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Ambosse waren fast so wertvoll wie Gold

Heimatgeschichte Ambosse waren fast so wertvoll wie Gold

Bis ins hohe Mittelalter hinein konnten sich Schmiede meist nur kleine Ambosse leisten. Das Eisen war aufgrund seiner aufwendigen Herstellung unglaublich teuer. Beim Wintermarkt im Brandenburger Slawendorf kann man sich davon ein Bild machen.

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Robert Seiler schmiedet zum Beispiel beim Wintermarkt im Slawendorf wie vor Urzeiten.

Quelle: Heiko Hesse

Brandenburg/H. Meine Faszination für historische Ambosse entstand, als ich vor etwa sieben Jahren mit dem Schmieden begann. Auf der Suche nach einem passenden Amboss stand ich vor zwei Angeboten und konnte mich nicht entscheiden. Das war der Beginn einer Sammlung.

Ambosse gibt es seit der Steinzeit. Jeder Holzklotz oder Stein, der genutzt wird, um ein Werkstück darauf zu legen und schlagend zu bearbeiten, ist im weiteren Sinne ein Amboss. Erste eiserne Steckambosse, ähnlich denen, wie sie noch heute zum Dengeln von Sensen genutzt werden, taten im europäischen Raum bei den Kelten und Germanen ihren Dienst.

Ein Teil der Amboss-Sammlung von Robert Seiler

Ein Teil der Amboss-Sammlung von Robert Seiler.

Quelle: privat

Für grobe Arbeiten, zum Beispiel, das Feuerverschweißen von Luppen oder Eisenbarren, waren diese allerdings viel zu klein. Solche Arbeiten wurden auf Steinambossen ausgeführt. An dieser Praxis änderte sich viele Jahrhunderte lang wenig.

Erst im Hoch- und Spätmittelalter wurden die Ambosse deutlich größer. Ein Grund dafür ist die große Eisenmenge, die für einen Amboss nötig ist. Eisen war teuer, weil die Gewinnung sehr aufwendig war. Erst ab dem 16. Jahrhundert konnte mit dem Stückofen, später dem Holzkohlehochofen, etwas größere Mengen Roheisen beziehungsweise Gusseisen erzeugt werden. Dieses Material konnte man dann im Frischfeuer zu Eisen oder Stahl umarbeiten. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts konnten dann im so genannten Puddelverfahren deutlich größere Mengen Roh- oder Gusseisen zu Eisen oder Stahl verarbeitet werden.

Kleine Ambosse waren billiger und ließen sich besser transportieren

Kleine Ambosse waren billiger und ließen sich besser transportieren.

Quelle: privat

Bis zum 16. Jahrhundert konnte man Eisen und Stahl nur im aufwendigen Rennofenprozess herstellen. Ausgangsmaterial war Raseneisenerz. Dieses Gestein wird in einem Rennofen mittels Holzkohle zu einer Eisenluppe verhüttet. Der Name des Ofens leitet sich vom flüssigen Eisen, das nach Öffnung des Ofens heraus rinnt oder -rennt. Heutzutage ist dies ein seltenes Schauspiel. Erleben kann man am 3. Dezember beim Wintermarkt im Brandenburger Slawendorf.

Worauf man schlägt

Das Wort Amboss stammt laut Wikipedia von dem althochdeutschen Begriff anabōs. Das bedeutet „Woran (worauf) man schlägt“. Der Amboss ist heutzutage ein Block aus Stahl zur Unterlage beim Umformen, dem Bearbeiten von meist „warmen“, das heißt glühenden Eisenmetallen.

Frühe Menschen nutzten bereits in der Altsteinzeit vor mindestens 200000 Jahren einen Amboss aus natürlich entstandenen Steinen mit abgeflachter Oberfläche, um mittels spezieller Abschlagtechniken meist Feuerstein zur Fertigung von Faustkeilen, Klingen oder Spitzen für Speere zu bearbeiten.

Nachgewiesen seit der Hallstattzeit (etwa 800 bis 450 v. Chr.) wurden erste Ambosse aus Eisen verwendet und setzten sich allmählich durch.

Eine gute Luppe, der gewonnene Eisenklumpen, war beispielsweise 10 bis 15 Kilo schwer und verlor auf dem Weg zum mehrfach feuerverschweißten (raffinierten) Barren noch einmal ein Viertel seines Gewichts. Die Eisenbarren mussten dann umständlich auf Schweißhitze gebracht werden und Stück für Stück zu einem Amboss feuerverschweißt werden. Es verwundert daher nicht, dass Ambosse sehr teure und verehrte Werkzeug waren.

Häufig zeugen Verzierungen, Inschriften und sogar Zierelemente davon, welch hohen Stellenwert und welche Verehrung Ambosse genossen. Mit der Zeit wurden die Ambossen größer. Das hatte übrigens nicht nur etwas mit komfortablerer Arbeit zu tun, es war gleichzeitig ein wirksamer Diebstahlschutz. Ein großer Amboss verschwindet nicht so schnell.

Der blaue Amboss erinnert in Cammer an die letzte Schmiede im Dort

Der blaue Amboss erinnert in Cammer an die letzte Schmiede im Dort.

Quelle: Andreas Koska

Für mich sind alte Ambosse Werkzeug, Kunstgegenstand und Kulturgut in einem. Es hat schon etwas Besinnliches, wenn ich die Hand auf eine vernarbte Ambossbahn legen, auf der ein unbekannter Schmied vor 200 Jahren seinen Lebensunterhalt verdient hat.

Der Wintermarkt im Slawendorf (in Brandenburg zwischen Nicolaiplatz und Havel) öffnet am 3. und 4. Dezember um 11 Uhr. Die Schmiede ist in der Nähe des Havel-Eingangs zu finden.

Von Robert Seiler

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