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Am Haken: Forelle in Tiger-Leggings

Angelpremiere in der Teichanlage Rottstock Am Haken: Forelle in Tiger-Leggings

Dutzende Hobbyangler nehmen täglich den weiten Weg an den Flämingrand zum Forellenhof Rottstock auf sich. Sie kommen, um Forellen, Saiblinge und Störe selbst zu angeln und zum festen Kilopreis mit nach Hause zu nehmen. Kommende Woche ist in der Teichanlage Rottstock Angelpremiere auf eine neue Fischart.

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Herbert und Hannelore Hobus aus Gräningen angeln seit Jahren Forellen in Rottstock.

Quelle: J. Steiner

Rottstock. Die Regenbogenforellen sind in Beißlaune. Mit Bienenmaden hat Herbert Hobus den richtigen Köder gewählt. Im Minutentakt biegt sich die Rutenspitze krumm. Ein kurzer Drill und Gattin Hannelore kann den schwarz gepunkteten Fang sicher mit dem Kescher anlanden. Nach einer guten Stunde hat das Ehepaar aus dem havelländischen Gräningen seinen Plan erfüllt. Zehn Forellen zum Kilopreis von sieben Euro werden sie mit nach Hause nehmen – Nachschub für den Räucherofen.

So wie das Ehepaar Hobus, das seit Jahrzehnten Mitglied im Anglerverein Bamme ist, nehmen täglich dutzende Hobbyangler den weiten Weg an den Flämingrand zum Forellenhof Rottstock auf sich. Das Ansitzen auf Forelle, Saibling und Stör ist für die Gäste von Matthias Engels und Susanne Finsterer eine willkommene Abwechslung zum Angelalltag mit Plötze, Barsch und Hecht. Seit fast zwei Jahren betreibt das Paar die vom Gesundbrunnenbach gespeiste Teichanlage.

Keine Langeweile am Teich

Damit am Wasser keine Langeweile aufkommt, experimentiert Forellenhof-Besitzer Engels gern mit neuen Arten. So wie kommende Woche, wenn erstmals Tigerforellen aus ihrem Aufzuchtgewässer in einen Angelteich umgesetzt werden. „Wir freuen uns auf die Premiere. Vom Fleisch her unterscheidet sich die Tigerforelle kaum von ihren Verwandten. Aber die ausgeprägte Fleckenzeichnung macht die Fische zu einem besonderen Fang“, findet Engels. Eben eine Forelle in Tigerleggings.

Forellenhof-Chef Matthias Engels mit einem angelreifen Stör.

Quelle: J. Steiner

Bei Tigerforellen handelt es sich um eine Kreuzung aus Bachforelle und Bachsaibling. Ein Jahr haben die Hybriden gebraucht, um von in Thüringen zugekauften Neun-Gramm-Babys bis zu schlachtreifen Exemplaren heranzuwachsen. Jetzt, mit 350 bis 400 Gramm, werden die Fische zum Angeln freigegeben. Wer sie fangen will, muss wie bei den Lachsforellen etwas tiefer in die Tasche greifen. Der Kilopreis ist bei neun Euro angesetzt. Allerdings gibt es auf dem Forellenhof nicht nur die so genannten Kilo-Teiche, sondern einen Tagesangelteich, wo Gäste gegen eine einmalige Pauschale ihr Anglerglück versuchen können.

So wichtig die Angler und Ausflügler für den im Grünen gelegenen Forellenhof sind, für eine wirtschaftliche Betreibung der 25 Teiche samt Nebenanlagen reicht dieses Standbein allein nicht. Um dem Betrieb zu neuen dauerhaften Einnahmen zu verhelfen, sind Engels und Finsterer eine Zusammenarbeit mit der Attilus GmbH im anhaltinischen Jessen eingegangen. In der dortigen Fischzuchtanlage wird Kaviar von Stören aus Aquakulturen gewonnen. Und die Rottstocker liefern den Fisch. „Von der Partnerschaft profitieren beide Seiten. Jessen vermarktet den Kaviar, wir bekommen das Fleisch zurück. Wir glauben ganz fest an den Stör“, gibt sich Engels optimistisch. Bis es soweit ist, muss ein langer Atem her.

Störe liefern Kaviar

Erst nach sieben, acht Jahren sind Störe geschlechtsreif. Dann produzieren die rund zehn Kilo schweren Weibchen Rogen, der unter der Bezeichnung Kaviar gehandelt wird. Mit der Störhaltung auf dem Forellenhof hatte vor Jahren Vorbesitzer Andreas Franke begonnen. Die Störe in den Angelteichen sind mit zwei bis vier Kilo deutlich leichter und jünger.

Auch Nichtangler willkommen

Unweit von Rottstock wird seit 1910 Fischzucht betrieben. Zu verdanken hat die Anlage ihre Entstehung dem Gesundbrunnenbach, der alle 25 Teiche mit seinem kalten Wasser speist. An normalen Tagen sind das 50 bis 60 Liter in der Sekunde.

Der Forellenhof Rottstock liegt direkt an der B 107 und hat im Sommer täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Auch Nichtangler sind willkommen. Es gibt ein Bistro und einen Hofladen. In den Sommerferien werden Angelcamps für Kinder veranstaltet.

Mit Fisch aus Rottstock werden mittlerweile Hotels und Gaststätten in der Region beliefert. Der Küchenchef vom Ritz-Carlton in Berlin ordert ebenso im Wasser vom Gesundbrunnenbach aufgewachsene Forellen, wie das Brandenburger Restaurant „Am Humboldthain“. Saiblinge stehen auf der Speisekarte des Potsdamer Mövenpicks und des Burg-Hotels in Bad Belzig. Zu den größten Fans des Forellenhofs zählt Brandenburgs Meisterkoch Philipp Liebisch, Küchenchef im Berliner Fine Dining Restaurant Zeitgeist. Liebisch weiß nicht nur woher seine Forellen kommen, er hat sie selbst schon in Rottstock gefangen. So wie das Ehe- und Anglerpaar Hobus aus Gräningen.

Von Frank Bürstenbinder

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