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Brandenburg/Havel An der Havel blüht der illegale Tabakhandel
Lokales Brandenburg/Havel An der Havel blüht der illegale Tabakhandel
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00:20 10.02.2018
Ein Händler im Havelland geht zum Gebüsch, fischt nach einer Stange Marlboro und kommt mit der gewünschten Ware zum Kunden. Quelle: Jürgen Lauterbach
Brandenburg/H

Wie der illegale Zigarettenmarkt in Brandenburg/Havel und in der Umgebung funktioniert, wissen nicht einmal Polizei und Zollamt genau zu sagen. Was auffällt: In der Stadt und den umliegenden Gemeinden von Potsdam-Mittelmark sind keine Asiaten mehr zu sehen, die die versteckte Ware stangenweise versteckt anbieten. Wohl aber in Richtung Havelland.

Wir haben an einem der vergangenen Wintertage die Probe aufs Exempel gemacht: Wie viel Aufwand ist notwendig, um für 20 Euro eine Stange Zigaretten zu kaufen – nicht im Geschäft, sondern quasi auf der Straße? In nördlicher Richtung verlassen wir das Stadtgebiet von Brandenburg/Havel.

Erste Station ist der Norma-Markt in Döberitz. Der Verkäufer wartet etwas abseits auf dem Parkplatz unter einem Baum auf Kundschaft. Als wir Interesse signalisieren, kommt er angelaufen und bietet uns Pall Mall und L&M an. Wir aber heucheln Interesse an der Marke West – eine Bitte, die dieser Händler nicht erfüllen kann.

Ein paar Kilometer weiter in Milow in der Nähe des NP-Marktes kommt ein Geschäft zustande. Der Händler will zwar auch erst einmal seine Stangen L&M und Pall Mall los werden, ist aber flexibel, als wir nach Marlboro fragen.

Der nicht mehr ganz junge Mann asiatischer Herkunft bittet uns in sehr gebrochenem Deutsch zu warten, spurtet dann ein paar Meter entfernt zu seinem Versteck, zieht die gewünschte Stange aus dem Gebüsch und überreicht sie im nächsten Augenblick. 20 Euro wechseln den Besitzer.

Weitere illegale Verkaufsstellen sind nahe Edeka und Norma in Premnitz und an den Kaufland-Märkten in Rathenow zu entdecken. In Premnitz fährt ein Lieferwagen mit HVL-Kenzeichen vor. Er bringt keinen Tabaknachschub, sondern Essen. Der Zigarettenhändler macht Pause, holt sich einen Stapelstuhl und isst aus der Packung.

Fast jede zehnte Zigarette wird illegal konsumiert

Ohne Steuerbanderole dürften diese Marlboro aus Premnitz nicht verkauft werden. Weitere Mängel: Das Bild ist viel zu klein, der Warnhinweis fehlt, der Text ist nicht in deutscher Sprache, vorgeschriebene Formulierungen fehlen...

48 Milliarden Zigaretten wurden laut Philip Morris 2016 europaweit illegal konsumiert. Das seien neun Prozent des Gesamtkonsums und bedeute einen Verlust von etwa 10 Milliarden Euro an Steuereinnahmen in den EU-Staaten.

Unterstellt jeder der zehn Händler im Umland verkauft pro Werktag illegal zehn Stangen, ergibt sich ein Steuerschaden von etwa 1,2 Millionen Euro.

Zehn illegale Zigaretten-Verkaufsstellen soll es im Havelland geben, dagegen keine in Brandenburg/Havel und Umgebung. Erst Werder bietet wieder Ware für Abnehmer billig verkaufter Zigaretten.

Das Hauptzollamt Potsdam, das für die Verfolgung von Zigarettenschmuggel und illegalem Handel mit Tabakwaren in der Region zuständig ist, benennt keine örtlichen Verkaufsschwerpunkte. Die Bundesbehörde bestätigt lediglich allgemein, dass es so etwas auch in Brandenburg/Havel, Potsdam-Mittelmark und Havelland gebe.

Im Bezirk der Behörde, also im Großraum Potsdam hätten Kontrollbeamte im Jahr 2016 in der Summe 1,56 Millionen an Schmuggelzigaretten sichergestellt. Auf diese seien fast 300 000 Euro an Tabaksteuer nacherhoben worden, berichtet Behördensprecher Ronny Kaczmarek.

Die Zollbehörde hat offenkundig dabei eher solche Ware im Blick, die sich bei Lkw-Kontrollen auf der Autobahn auftut, wie es auf Nachfrage heißt. Nähere Angaben zu den Erfahrungen mit Kleinhändlern vor Supermärkten der Umgebung sind jedenfalls nicht zu bekommen.

Wie gut oder schlecht die Premnitzer Marlboros sind, das lässt sich nicht sagen. Das Unternehmen Philip Morris, das die echten Marlboros herstellt, hat kein Interesse, den Inhalt der Ware zu prüfen, die unter seinem Namen angeboten wird.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Brandenburger und Havelländer Kunden üble Ware angeboten bekommen, ist offenbar nicht gering. „Gefälschte Zigaretten werden häufig ohne jegliche Qualitätskontrollen unter unhygienischen Bedingungen produziert“, teilt Marc von Bandemer im Auftrag von Philip Morris mit. Es handele sich um Ware mit fehlenden Sicherheitsstandards, mangelhafter Verarbeitung und qualitativ minderwertigem Materialeinsatz. Der Firmensprecher: „So enthielten vom deutschen Zoll beschlagnahmte Zigaretten gesundheitsgefährdende Kautschuk-Partikel aus Autoreifen und Kunststoffteile aus geschredderten CDs, Nylonfäden, Metallsplitter sowie Rattenkot.“

Ein Großteil der illegalen Zigaretten stammt nach Erkenntnissen des großen Tabak-Konzerns aus osteuropäischen Staaten. Ein zunehmendes Problem stellten sogenannte Illicit Whites dar, heißt es. Diese Zigaretten, die „Jin Ling“, „Minsk“ oder „Fest“ heißen, würden in ihrem Ursprungsland legal produziert, aber von der organisierten Kriminalität in großen Mengen in Länder wie Deutschland, Frankreich und England geschmuggelt.

Von Jürgen Lauterbach

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