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Brandenburg/Havel Angeln heute: Rute, Blinker, Smartphone
Lokales Brandenburg/Havel Angeln heute: Rute, Blinker, Smartphone
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17:32 19.10.2016
Erik-Marten Unger (l.) und Nickolas Bengsch sind unter die smarten Angler gegangen. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Brielow

Großvater hielt den feuchten Finger in den Wind. Blies er aus der falschen Richtung, haute sich der gute Mann wieder auf’s Ohr. Es galt die eiserne Anglerregel: „Kommt der Wind aus Osten, muss der Haken rosten.“ Da haben es die Jungangler von heute bequemer. Noch unter der Bettdecke können sie checken, ob sich das frühe Aufstehen lohnt. Immer in Griffweite verrät ihnen das Handy, wie munter sich gerade Hecht, Barsch und Zander im Hausgewässer tummeln. Willkommen im 21. Jahrhundert!

Vom Kompass bis zum Fangbuch

Apps für Angler gibt es schon seit einigen Jahren. Die kostenlose App Fishing Points kann mehr als nur die Fischaktivitäten angeben. Es lassen sich Fangplätze und Trollingruten speichern.

Kompass und Entfernungsmessung gehören ebenso so dazu wie die aktuellen Wetterdaten, Mondphasen sowie Sonnenauf- und Untergangszeiten. In einem digitalen Fangbuch können die Fänge eingetragen werden. Angelplätze lassen sich mit Freunden teilen.

Beim Görnschen Bruch handelt es sich um eine mit Wasser vollgelaufene Tongrube. Die Wasserfläche ist beim Kreisanglerverband Brandenburg als offizielles Angelgewässer gelistet.

Es ist das Hausgewässer der organisierten Brielower Angler. Zusammen mit dem Großen Bruch und Brunis Löcher zählt das Görnsche Bruch zu den Erdelöchern Brielow mit einer Gesamtfläche von rund 20 Hektar.

Erik-Marten Unger aus Brielow und der Gortzer Nickolas Bengsch haben sich die Angler-App Fishing Points auf ihre wasserdichten Android-Smartphones geladen. Die Anwendungssoftware stellt dem Angler viele nützliche Informationen bereit. Doch im Kern ist für die beiden 15-Jährigen vor allem die Fischereivorhersage spannend. Der Kurvenverlauf auf dem Display soll zeigen, wie sich die Aktivität der Schuppenträger tagsüber entwickelt. Natürlich ohne die Gewähr einer Fanggarantie. Die App verspricht nichts und lässt doch Anglerherzen höher schlagen. Denn eine hohe Fischaktivität sollte sich in einer vielversprechenden Beißzeit niederschlagen.

Ein erster Hecht hat den Köder geschluckt. Quelle: Frank Bürstenbinder

Doch wie verlässlich ist solch ein smartes Orakel wirklich? Erik und Nickolas machen die Probe aufs Exempel. Es geht raus mit dem Kahn aufs Görnsche Bruch. Eine ehemalige Tongrube nordöstlich von Brielow. Es gibt tiefe Stellen und Flachwasserbereiche. Schilfgürtel wechseln sich mit Baumgruppen am Ufer ab. Es gibt kleine Inseln, umgestürzte Stämme, über das Wasser ragende Gehölze. Das strukturreiche Gewässer ist ein Paradies für Karpfen. Doch der Zielfisch der beiden Freunde ist der Hecht. Wenn der Sommer geht, kommen die Tageslicht-Räuber so richtig in Fahrt.

Im Görnschen Bruch gibt es zahlreiche Hotspots. Quelle: Frank Bürstenbinder

Die Angler-App lockt gegen 8 Uhr mit einer „hoher Fischaktivität“ von 70 Prozent. Bei 33 Prozent Niederschlagswahrscheinlichkeit wird es wohl ein trockener Ansitz werden. Aus Südwest weht ein schwacher Wind, den Fishing Points mit knapp vier km/h auf dem Handy angibt. Der Internetempfang auf dem abgelegenen Gewässer ist überraschend gut, denn nur dann kann die App alle ihre Stärken ausspielen. „Die Voraussetzungen sind ideal. Heute geht was“, gibt sich Erik Unger optimistisch.

Im flachen Wasser kann das Boot verlassen werden. Quelle: Frank Bürstenbinder

Der Nachwuchsangler vom Jugend-Team der Angelfreunde Radewege sollte Recht behalten. Keine halbe Stunde später knallt ein Hecht auf seinen flach durchs Wasser gezogenen Gummifisch. Erik schlägt an. Ein kurzer Drill und Bootsnachbar Nickolas kann Meister Esox sicher mit dem Kescher landen. Nach dem Abhaken und einem Foto wird der 50er-Hecht, der erst noch ein Kapitaler werden will, wieder in die Freiheit entlassen. Und was macht die App? Die Fischaktivität bleibt hoch. Tatsächlich sind die Hechte beim Frühstück. Einige sieht man im klaren Wasser zwischen Krautbänken auf Beute lauern. Noch sind die Wasserpflanzen nicht abgestorben, was das Beangeln des Zielfisches schwierig macht. Ausdauer, Geschick und ein glückliches Händchen bei der Köderwahl kann keine Software ersetzen.

Kunstköder in allen Farben und Formen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Plötzlich geht es Schlag auf Schlag. Jetzt hat auch Nickolas einen Biss an der Spinnrute. Ein Hecht fiel auf seine künstliche Fliege, Marke Eigenbau, herein. Doch der Räuber ist nicht sauber gehakt und kann sich befreien. Ein zweites Mal schnappt der Hecht zu. Wieder bleibt der Fisch Sieger. Auch bei Erik biegt sich für einen Moment die Rutenspitze krumm. Auch dieser Biss bleibt folgenlos. Die Jungangler atmen durch. Aktiver kann man sich Hechte kaum wünschen. An der App muss was dran sein.

Bootsangler Erik Unger (l.) und Nickolas Bengsch führen ihre Köder mit Spinnruten durch das Wasser. Quelle: Frank Bürstenbinder

Die Freunde steuern einen neuen Angelplatz an. Es geht auf Mittag zu. Fishing Points meldet abnehmende Fischaktivität. Wie auf Kommando ist es mit dem Fressrausch der Hechte vorbei. Das bekommen auch die beiden Jungen an ihren Ruten zu spüren. Für Erik und Nickolas war es dennoch ein erkenntnisreicher Angeltag. Auf ihre App verzichten wollen sie auch in Zukunft nicht. „Die Anwendung ist durchaus nützlich. Auch wenn die Prognose mal daneben liegt“, findet Nickolas. Das Smartphone gehört mittlerweile zur Ausrüstung wie der Blinker in der Köderbox.

Von Frank Bürstenbinder

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