didczuneit-Sandhop auch ein, dass es bisher keine verlässlichen großen Studien zu der neuen Therapieoption gibt. Trotzdem greift sie durchaus zu dem „Strohhalm“.

In jedem Fall ist für den Therapieerfolg konsequentes Hören der gefilterten Lieblingsmusik notwendig. Am Tag mindestens 90 Minuten müssen sich die Tinnitus-Patienten den Kopfhörer aufsetzen und zuhören. Mindestens vier Monate lang. Dreimal 30 Minuten oder zweimal 45 Minuten seien viel wirksamer als nur kleine Zuhörintervalle.

Nicht jede Musik ist gleichermaßen geeignet, klassische Stücke bieten sich weniger an, jedenfalls nicht bei Patienten, deren Tinnitus in den sehr hohen Frequenzen angesiedelt ist. Besser ist Heavy Metal, die harte Variante der Rockmusik.

Laut Nötzel konnte ein ausgewiesener Heavy-Metal-Fan seine Tinnitus-Beschwerden jedenfalls mit der neuen Methode besonders gut lindern. Der Forschungsleiter empfiehlt die modern verstärkte Musik der vergangen zwanzig Jahre, weil sie ein großes Frequenzspektrum abdeckt.

Das eingangs erwähnte Fahrradunfallopfer aus Brandenburg lauschte dem Tinnitracks-Vortrag interessiert und möchte die Methode nun ausprobieren.

Von Jürgen Lauterbach

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