Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Staatsanwalt wirft Lkw-Fahrer fahrlässige Tötung von Feuerwehrmännern vor
Lokales Brandenburg/Havel Staatsanwalt wirft Lkw-Fahrer fahrlässige Tötung von Feuerwehrmännern vor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:20 05.12.2018
Der Angeklagte Stefan M. (57) betritt den Amtsgerichtssaal in Brandenburg/Havel. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft Potsdam die fahrlässige Tötung zweier Feuerwehrmänner aus Lehnin vor. Die Angehörigen (links) sind Nebenkläger. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Mit gut halbstündiger Verspätung beginnt an diesem Dienstagmorgen der Prozess um den tragischen Tod zweier Lehniner Feuerwehrmänner vor dem Schöffengericht Brandenburg/H. Angeklagt ist der 57 Jahre alte Stefan M. aus Berlin. Die Staatsanwaltschaft Potsdam wirft dem Lastwagenfahrer fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vor.

Der Lkw-Fahrer war übermüdet und am Steuer eingeschlafen, als sein Sattelauflieger auf der A 2 gegen das Feuerwehrauto prallt und zwei Lehniner Rettungskräfte tötet. Das sagt der Staatsanwalt am Dienstag zum Prozessauftakt vor dem Schöffengericht Brandenburg.

Stefan M. erscheint, bekleidet mit einer gelben Warnweste, verspätet im Gericht, er hat nach Angaben seines Rechtsanwaltes die Wegstrecke von Berlin nach Brandenburg/Havel unterschätzt und entschuldigt sich dafür.

Gelegenheit sich bei den Angehörigen zu entschuldigen hat er an diesem Dienstag noch nicht. Der Staatsanwalt Peter Petersen hat darum gebeten, die Aussage auf den morgigen Mittwoch zu verschieben, weil er am ersten Prozesstag verhindert ist.

Sieben Angehörige und ein Feuerwehrmann sind Nebenkläger

Sieben Angehörige der am 5. September 2017 auf der Autobahn A2 verunglückten Lehniner Feuerwehrmänner und der verletzte Feuerwehrmann nehmen als Nebenkläger an dem Verfahren teil. Im Zuschauerraum verfolgen Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr und etwa zwanzig weitere Zuhörer den öffentlichen Strafprozess.

Am ersten Tag wird nur die Anklageschrift verlesen. Nach etwa einer Viertelstunde ist das geschehen und der Prozesstag endet. Die Befragungen des Angeklagten und der Zeugen sind erst am Mittwoch vorgesehen. Ob dann auch bereits das Urteil gesprochen wird, ist noch nicht abzusehen.

Immerhin können außer Staatsanwalt Petersen und Verteidiger Mario Schink auch die acht Nebenkläger plädieren. Das geschieht erst, wenn Richterin Susanne Götsche die Beweisaufnahme schießt.

Fahrt zehn Stunden vor Unglück angetreten

Am Tag vor dem schlimmen Unfall, am 4. September 2017, hatte Berufskraftfahrer Stefan M. seine Fahrt um 15.42 Uhr angetreten. Er war also schon mehr als zehn Stunden unterwegs, als er mutmaßlich den Unfall auf der Autobahn bei Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark) in Richtung Berlin fahrend verursachte.

Der Staatsanwalt ist der Überzeugung, dass er in dem fraglichen Moment übermüdet war und am Steuer eingeschlafen ist. Denn die Unglücksstelle war wegen eines vorherigen Unfalls, zu dem die Lehniner Feuerwehr gerufen worden war, mit Scheinwerfern hell erleuchtet und daher gut zu erkennen.

Mit 89 Stundenkilometern Geschwindigkeit kollidierte der Sattelauflieger des Unglücksfahrers gegen 2.15 Uhr zunächst mit einem Mercedes-Polizeiauto, an dem 24.000 Euro Sachschaden entstanden.

Zwei Männer sterben, einer wird verletzt

Von dort prallte der Lastwagen mit 70 Stundenkilometern erst gegen ein Einsatzfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Golzow und von dort auf dem Mittelstreifen gegen das Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Lehnin, an dem 164.000 Euro Sachschaden entstanden sind.

Das Lehniner Fahrzeug kippte um und begrub die beiden 23 und 38 Jahre alten Feuerwehrmänner unter sich. Philipp R. und Sebastian K. starben. Der Fahrer des Feuerwehrwagens wurde so schwer verletzt, dass er rund zwei Monate lang im Krankenhaus behandelt werden musste und bis Februar dienstunfähig war.

Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage auf die Aussagen von 34 Zeugen und dem Gutachten der Dekra zum Unfallhergang. Die Ermittler sind davon überzeugt, dass der Berufskraftfahrer den tödlichen Unfall bei der gebotenen Vorsicht hätte vermeiden können, auch wenn er keinen Alkohol getrunken hatte.

Erbgutanalyse klärt Identität

Für die Angehörigen im Saal war es besonders schwierig zu ertragen, wie der Vertreter des Staatsanwalts die tödlichen Verletzungen der Unfallopfer schildert. Einer von ihnen war so schlimm verletzt, dass erst eine Erbgutanalyse die Identität zweifelsfrei klären konnte.

Der Angeklagte ist gebürtiger Berliner und lebt auch in der Hauptstadt. Er ist seit dem Unfall krankgeschrieben. Der Prozess wird an diesem Mittwoch fortgesetzt.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Kommentar: Die bitteren Lehren aus der A2-Tragödie

Denkmal für die Feuerwehrmänner im Gespräch

Tragödie auf der A2 weckt böse Erinnerungen

Spendenkonto für Familien der getöteten Kameraden

Von Jürgen Lauterbach

Ein Lastzug rammt im September 2017 an einer Unfallstelle ein Feuerwehrauto - zwei Rettungskräfte sterben. War der Fahrer übermüdet?

04.12.2018

Auch in diesem Jahr gibt es in der Vorweihnachtszeit die MAZ-Sterntaler-Aktion. MAZ-Leser unterstützen Menschen, die unverschuldet in Not oder eine schlimme Situation geraten sind. Die ersten Spenden der MAZ-Leser aus Brandenburg an der Havel und dem Umland sind schon da.

04.12.2018

Die Stadtverwaltung sieht im nächsten Haushaltsjahr Investitionen für rund 3,7 Millionen Euro in den Ortsteilen vor. Die Grünflächenpflege kostet zwischen 11.000 Euro in Saaringen und 150.000 Euro in Kirchmöser.

03.12.2018