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Brandenburg/Havel Am Heiligen Abend geboren
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12:45 27.12.2015
Die Jubilarin Herta Siebert mit dem Warchauer Ortsvorsteher Rolf Geelhaar. Quelle: Claudia Nack
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Ziesar

Zusammen mit dem Christkind hat Herta Siebert am 24. Dezember Geburtstag. Sie wird 95. Während die älteste Gollwitzerin fast ihr ganzes Leben lang in ihrem schief und krumm gewordenen Märchenhaus bei Warchau wohnte, lebt sie seit zwei Jahren im Pflegeheim Ziesar. Dort wollte sie unbedingt hin, falls sie alleine nicht mehr zurechtkommen sollte.

Leute aus dem Dorf wie Gerda Plamann, Doris Schünemann, Lisa Altenburg, Ortsvorsteher Rolf Geelhaar und dessen Mutter Annemarie besuchen sie abwechselnd einmal im Monat. Dafür ist Herta dankbar, auch wenn sie auf Anhieb nicht jeden gleich erkennt. Denn sie hat niemanden mehr. Bloß Großnichten und Großneffen, die aber wohnen weit weg. Einige schicken zu Weihnachten ein Paket oder eine Karte. Eine kleine Gollwitzer Abordnung hat sie am vierten Advent besucht und ein paar Geburtstagsgeschenke vorbeigebracht.

Ihr Lieblingsplatz ist ein alter Sessel, den sie als einziges Möbelstück aus Gollwitz mitgenommen hat. An der Wand über ihrem Bett hängt ein Foto von ihrem einzigen Sohn Bernd, der vor Jahren an einem Tumor starb. Auch ihre Eltern und vier Brüder sind schon lange tot. Zwei sind gefallen. Vom Vater ihres Sohnes hörte sie seit den Kriegswirren nichts.

„Was macht mein Häuschen?“, fragt Herta Siebert. „Das steht noch immer leer“, hört sie von Rolf Geelhaar. Es gebe zwar Berliner Interessenten, aber das Problem sei, dass ihre Eltern noch als Eigentümer im Grundbuch stehen. Die hatten es vor dem Krieg gekauft. Von wem, weiß sie nicht. Von den vier kleinen Stuben hatte die alte Dame, die nicht anspruchsvoll ist, zuletzt nur noch zwei bewohnt. Früher machte ihr Vater viel auf dem Anwesen und sie selbst auch. Bis zur Rente arbeitete die gebürtige Gollwitzerin im Werk für Gleisbaumechanik über die Erwachsenenqualifizierung als Schlosser und war die einzige Frau in ihrer Brigade.

Herta denkt öfter an ihren Garten, in dem es nun ohne sie wächst. Und an den alten knorrigen Birnbaum vor der Tür, den ihr Vater gepflanzt hat. In Ziesar geht sie nur raus, wenn es das Wetter zulässt. „Das Essen schmeckt“, sagt die 95-Jährige, die es sich aufs Zwei-Bett-Zimmer bringen lässt. „Die haben im Heim einen guten Koch.“ Bis vor einiger Zeit schaute sie hin und wieder in der Cafeteria vorbei, inzwischen nicht mehr. „Ich schlafe viel“, sagt sie und wirft ein: „Man muss das Leben so nehmen, wie es kommt.“ Gut findet sie, dass es Einrichtungen gibt, wo alte Leute untergebracht werden. „Denn wo sollen die denn sonst hin?“

Nach ihrer in Zwickau lebenden Großnichte ist Geelhaar zweiter Betreuer und hat eine Vorsorgevollmacht. Warum? „Es hat sich durch mein Ehrenamt erst als Rosenau-Bürgermeister und dann als Warchauer Ortsvorsteher so ergeben“, sagt der 60-Jährige. Heiligabend ging er immer zum Gratulieren. Und wenn etwas nicht in Ordnung war, hat er dafür gesorgt, dass es wieder in Ordnung kam.

Als Herta Siebert nach einem Klinikaufenthalt in Brandenburg mit anschließender Zwischenstation bei einer Hauskrankenpflege ins Pflegeheim nach Ziesar kam, hat er sich darum gekümmert, dass in ihrem Häuschen Strom und Wasser abgestellt werden. Er fährt mit ihr zu Ärzten, hinterlegt Geld für besondere Einkäufe und die Fußpflege, regelt den Postverkehr mit Institutionen und Behörden. „Was macht das rechte Handgelenk?“, fragt er. Herta, die es sich nach einem Sturz mit dem Rollator gebrochen hatte, demonstriert die Beweglichkeit.

Während ihr bis vor zwei Jahren die 84-jährige Gerda Plamann jeden Morgen die langen Haare kämmte, machen das jetzt die Schwestern. Einmal sei sie beim Friseur gewesen und habe sie abschneiden lassen. „Das gefiel mir nicht, denn sie sind viel zu störrisch. Der Zopf bleibt dran“, sagt Herta bestimmt.

Von Claudia Nack

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