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Brandenburg/Havel Am Beetzsee beginnt das große Pokern
Lokales Brandenburg/Havel Am Beetzsee beginnt das große Pokern
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00:29 05.12.2015
Das Kinder- und Jugenderholungszentrum Bollmannsruh liegt direkt am Beetzseeufer. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Bollmannsruh

Sechs Jahre war Ruhe am Beetzsee. Jetzt beginnt wieder ein Pokern um das Kinder- und Jugenderholungszentrum (Kiez) in Bollmannsruh. Die Gemeinde Päwesin als Grundstückseigentümerin lässt das zehn Hektar große Freizeitareal zum Verkauf ausschreiben. Das haben die Gemeindevertreter am Dienstag mehrheitlich beschlossen.

Die Kommune erhofft sich von einem Verkauf eine Einnahme von mindestens 790 000 Euro. „Als Alternative ist ein Erbbaurecht mit einer Jahrespacht von 38 500 Euro denkbar“, kündigte Bürgermeister Hubertus Kühne an. Das Amt Beetzsee wird die Ausschreibung, die als unverbindliche Angebotsaufforderung zu verstehen ist, vorbereiten. Interessenten müssen ein Nutzungskonzept vorlegen.

Kein Glück in Bollmannsruh

Das Kinder-und Jugenderholungszentrum Bollmannsruh (Kiez) bringt seinen Trägern offenbar kein Glück. Vor dem Humanistischen Regionalverband gab der Brandenburger DRK-Kreisverband nach fünf Jahren auf. Davor scheiterte ein gemeinnütziger Verein, der sogar in die Pleite schlitterte.

Mit der Wende gelangte das ehemalige Pionierlager „Bruno Kühn“ in das Vermögen der Treuhandanstalt. Diese verkaufte das zehn Hektar große Areal 1994 mit Auflagen für 320 000 Mark an die Gemeinde Päwesin. Die zwanzigjährige Nutzungsbindung für die Kinder- und Jugendarbeit sind inzwischen abgelaufen.

Die verschiedenen Betreiber haben in den letzten 20 Jahren viel investiert, darunter Fördermittel in Millionenhöhe. Doch das marode Abwassernetz, das viele hunderte Meter lange Heizsystem und das in die Jahre gekommene Wegenetz erfordern auch in der Zukunft beträchtliche Geldausgaben.

Lange auf einen Kauf gedrängt hatte der in Brandenburg ansässige Humanistische Regionalverband Brandenburg/Belzig (HRV). Seit 2009 betreibt der HRV das Bungalowdorf mit Erfolg. Schon im vergangenen Jahr mahnte allerdings HRV-Geschäftsführer Axel Krause anlässlich des 60-jährigen Bestehens des ehemaligen Pionierlagers einen hohen Sanierungsstau an. „Dessen Abbau lässt sich nur mit einem langfristig abgesicherten Kredit realisieren“, sagte Krause damals.

Pachtvertrag gekündigt

Doch der HRV ist aus dem Spiel, bevor die Ausschreibung überhaupt auf den Weg gebracht ist. Hinter den Kulissen konnten sich der Humanistische Verband und die Kommune nicht auf einen Kaufpreis einigen. Mit 790 000 Euro sieht sich der jetzige Betreiber überfordert. Man möchte sich gerne weiter in Bollmannsruh engagieren, aber nicht um jeden Preis, heißt es aus der Verbandsspitze. Vorsorglich kündigte der HRV den Pachtvertrag mit der Gemeinde fristgemäß zum 31. Dezember 2016. Die HRV hatte rund 100 000 Euro weniger geboten, abzüglich weiterer rund 200 000 Euro für im Kiez getätigte Investitionen.

HRV-Geschäftsführer Axel Krause: „Wir machen gern in Bollmannsruh weiter. Aber nicht um jeden Preis.“ Quelle: Frank Bürstenbinder

Mit unterm Strich rund 500 000 Euro gibt sich Päwesin jedoch nicht zufrieden. Obwohl die Summe in etwa einem aktuellen Wertgutachten entspricht, dessen konkreter Inhalt nur den Abgeordneten und der Verwaltung bekannt ist. Nur 500 000 Euro für das riesige Gelände samt 42 Bungalows, Service- und Veranstaltungsgebäude sowie 400 Meter Beetzseefront? Für Gemeindevertreter wie Frank Brademann ein Unding. Denn als die Gemeinde das einstige Pionierlager 1994 von der Treuhandanstalt erwerben konnte, wurde der Wert mit umgerechnet 1,6 Millionen Euro beziffert. Davon zahlte Päwesin nur zehn Prozent als Kaufpreis, musste sich aber im Gegenzug zu einer zwanzigjährigen Nutzungsbindung, Investitionen und der Schaffung von Arbeitsplätzen verpflichten.

Über Gutachten verwundert

„Wie kann das selbe Grundstück nur noch ein Drittel wert sein? Dabei sind über 1,5 Millionen Euro Fördermittel und etliche Eigenmittel der Gemeinde in das Kiez geflossen“, wundert sich Brademann. Deshalb will die Gemeindevertretung nun sehen, was der Immobilienmarkt hergibt. Dabei wird riskiert, dass sich ein verlässlicher Betreiber wie der Humanistische Regionalverband für immer zurückzieht.

Bürgermeister Hubertus Kühne versucht die Wogen zu glätten, in dem er sich wünscht: „Ein Nachfolger in der Kinder- und Jugendarbeit wie der HRV wäre mir sehr lieb. Aber ich bin nur einer von Neun.“ Kühne gestand ein, dass eine Reihe von Abgeordneten auch andere Nutzungen für möglich halten. Zusammengefasst: Wer das meiste Geld bietet, hat die besten Chancen.

Von Frank Bürstenbinder

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