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Brandenburg/Havel Ana Finta: „Kunst ist für mich ein Muss“
Lokales Brandenburg/Havel Ana Finta: „Kunst ist für mich ein Muss“
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11:14 21.02.2017
Die Brandenburger Künstlerin Ana Finta in ihrem Atelier. Am Druckstock aus Styropor erklärt sie die Mischtechnik, mit der sie gerne arbeitet. Quelle: Ina Schidlowski
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Brandenburg/H

Die Tür öffnet sich und plötzlich ist er ganz selbstverständlich da: er wohltuende Klang ihrer Stimme. Und mit ihm die ruhige, besonnene Art zu reden. Begleitet von leiser Musik aus dem Hintergrund. Das Grün ihres Tuches findet sich in den kleinen Ohrsteckern wieder. Und so, wie die grünen Kerzen und Vasen mit den dunklen Holzbalken des Ateliers korrespondieren, tritt auch die Künstlerin Ana Finta mit ihrer dunklen Weste in Beziehung zu all dem. Das lässt sich nur mit einem Wort beschreiben: Harmonie. Das zarte Grün der Christrose auf dem Tisch macht diesen Eindruck noch vollkommener.

„Mein Atelier ist kein Geschenk“, erklärt die Künstlerin, inmitten ihrer farbintensiven Bilderwelt, die nur am Wochenende so erlebbar ist. Unter der Woche gibt sie in dem Raum auf dem Hinterhof in der Rathenower Straße in Brandenburg an der Havel Malkurse. Dann sind vor allem die schlichten weißen Wände zu sehen. „Damit niemand beeinflusst oder abgelenkt wird“, sagt Ana Finta. Dieses Teilen der eigenen Arbeitswelt mit Menschen, die von ihr lernen wollen, falle ihr manchmal nicht leicht.

Das Bild „Herbst“. Quelle: Ina Schidlowski

Am Freitag hängt sie dann die eigenen Werke auf. Immer wieder andere. Gerade zieht der „Herbst“ die Aufmerksamkeit auf sich. „Ich liebe das Licht im November“, sagt sie und erklärt, dass die Inspiration für dieses Bild während einer Fahrt mit dem Auto kam. „Das ist mein Blick auf die Autobahn. Alles geht so schnell und es sind so herrliche Farben.“

An der Wand gegenüber das Bild „Ägypten“. Es wird von Braun- und Rottönen beherrscht, die die heiße Sonnenglut dieser Region spürbar machen. Risse durchziehen, wie einen trockenen Wüstenboden, das Bild. „Ana Finta 2014“ steht in weißer Schrift am unteren Rand.

„Mein Name hat immer mit dem Bild zu tun“, erklärt sie die Signatur, die je nach Bildkomposition etwas anders ausfällt. Bei deren Entstehung sieht sie sogar Parallelen zum Kochen. „Beim Signieren mache ich fast die Augen zu. Es kommt ganz automatisch, wie das Verfeinern einer Suppe.“

Die Brandenburger Künstlerin Ana Finta in ihrem Atelier. Quelle: Ina Schidlowski

So verfeinert, erfährt jedes ihrer Bilder noch das i-Tüpfelchen seiner Vollendung. Oft wählt die in Rumänien geborene Künstlerin Motive aus der Natur. „Das hier ist Brandenburg“, sagt sie und deutet auf zwei schmale Bilder, die im Panoramaformat die Weite der Landschaft verdeutlichen. „Ich mag die Natur hier. Ja, es ist flaches Land, aber es hat sehr viele Farben.“

Auch Figuratives findet sich unter ihren Werken. Gerade bereitet sie eine Ausstellung in Gortz vor. Dafür arbeitet sie mit einem Druckstock aus Styropor. „Ich liebe Beize“, schwärmt sie und erklärt ihre Mischtechnik, zu der neben Beize auch Pastellfarben, Kreide und Bleistift gehören. „Die Spielerei mit Farbe allein reicht mir oft nicht. Ein schönes Gesicht einer Frau zum Beispiel, eines Mannes oder Kindes, darf schon zu erkennen sein.“

Über einen Flur mit Treppenhaus gelangt man vom Atelier in einen zweiten Raum, in dem Materialien, Werkzeuge, Entwürfe und eine Werksammlung untergebracht sind. Und dort sind auch Zeichnungen von Ana Finta zu sehen. „Ich zeichne erst einmal und dann male ich“, sagt sie, aber dass sie mit ihren Zeichnungen in keine Ausstellung gehen würde. „Nein, ich bin eine Malerin.“

Das Bild „Ägypten“ von Ana Finta. Quelle: Ina Schidlowski

Sie arbeitet mitunter an verschiedenen Bildern gleichzeitig. „Es geht mir gut damit. Jetzt hat mich vielleicht ein Bild müde gemacht. Arbeite ich später daran weiter, mache ich es besser.“

Mit Feder und einfacher Tusche entstehen Entwürfe und Studien. „Ich mag das. Unsere Hand als Künstler muss in Übung bleiben.“

Ana Finta ist sieben Jahre alt, als sie mit ihren Arbeiten an einem Wettbewerb teilnimmt. Die Eltern sind stolz. Mit dem ersten kleinen Erfolg wächst auch ihr Interesse an der Kunst. Als sie sich dann für ein Studium an der Kunsthochschule „Ion Andreescu“ in Cluj (Klausenburg) entscheidet, ist ihre Mutter jedoch nicht so begeistert. „Wenn Du Lehrerin werden würdest, aber Künstlerin?“, äußert diese ihre Bedenken. Ana Finta versteht das gut. Auch wenn sie die Förderung junger Künstler für unverzichtbar hält, das freiberufliche Künstlerdasein kann sie ihnen aus heutiger Sicht nicht unbedingt empfehlen.

Dabei ist sie selbst unermüdlich, ist ein Leben ohne Arbeit nicht denkbar. „Kunst ist für mich kein Hobby. Es ist ein Muss.“ Als Frühaufsteherin ist sie bereits um 7.30 Uhr im Atelier. „Mein Vater war Stahlwerker, musste früh aufstehen und war immer pünktlich“, erinnert sie sich. „Ich wollte wie mein Vater sein und jetzt kann ich nicht mehr anders“, erklärt sie schmunzelnd.

Blick ins Atelier. Quelle: Ina Schidlowski

Und auch wenn der Tag ihrer Meinung nach zu kurz ist, das Licht viel zu schnell geht, schafft sie es doch, neben dem Arbeiten an den eigenen Bildern, mehrere Ausstellungen im Jahr für sich und ihre Schüler zu organisieren, Kurse an der Wredow’schen Zeichenschule, an Grundschulen und im eigenen Atelier zu geben, oder Lesungen zu veranstalten. Klingt nach Powerfrau und das ist sie im Grunde genommen auch. Eine sanfte Art von Power, die von innerer Stärke und Balance zeugt.

Deshalb mag sie wohl auch das eigene Porträt, gemalt von einem zehnjährigen Schüler, den sie immer wieder zur Ordnung rufen musste. Denn obwohl sie darauf streng und ziemlich mürrisch wirkt, hängt es in ihrem Atelier. „Ich mag die Menschen in Brandenburg, es ist eine wunderbare Stadt“. Die Brandenburger nehmen sich Zeit füreinander, das gefalle ihr.

Umgekehrt gefällt auch die Künstlerin Ana Finta den Brandenburgern. Viele ihrer Bilder erfreuen bereits den einen oder anderen privaten Kunstliebhaber in der Havelstadt.

Von Ina Schidlowski

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